Europa League: Käerjéng kassiert Ausgleich in der Nachspielzeit

Aus Luxemburg berichtet
Andreas Gniffke (Text und Fotos)

Die Sommerpause im (Männer-)Fußball nagt an jedem echten Fan, doch es gibt ja Alternativen! So zum Beispiel die Europapokal-Qualifikation in Luxemburg, die in dieser Woche begonnen hat. Immerhin vier Mannschaften aus dem Herzogtum starten in den beiden Wettbewerben, erfahrungsgemäß dauert die luxemburgische Präsenz allerdings nicht besonders lange an. Am gestrigen Donnerstag traf UN Käerjéng auf den schwedischen Vertreter BK Häcken. Die Überraschung war zum Greifen nahe, doch am Ende kassierte man in der dritten Minute der Nachspielzeit den bitteren Ausgleich zum 1:1. Nun stehen die Chancen eher schlecht, in Schweden den Einzug in die zweite Runde klar zu machen.

Die Vorzeichen standen denkbar schlecht für den Dritten der letztjährigen luxemburgischen Meisterschaft, denn während man selbst gerade aus dem Urlaub kam, stand der Gegner bereits mitten im Saft, ist doch die schwedische Meisterschaft bereits in vollem Gange. BK Häcken belegt zur Zeit den neunten Tabellenplatz und hatte sich nur über die obskure Fair-Play-Wertung der UEFA für die Europa League qualifizieren können. Dennoch gingen die Gäste als klarer Favorit in die Partie, doch die Mannschaft enttäuschte auf ganzer Linie. Zwar zeigte man insgesamt die bessere Spielanlage und war vor allem körperlich deutlich robuster, doch Käerjéng hatte erstaunlich wenig Mühe, die Schweden vom eigenen Kasten fern zu halten.

So entwickelte sich eine zähe erste Hälfte, in der Häcken zwar deutlich größere Spielanteile hatte, die Gastgeber aber kämpferisch ausgezeichnet dagegenhielten und nach einer längeren Abtastphase auch selbst versuchten, Offensivaktionen zu starten. Zählbares sprang dabei allerdings nicht heraus, lediglich eine kleinere Gelegenheit, als in der 21. Minute Ken Corral auf der linken Seite freie Bahn hatte, seine Hereingabe von der Grundlinie aber von Stéphane Piron verpasst wurde. Häcken war vor allem durch Standardsituationen gefährlich, doch die Defensive der Gastgeber behielt auch gegen den aufgerückten Abwehrriesen Tom Söderberg (1,99m) oder den ebenfalls großgewachsenen Mathias Ranégie (1,96m) stets die Übersicht. Erst eine Minute vor der Pause ergab sich eine echte Torchance, als Henid Ramdedovic unnötig den Ball vertändelte und John Chibuike freie Bahn hatte. Doch Häckens etwas verspielter Mittelfeldstratege verdribbelte sich im Strafraum, kam aber dennoch zum Abschluss aufs kurze Eck, der Ball konnte aber von Jérôme Winckel im Tor der Gastgeber pariert werden. So ging es nach einer schwachen ersten Hälfte mit einem torlosen Remis in die Kabinen.

Nach dem Seitenwechsel sahen die Zuschauer aber einen Europapokalkrimi. Häcken kam etwas besser aus der Kabine und stand in der 51. Minute kurz vor der Führung. Der starke Ranégie zog von halblinks ab und der Ball sprang von der Unterkante der Latte wohl hinter die Linie, von da aber wieder heraus. Das insgesamt etwas merkwürdig pfeifende Schiedsrichtergespann entschied zum Glück für die Gastgeber nicht auf Tor. Chancen für Häcken gab es nun im Minutentakt, Käerjéng stand in dieser Phase schwer unter Druck. Doch nach gut einer Stunde beruhigte sich die Partie wieder und auch der Außenseiter kam wieder zu Offensivaktionen, die allerdings häufig zu unpräzise ausgespielt wurden. Zu oft wurde das Heil in Weitschüssen gesucht, die allerdings den Kasten der Schweden nicht in Gefahr bringen konnten.

Riesenjubel nach dem 1:0 durch Stéphane Da Cruz.

In der 74. Minute hatte Käerjéng die bis dahin betse Gelegenheit, ein abgefälschter Schuss nach einer Ecke fand aber nicht den Weg ins Tor. Im Gegenzug dann aber wieder eine Großchance für Häcken, nach einem Doppelpass mit Rene Makondele traf Dioh Williams aber nur den Außenpfosten. Doch der Kampf- und Offensivgeist der Luxemburger wurde in der 84. Minute belohnt. Einen mustergültigen Angriff verwertete der eingewechselte Stéphane Da Cruz zur viel umjubelten 1:0-Führung. Häcken reagierte und brachte noch einmal zwei neue Spieler, doch Käerjèng verteidigte die Führung geschickt und leidenschaftlich. Bis zur Nachspielzeit… Satte vier Minuten hatte der vierte Offizielle zum Unmut der Zuschauer angezeigt und die Schweden sollten den Bonus nutzen. In der dritten Minute der Nachspielzeit wuchtete Abwehrspieler Mattias Östberg den Ball nach einer Ecke ins Tor. Einmal hatte die zuvor so gute Abwehr nicht funktioniert.

Mit dem 1:1, das auch der Endstand war, ruinierte sich Käerjéng eine hervorragende Ausgangsposition für das Rückspiel am nächsten Dienstag in Schweden. Häcken zeigte eine schwache Leistung, mit einer Führung im Rücken wäre vielleicht auch im hohen Norden etwas drin gewesen. So aber wird die Aufgabe für Käerjéng riesengroß, ein Tor muss nun dringend her. Enttäuschend war allerdings mal wieder die Zuschauerresonanz: Lediglich 727 Menschen wollten die Partie im hauptstädtischen Stade Josy Barthel sehen, darunter auch einige Anhänger aus Schweden und der ein oder andere Groundhopper, der sich die fußballfreie Zeit in Luxemburg vertrieb.

Im zweiten Spiel des Abends unterlag Fola Esch erwartungsgemäß der schwedischen Spitzenmannschaft IF Elfsborg mit 0:4. Das Rückspiel am kommenden Donnerstag in Esch hat somit wohl nur noch statistischen Wert.

STATISTIK

UN Käerjéng (Trainer Roland Schaack):
Jérôme Winckel – Vito Marinelli, Paulo Da Costa, Lars Heller, Henid Ramdedovic – Ernad Sabotic, Marc Binsfeld, Gil Martins (ab 78. Alessandro Fiorani), Julien Rolandi (ab 83. Romain Andres) – Ken Corral, Stéphane Piron (ab 64. Stéphane Da Cruz)

BK Häcken (Trainer Peter Gerhardsson):
Christoffer Källqvist – Daniel Forsell, Mattias Östberg, Tom Söderberg, Mohammed Ali Khan, Björn Anklev (ab 66. Dioh Williams) – Josef Karlsson (ab 86. Peter Nyström), John Chibuike (ab 85. Majeed Waris), Rene Makondele, Dominic Chatto – Mathias Ranégie

TORE
1:0 Stéphane Da Cruz (84.)
1:1 Mattias Östberg (90+3)

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