Faisal Kawusi erobert die Comedy-Bühne

Interview mit dem Gewinner des 10. Master Comedy Slams in Trier

Von Marie Baum (Text und Fotos)

Auch in diesem Jahr lag es wieder in der Hand des Publikums, wer den Preis des 10. Master Comedy Slams mit nach Hause nehmen durfte. Acht fantastische Komödianten, alle zum Schreien komisch, doch am Ende überragte nur einer sie alle. Faisal Kawusi, heißt der Mann des Abends. Bereits nach der ersten Vorrunde war klar, der junge Frankfurter mit den afghanischen Wurzeln wird es ins Finale schaffen. Gemeinsam mit Friedemann Weise, Andreas Weber und Jaqueline Feldmann witzelte er um die Wette. Doch schlussendlich gewann Kawusi mit einem enormen Vorsprung von rund 60 Prozent der Zuschauerstimmen.

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 „Mit meinem Blick bekomme ich sie alle“, so Kawusi und er behielt recht. Mit Charme und frechen Witzen schlug er sich durch den Wettbewerb. Er betrat die Bühne mit den ersten Worten: „Ich weiß, was ihr jetzt denkt, was will denn der Dicke da auf der Bühne. Aber ich bin nicht dick, ich habe nur ein Hohlkreuz“. Kawusi nimmt sich selbst nicht sehr ernst und kann gemeinsam mit anderen über sich schmunzeln. Das ist wohl der Charme, der den Newcomer so sympathisch macht. In der Vorrunde und im Finale hatten die Teilnehmer jeweils zehn Minuten Zeit, um die Zuschauer zu überzeugen.

Ein verdienter erster Platz

P1000458Kawusi erzählte hauptsächlich aus seinem Alltag und welche Probleme auf einen großen, korpulenten Deutschen mit afghanischem Hintergrund zukommen. Über solche Sätze wie „Sie sprechen aber schon relativ gut Deutsch“ oder „Wo kommen sie denn ursprünglich her“, kann er als Deutscher nur lachen und hat dementsprechend auf eine dumme Frage auch eine dumme Antwort parat.

Natürlich spielte auch Essen eine wichtige Rolle: Beispielsweise, wenn er in ein Fastfood-Restaurant geht. „Dann werde ich mit Blicken durchlöchert“, was ihn allerdings nicht davon abhält ein XXL-Menü zu bestellen, ganz nach dem Motto: jetzt erst recht.

Im Finale schaffte er es auf seine einfache Art, noch eine Schippe draufzulegen und bekam mit seiner Spontanität die Zuschauer nicht mehr aus dem Lachen. Ein verdienter erster Platz und sicherlich nicht der letzte Preis, den Kawusi in seine Vitrine stellen darf.

Interview mit Faisal Kawusi

„Die besten Ideen kommen mir beim Autofahren oder Einkaufen“

5vier: Im Publikum murmelten die Leute bereits nach der ersten Vorrunde: „Da hat wohl schon einer gewonnen.“ Hatten Sie auch das Gefühl oder war die Konkurrenz sehr hart?

Faisal Kawusi: Man muss es so sehen, beim Comedy Slam sind in meinen Augen alle Gewinner und ich habe auch nicht teilgenommen, um zu sagen: „Hey, ich gewinn das Ding.“ Natürlich ist es ein schönes Gefühl der Sieger zu sein, aber ich musste nicht um jeden Preis gewinnen. Das Problem ist halt, ich mag Trophäen und kämpfe gerne dafür. Ich muss auch sagen, ich war seit Ewigkeiten wieder nervös, aber das ist gut, denn es zeigt, dass man den Job ernst nimmt. Wir machen zwar Gags auf der Bühne, aber es ist immer noch ein Job, deswegen muss man versuchen, das Beste herauszuholen. Nach der ersten Runde hatte ich schon ein gutes Gefühl, aber Hochmut kommt vor dem Fall und das weiß ich auch, also habe ich einfach nur gedacht, mal sehen, was noch kommt. Ich hatte einen guten Einstieg und es kommt auch immer auf die Chemie zwischen Publikum und Künstler an. Ich muss sagen es stimmte, denn wir haben uns gut verstanden und nach der zweiten Runde dachte ich, ich habe gute Chancen. Der Applaus war auch überwältigend. Es war wunderbar und ein sehr schönes Gefühl.

5vier: Also machen Sie Comedy hauptberuflich. Was haben sie davor gemacht?

Faisal Kawusi: Ja, die Comedy ist mein Beruf. Ich verdiene damit mein Geld, aber davor habe ich meine Ausbildung als Bankkaufmann abgeschlossen und danach gesagt: „Jetzt kann ich endlich meiner Leidenschaft nachgehen.“

5vier: Wie ging es nach dem Comedy Slam weiter? Weitere Auftritte oder auch wieder etwas gewonnen?

Faisal Kawusi: Auf Wettbewerben war ich seit dem nicht mehr. Nach dem Slam war ich in Ulm und hatte bis heute in acht Tagen sieben Auftritte, unter anderem zwei Moderationen. Jetzt bin ich mal wieder zu Hause. Aber es geht immer weiter, ich kann nicht sagen: „Jetzt erst mal entspannen“ es geht weiter und weiter und weiter.

5vier: Treten sie in ganz Deutschland auf oder auch mal im Ausland?P1000497

Faisal Kawusi: Ja, in ganz Deutschland. Ich war auch schon in Österreich, aber bleibe vorerst im deutschsprachigen Raum.

