Erlebnisbericht aus dem Eintracht Trier Trainingslager

Seit Sonntag, den 2.Februar trainieren die Spieler der Eintracht Trier bei frühlingshaften Temperaturen im türkischen Belek. Die 5vier.de Redakteure Lars Eggers und Stefanie Braun konnten sie zusammen mit den Sponsoren seit Mittwoch begleiten.

Foto: Lars Eggers

Foto: Lars Eggers

Als Kulturredakteurin hat man mit Fußballstadien, Sportregeln und Fanblöcken meist wenig zu tun. Jubelrufe und Pfiffe kennt man in Premieren zwar auch, zweiteres wird allerdings nicht so gerne gesehen und (hoffentlich) nur in Ausnahmefällen betrieben. Wenn man allerdings als fleißige Theatergängerin ins Trainingslager der Eintracht Trier mitfahren soll, dann sieht das schlagartig ganz anders aus.

Hört man als Fußball-Laie das Wort „Trainingslager“ stellt man sich darunter meist ein straffes, Galeerenartiges Sport- und Fitnessprogramm vor. Stundenlange, kraftraubende, Muskelaufbau-Übungen, Aufstehen um 6 Uhr in der Frühe und eine Ernährung, die nur aus Kohlehydraten und Eiweiß besteht. Nach zwei Tagen im Eintracht Trainingslager im schönen Belek in der Türkei kann ich sagen, ganz so schlimm ist es nicht. Aber ein bisschen was ist dran.

Trainiert wird zweimal am Tag, morgens und nachmittags. Eine Woche lang bleiben die Jungs der Eintracht im Trainingslager. Vier Tage davon in direkter „Nähe“ zu Fans und Sponsoren und zwei Vertretern der Presse.

Das Adora Golf Resort in Belek. Foto: Lars Eggers

Das Adora Golf Resort in Belek. Foto: Lars Eggers

Eine davon in völliger Ahnungslosigkeit, was sie in den nächsten vier Tagen erwarten wird. Zu Anfang werden die Fronten zwischen eingefleischten Eintracht-Fans und der jungen Kulturredakteurin direkt klar gemacht: „Wir sind hier eine große Familie.“ So Vorstandsmitglied Roman Gottschalk, der sich im Flugzeug auf dem Weg nach Belek ohne langes Fremdeln zu der mit Flugangst kämpfenden Redakteurin setzt. Liebe Worte von harten Kerlen. „Ich bin schon so oft geflogen. Ist nie was passiert. Wie man sieht.“ Lacht auch Günter Britz.

Wo vorne gelacht und gescherzt wird, kann man hinten nicht zittern und Panik schieben. Soviel ist klar.

Glücklich angekommen, im Bus nach Belek dann erneut eine kleine Rede von Vorstandssprecher Ernst Wilhelmi, man hofft auf einen kleinen Imbiss im Hotel. Die Bar hat eigentlich schon geschlossen, die Küche ist kalt. Immerhin ist es schon weit nach Mitternacht Ortszeit, als wir ankommen. Doch man weiß, wie lange wir gereist sind. Eine Platte kalter Köstlichkeiten füllt den Bauch und hebt nochmal die Stimmung. Den Rest erledigt die noch geöffnete Bar. Das Bier schmeckt, die Snacks machen satt, also kein Grund für Meckern und schlechte Laune trotz langer Reise. Manchmal laut, aber erfrischend einfach und unkompliziert geht es in dieser „Familie“ zu.

Am nächsten Tag soll Antalya erkundet werden, die Jungs der Mannschaft trainierten morgens. Zum Ausflug sind ein paar von ihnen dabei. Auch für sie eine Gelegenheit etwas von dem Land zu sehen, in dem sie seit ein paar Tagen trainieren. Auch wenn es „nur“ einer der stark westlich geprägten Bazaare und der Hafen Antalyas ist.

