Euro 2012: Auf Holperwegen durch die Ukraine

Seit einigen Tagen ist die Euro 2012 in Polen und der Ukraine in vollem Gange. Auch 5vier.de hat seinen Osteuropa-Korrespondenten Christian in die Ukraine geschickt. Hier gibt es erste Eindrücke!

Die Gastfreundschaft in der Ukraine ist überragend!

Es ist heiß. Sehr heiß in Kharkiv, wo am heutigen Dienstag die deutsche Nationalmannschaft auf den Erzrivalen aus Holland trifft. Schlagzeilen über die bevorstehende Hitzeschlacht sind zu lesen und auch ich bin heute Morgen schweißgebadet aufgewacht. Wir wohnen in einer Privatwohnung bei Mutter und Tochter, die sich tatsächlich rührend um uns kümmern. Die Wohnung ist zwar klein, aber sehr schön eingerichtet, was man dem Hochhaus von außen gar nicht ansieht. Günstig ist es auch noch, wir zahlen 25 Euro pro Person. Die Nachrichten bezüglich völlig überteuerter Zimmerpreise können wir zum Glück nicht bestätigen und haben auch niemanden getroffen, der abgezockt wurde. Vorausschauende Planung ist alles!

Nach dem ersten Spiel der Deutschen in Lviv sind wir weiter in den Osten gereist und haben einen Eindruck bekommen, dass die Horrornachrichten von den miserablen Straßenverhältnissen gar nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen waren. Die Hinreise war dagegen absolut problemlos und auch die Einreise in die Ukraine wurde ohne die befürchteten endlosen Wartezeiten an der Grenze bewältigt. In Lviv beeindruckte uns die sehenswerte Altstadt, wir bekamen aber auch recht bald die Schattenseiten zu sehen. In der Charles Bukowski-Bar trafen wir auf Ultras des einheimischen Vereins Karpaty Lviv, die sich im Gespräch unverhohlen als Faschisten bezeichneten. Wir fühlten uns mehr als unwohl, vor allem weil wir mit einem Freund aus Sri Lanka unterwegs waren, was für die Ultras zum Glück kein Problem war. Trotzdem waren wir froh, als wir uns nach ein paar Bierchen verabschieden konnten. Es fällt schnell auf, dass viele Menschen in vergleichsweise ärmlichen Verhältnissen leben. In krassem Gegensatz hierzu stehen die Topgestylten ukrainischen Frauen, die nicht zu Unrecht zu den schönsten Frauen Europas gezählt werden. Unsere Unterkunft lag am Stadtrand von Lviv und war in einem Topzustand. Gastgeber Oleg war wie eigentlich alle Ukrainer, denen wir begegnet sind, sehr nett und organisierte alles mögliche für uns. Die ukrainische Gastfreundschaft ist sensationell!

Zum Spiel der Deutschen muss man ja gar nicht viel sagen. Vor Ort kümmerte sich der Fanclub Nationalmannschaft um die recht zahlreichen deutschen Fans, die Stimmung in der Kurve war sehr gut. Das Stadion war fest in deutscher Hand, etwa drei Viertel der Zuschauer unterstütze unsere Mannschaft. Der Sieg war dann natürlich das Sahnehäubchen. Die Stimmung war wesentlich besser als zwei Tage später bei den Engländern in Donezk. Auf dem Weg nach Kharkiv machten wir nämlich noch einen kleinen Umweg, um uns das Spiel der Engländer gegen Frankreich anzusehen. Die Arena von Shakhtar Donezk ist unglaublich modern und sehr groß. Da sie allerdings nicht ausverkauft war, war auch die Atmosphäre im Stadion eher mäßig, wozu auch das schwache Spiel vor allem in der zweiten Halbzeit seinen Teil beitrug. Etwa ein Drittel der Zuschauer dürften Russen gewesen sein, die sich durch das lautstarke Absingen von russischen Schlachtgesängen bemerkbar machten. Überhaupt hatte man den Eindruck, dass es ein sehr internationales Fußballfest war. Wir begegneten einer Gruppe Portugiesen und lernten fußballverrückte Mexikaner kennen, die aber in Frankreich leben. Alles blieb friedlich und auch die gefürchteten englischen Anhänger waren nicht aggressiv.

Nun sind wir also in Kharkiv angekommen und fiebern dem Spiel gegen Holland entgegen. Eine Reise voll von neuen Eindrücken geht weiter!

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