Eintracht Trier: Zusatzeinnahmen garantieren unveränderten Etat

Harmonische Jahresversammlung bei Eintracht Trier: Geld für Neuzugänge ist da, Fan-Beirat wird gegründet

Von Florian Schlecht (Text) und Anna Lena Grasmück (Fotos)

Zusätzliche Einnahmen für die Vereinskasse, die Gründung eines Fan-Beirats und ein Aufsichtsratschef, der noch mehr Verantwortung übernimmt: Die Jahresversammlung bei Eintracht Trier am Dienstag lief harmonisch ab. 

Eintracht Trier kann mit einem unverändert hohen Etat in die Saison 2013/14 gehen. Das verkündete Finanzvorstand Harry Thiele bei der Jahreshauptversammlung am Dienstag, zu der knapp 100 Mitglieder erschienen waren. Zusätzliche Einnahmen durch Sponsoring und Pokal gewähren dem Fußball-Regionalligisten sogar die Möglichkeit, das Bilanzjahr zum 31. Dezember 2013 mit einem Gewinn abzuschließen. Für die erste Mannschaft bedeutet das, dass es keine finanziellen Einschnitte gibt – und somit die Gelder für mindestens drei weitere Neuzugänge zur Verfügung stehen. Dazu wird zukünftig ein Fan-Beirat gegründet, der sich einmal im Monat mit dem Vorstand austauschen soll. Aufsichtsratschef Frank Natus übernimmt dazu mehr Verantwortung und ist zukünftig Teil der Vorstandssitzungen. Die wichtigsten Inhalte der Versammlung im Überblick:

Jahreshauptversammlung Eintracht Trier - Vorstand

Knapp über eine Stunde dauerte die Jahresversammlung von Eintracht Trier.

Die Finanzen – Im Bilanzjahr 2012, das vom 1. Januar bis zum 31. Dezember läuft, verbuchte Eintracht Trier einen Verlust von 230.000 Euro. Das Loch wurde durch ein privates Darlehen gestopft. In diesem Jahr soll das laut Harry Thiele nicht noch einmal passieren. „Wir glauben zum 31.12.2013 an eine schwarze Null und mehr“, frohlockte der Finanzvorstand bei der Jahreshauptversammlung. Der Grund dafür: Zusätzliche Einnahmen, die in die Kassen sprudeln. In den vergangenen zwei Wochen gab es im Sponsoring einen unerwarteten Schub. Neben einer Zusage von 100.000 Euro gab es das Bekenntnis vom Aufsichtsrat, für weitere 80.000 Euro einzustehen. Dazu kommt das Erreichen der ersten DFB-Pokalhauptrunde, wo Thiele zum Heimspiel gegen den 1. FC Köln mit einem Gewinn von 140.000 Euro durch die Antrittsprämie und Zuschauereinnahmen rechnet.

Ein weiteres Zubrot kam eher unerwartet: Aus der Insolvenz der Kirch-Gruppe kann Trier noch mit ausstehenden TV-Geldern aus der Zweitligazeit rechnen. Hier winken zusätzlich 50.000 Euro. Diese Einnahmequellen bedeuten einerseits, dass der Regionalligist nicht an seinem Etat rütteln muss. Dieser lag in der vergangenen Saison bei 1,6 Millionen Euro für den Gesamtverein. Desweiteren sollen weiter Schulden abgebaut werden, die derzeit bei 850.000 Euro liegen. „Langfristige Verbindlichkeiten“, betonte Thiele – aber deren Zinslast solle gesenkt werden. Zur Anfrage, wie sich die Umstellungen auf der Geschäftsstelle mit der Abstellung von Dirk Jacobs zur Akquise von Sponsoren ausgewirkt habe, sagte Thiele. „Wir haben über den Etat der Geschäftsstelle, der bei 100.000 Euro liegt, und das zuvor dagewesene Potenzial hinaus 120.000 Euro mehr an Geldern eingenommen. Das ist ein Zeichen, das wir im Sponsoring sehr ordentlich gearbeitet haben.“