Abends dann „gemeinsames“ Abendessen. Ein Blick auf den Teller, der in ihren blauen Trainingsanzügen steckenden Spieler und man ahnt wo die Klischeebilder im Kopf herkommen. Eier, egal ob Rührei, Spiegelei, gekocht oder gebraten, dazu viel Geflügel. Eiweiß satt. Gut für die Muskeln, gut für’s Training, gut für den Verein. Auf den Tellern von Sponsoren und Fans geht es da schon etwas bunter und vielfältiger zu. Und in den Gläsern auch. Für die Spieler herrscht Alkoholverbot. Sie sind ja schließlich nicht im Urlaub hier. Und während die Sponsoren und Fans noch lange feiern und sich kennenlernen, heißt es für die Spieler ab 11 Uhr Nachtruhe.

Neuzugang Ken Asaeda (rechts). Foto: Lars Eggers

Neuzugang Ken Asaeda (rechts). Foto: Lars Eggers

„Die braucht man aber auch.“ weiß Neuzugang Ken Asaeda. Am 30.1. unterschrieb er den Vertrag bei der Eintracht. Dass er direkt am Trainingslager teilnehmen konnte ist für ihn ein großer Glücksgriff. „Es ist ein Glück sich direkt auf diese Weise in die Mannschaft integrieren zu können.“ Die machte es Asaeda aber auch leicht, er lobt die freundliche Stimmung im Team: „Ich wurde sehr gut aufgenommen.“ Nun wünscht er sich schnellstmöglich „anzukommen“ und der Mannschaft zu helfen ihr Ziel zu erreichen. Doch natürlich ist es anfangs nicht leicht in einem komplett neuen Team, da braucht es etwas Zeit um sich kennen zu lernen.

Ums kennenlernen soll’s bei Fans und Sponsoren auch gehen. Natürlich neben der Liebe zum Verein. „Es ist schön, mal mehr miteinander zu reden. Man kennt sich vom Sehen und hat hier die Möglichkeit abends in einer lockeren Runde ein paar Worte miteinander zu wechseln. Über ein paar Sachen zu reden, über die man sonst nicht reden kann.“ so Michael Helfen.

Vorstandsvorsitzender Ernst Wilhelmi. Foto: Anna Lena Grasmück

Vorstandsvorsitzender Ernst Wilhelmi. Foto: Anna Lena Grasmück

Wie etwa über das Entspannungsbecken im Mannschaftsbereich, das Helfen, als Fliesenlegermeister selbst gebaut hat. „Ich habe Roman gefragt, ob es von der Mannschaft gut angenommen wird.“ Dies konnte der nur bejahen. Nur die Sauna, die wird seit einiger Zeit kaum noch aufgesucht. Das Holz ist abgenutzt, die Fliesen nicht mehr schön, nicht gerade einladend nach einem harten Trainingstag. Da kam der Entschluss vom Fliesenlegermeister kurzerhand. „Wir verlegen da ein paar neue Fliesen, ich organisiere noch ein, zwei Schreiner und richten die Sauna wieder etwas her.“ Die Jungs sollen sich ja wohlfühlen, letzten Endes kommt das auch dem Verein wieder zugute. Lohn genug für Helfer wie Helfen.

„Es ist schön, dass wir hier auf dem kleinen Dienstweg Dinge auf den Weg bringen können.“ so Ernst Wilhelmi. Das Testspiel am Samstag soll nun Mannschaft und Trainer auf einen guten Weg bringen. Auch wenn es ein harter Test wird. „Wir spielen gegen einen weißrussischen Erstligisten.“ Keine schlechte Erste Liga. Auch Roman Gottschalk hat ein paar gute Wünsche, die er dem Team mit auf den Weg geben möchte: „Für den Trainer wünsche ich mir die passenden Erkenntnisse, damit er Schwächen noch in den nächsten Wochen ausbügeln kann. Für die Spieler wünsche ich mir natürlich keine Verletzten.“ Zumal bereits ein paar angeschlagen sind. „Die Mannschaft hat Ziele, der Trainer hat Ziele, die Fans haben Ziele und die Sponsoren haben Ziele. Das stimmt mich im Moment sehr positiv. Ich wünsche uns und allen Beteiligten einfach Freude am Fußball“

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Kommentare (1)

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  1. sve-torsten sagt:

    Ein sehr schöner und lebendiger Erlebnisbericht! Gefällt mir sehr gut! In die Flugangst kann mich übrigens gut hineinversetzen 🙂

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