5vier: Gibt es Unterschiede im Publikum je nach Stadt?

Faisal Kawusi: Wir haben in Deutschland ein sehr buntes Publikum mit sehr vielen verschiedenen Mentalitäten. Da ist Trier anders als Hamburg und Hamburg anders als Berlin, also jede Stadt hat so ihre eigene Art.

5vier: Passt du dein Konzept auch immer der Stadt an?

Faisal Kawusi: Nein, weil im Prinzip bin ich ja ein Produkt, und wenn es den Leuten gefällt, dann gefällt es ihnen und wenn nicht, dann nicht. Da kann ich nichts machen und sich an das Publikum anpassen geht nicht, denn man kann nicht in die Menschen hineinschauen. Zum Beispiel sagt das Alter nichts über den Geschmack aus. Ich bin letztens in Kufstein aufgetreten. Dort war das Publikum 50-plus und es war ebenso begeistert wie in Trier.

5vier: Wie entwickelt man das Gespür dafür, was die Leute lustig finden könnten?

Faisal Kawusi: Das ist ein Talent. Jeder kennt es, wenn man mit seinen Freunden zusammen ist, man macht einen Witz und keiner lacht. Aber es muss Talent dahinter stecken, denn ich teste ja auch. Es ist nicht so, dass ich mir auf der Bühne spontan etwas ausdenke, denn es steckt schon viel Arbeit dahinter. Irgendwann entwickelt man ein Gespür dafür und weiß, wie man etwas witzig rüber bringen kann. Dann probiert man es aus und schaut, ob es klappt, perfektioniert es noch und kann dann bei einem Slam oder anderen Auftritten die Impro präsentieren.

5vier: Wie lange sitzt du dann an so einer Comedynummer?

Faisal Kawusi: Ich sitze nie. Ich habe Ideen im Kopf, die beim Autofahren, Einkaufen und vieles mehr kommen. Wenn ich eine Idee habe, entwickle ich sie im Kopf und denke: „Okay, heute probier ich das einmal.“ Vorher schreibe ich mir in Stichworten eine Reihenfolge auf und dann heißt es „testen, testen, testen“. Aber verallgemeinern kann man es nicht, denn bei der einer Idee klappt es direkt und bei anderen braucht man länger, bis es perfektioniert ist.

„Meine größte Angst ist, dass das Mikrofon ausgeht“

5vier: Was sind die größten Ängste, die man auf der Bühne hat?

Faisal Kawusi: Wenn das Mikrofon nicht geht.

P10004965vier: Ich hätte jetzt so etwas erwartet wie: Ausgebuht werden.

Faisal Kawusi: Nein, ausgebuht wurde ich noch nie und habe auch keine Angst davor. Mir ist schon öfter passiert, dass die Leute nicht gelacht haben. Gerade zu Beginn meiner Karriere. Manchmal auch über 10 bis 15 Minuten hinweg. Mittlerweile zum Glück nicht mehr. Aber das härtet einen ab, man denkt sich: „Komm zieh einfach dein Ding durch.“ In diesen Momenten lernt man am meisten. Ich habe aber keine Angst davor, dass die mich ausbuhen und ich glaube, das würde auch nicht passieren, denn dazu braucht man ein sehr emotionales Publikum. Aber auf einer Livebühne passiert so etwas eigentlich nicht. Es sei denn man geht zum Supertalent (lacht).

5vier: Also größere Misserfolge gibt es nicht. Höchstens mal ein stilles Publikum?

Faisal Kawusi: Genau. Also natürlich gibt es Bühnen, wo die Leute ausgebuht werden, aber ich glaube nicht, dass mir das jemals passieren wird und wenn es passiert, beleidige ich die und gehe (lacht). Mir geht es darum, mich zu entwickeln und erfolgreich zu sein. Wenn ein Auftritt vor 500 Leuten mich nicht zum Weltstar macht, wird mich auch ein Auftritt in einem kleinen Städtchen nicht öffentlich zum Vollidioten machen. Dann denkt man sich: „Shit Happens, Kopf hoch und weiter geht’s.“ Das gehört dazu, denn ohne Rückschläge auch kein Erfolg, das gehört dazu.

5vier: Hast du in Sachen Comedians ein Vorbild?

Faisal Kawusi: Also Vorbild würde ich nicht sagen, weil man die ganzen Comedians kennt, und sie alle schon einmal persönlich getroffen hat. In der Comedy versuche ich kein Vorbild zu haben, weil Vorbild für mich heißt, dass man so sein will wie er und ich nicht so sein will, wie jemand anderes. Ich will individuell sein. Wenn mich jemand fragt, wer mein Vorbild als Mensch ist, würde ich antworten „Mein Vater“. Aber wenn ich gefragt werde, welchen Comedian ich supergut finde, würde ich Özcan Cosar sagen, den Gewinner des Master Comedy Slam 2013. Er ist meiner Meinung nach der beste Comedian Deutschlands und auch eine Art Mentor für mich, mit dem ich oft telefoniere. Ich habe erst gestern eine Moderation mit ihm in Stuttgart übernommen. Es ist für mich immer eine große Ehre, an seiner Seite auftreten zu dürfen. Ich finde, was die Newcomerszene angeht, ist er besser als die Comedians im Fernsehen. Der Mann ist ein Phänomen.

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