Das Sportliche – Hinter die Saison 2012/13 setzte Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi einen zufriedenen Haken. „Wir haben uns intern das Ziel gesetzt, einen Platz unter den ersten fünf Mannschaften zu erreichen und den Rheinlandpokal zu gewinnen. Beides haben wir erreicht. Leider war Chhunly Pagenburg lange verletzt, Steven Lewerenz und Alon Abelski fehlten große Teile der Wintervorbereitung. Ansonsten wäre vielleicht noch mehr möglich gewesen.“ Für die neue Saison wurde das Gerüst des Kaders gehalten. Durch Finanzspritzen mittels Sponsoring und Pokal hat Roland Seitz unverändert 1,05 Millionen Euro für den Regionalliga-Kader zur Verfügung. Mit der Verpflichtung von Matthias Cuntz hat Eintracht Trier bereits 17 Spieler im Aufgebot. „Das Ziel ist es, einen Kader von 18 Feldspielern und zwei Torhütern zu haben.“ Drei Kräfte fehlen so noch. „Es werden noch Spieler zu uns kommen, die uns helfen können und werden. Da haben wir volles Vertrauen in den Trainer.“

Das Organisatorische – Eine organisatorische Veränderung wurde mit der Jahreshauptversammlung auch bekanntgegeben. Aufsichtsratschef Frank Natus wird zukünftig zu den Vorstandssitzungen entsendet, ohne dabei Mitglied des Vorstandes zu sein. Ein ähnliches Modell gab es 2008 bereits mit Robert Bläsius, der danach tatsächlich noch in den Vorstand aufrückte. Natus schließt ein solches Szenario derzeit aus zeitlichen Gründen aus. Sein Ziel: „Die Kommunikation vom Aufsichtsrat in den Vorstand soll so verbessert werden.“ Dazu sieht er die Möglichkeiten, seine Kontakte in die Wirtschaft und die Politik bei diesen Treffen noch besser einbringen zu können.

Jahreshauptversammlung Eintracht Trier - Ernst Wilhelmi

Ernst Wilhelmi übte Kritik an Fan-Reaktionen.

Die Fans – Ein Fan-Beirat soll gegründet werden, bei dem Anhänger aus allen Fangruppierungen sich einmal im Monat mit dem Vorstand treffen können, um gegenseitig Eindrücke und Belange auszutauschen. Die Fans von Eintracht Trier hatten in der vergangenen Saison bei der Aktion „Einer geht noch rein“ bundesweit Schlagzeilen geschrieben. Mit ihrer Spendeninitiative für einen Stürmer kamen 17.000 Euro zusammen, durch die im Winter Marco Quotschalla verpflichtet werden konnte. Allerdings gibt es nach wie vor Konflikte, auf die Wilhelmi einging, indem er Kritik an den „überzogenen Fan-Reaktionen“ nach den Heimspielen gegen Elversberg und Idar-Oberstein übte. „Von unserer Seite wird es dafür keinerlei Toleranz geben. Das ist eine Unverschämtheit und ein Affront gegenüber allen Protagonisten. Wir haben in Trier eine riesige Lücke zwischen dem Anspruchsdenken und den Möglichkeiten, das Anspruchsdenken zu erfüllen. Man muss immer klarstellen: „Wir haben keinen Mäzen, der uns Unsummen zur Verfügung stellt. Hier wird anständig gewirtschaftet und zugleich versucht, das Beste aus der Mannschaft rauszuholen.“

Jugend – Sechs Spieler im aktuellen Regionalliga-Kader von Eintracht Trier haben den eigenen Nachwuchs durchlaufen. Für Ernst Wilhelmi ist diese „30-Prozent-Quote“ im Aufgebot des Klub-Aushängeschildes ein Beleg dafür, dass der Jugend eine Perspektive geboten wird. Jugendvorstand Roman Gottschalk sprach von einem erfolgreichen Jahr mit dem DFB-Pokalauftritt der A-Jugend gegen den Hamburger SV und den Finalteilnahmen der U19, U17 und U15 im Rheinlandpokal, wenngleich diese allesamt verloren gingen. Allerdings wird für den Nachwuchs zukünftig auch weniger Geld zur Verfügung gestellt: So wird der Jugendetat zur neuen Saison nach Angaben von Harry Thiele von 200.000 auf 160.000 Euro gesenkt.

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