Rund ums Leder: Fronten zwischen DFB und Fans verhärtet

Von Andreas Gniffke (Text und Fotos, wenn nicht anders angegeben)

Die Ereignisse rund um die DFB-Pokal-Partie zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden vor einigen Wochen führten neben einer absurden und scheinheiligen Medienhysterie zu einem vorläufigen Bruch im Verhältnis zwischen DFB und Fanvertretern, doch auf einem Sicherheitsgipfel in der vergangenen Woche signalisierte der Verband wieder so etwas wie Gesprächsbereitschaft. 5vier.de-Redakteur Andreas Gniffke gibt einen Überblick über den Stand der Dinge.

HSV-Fans beim DFB-Pokal in Trier (Foto: Anna Lena Grasmück)

Von Pyros zu Auschwitz: Hysterie und Panikmache

Die Schlagzeilen vieler Zeitungen legten den Verdacht nahe, dass Stadionbesuche grundsätzlich gefährliche Unternehmungen darstellen und es zu einer Gewaltexplosion in der Bundesliga gekommen ist, der Polizei und Ordnungskräfte machtlos gegenüberstehen. Zahlreiche besorgniserregende Fälle wurden sorgfältig zusammengetragen, vor allem im Osten scheint der Fußball überwiegend aus unkontrollierbaren Prügelorgien zu bestehen. Ein differenzierteres Bild der Lage bietet dagegen der „Jahresbericht Fußball„, in dem für die vergangene Saison kein signifikanter Anstieg der Fußballgewalt dokumentiert ist. In der Sport-Bild berichtete Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke darüber, dass Borussia-Ultras bei einem Besuch in Auschwitz die Folgen von Gewaltexzessen vor Augen geführt wurden. Pyrotechnik, Randale, Auschwitz: Wer hier eine lineare Entwicklung sieht, muss schon ein äußerst bedenkliches Bild vom Fußball in der heutigen Zeit in sich tragen und sich fragen, mit welchen Maßstäben man hier operiert.

Dynamo und die Gewaltkeule

Doch wie konnte es zu dieser Eskalation kommen? War es allein der Auftritt von mehr als zehntausend Dresdner Zuschauern, die zur besten Live-Sendezeit das Dortmunder Stadion als Bühne nutzten, ihren bereits mehr als angeschlagenen Ruf weiter zu bestätigen? Und die jetzt aus dem DFB-Pokal im kommenden Jahr ausgeschlossen werden sollen, obwohl es in dieser Saison bis dahin zu so gut wie keinem nennenswerten Vorfall bei Dynamospielen gekommen ist? Müssten anderen Vereinen nicht ebenso harte Strafe drohen, oder soll hier lediglich ein Exempel statuiert werden, um Handlungsfähigkeit zu demonstrieren?

Fakt ist: Bereits vor den Ereignissen von Dortmund befand sich das Verhältnis Fans – DFB in einer tiefen Krise. In zwei Verhandlungsrunden zwischen Verbandsvertretern und Mitgliedern der Faninitiative „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ wurden Hoffnungen auf einen Kompromiss geweckt, die letztendlich jäh zerschlagen wurden. In einer Art und Weise, die die Fans vor den Kopf stoßen musste. Zwar leugnete der DFB in der Folge, dass es jemals irgendwelche Zugeständnisse oder gar Zusagen vonseiten des DFB an die Initiative gegeben hätte, doch von beiden Seiten gegengezeichnete Protokolle, die 5vier.de vorliegen, belegen das Gegenteil, was auch DER SPIEGEL mittlerweile offengelegt hat.

Hat der DFB die Kompromissbereitschaft der Fans unterschätzt?

So ist dort durchaus von einer grundsätzlichen Möglichkeit zum kontrollierten Abbrennen von Pyrotechnik die Rede, wenn gewisse Regeln eingehalten werden:

  • Die Vereine müssen zunächst einen Antrag beim DFB stellen; sollte dieser genehmigt werden, ist Strafffreiheit beim genehmigten Einsatz garantiert
  • Es darf nicht anonym gezündelt werden. Daher müssen dem DFB Namenslisten vorgelegt werden
  • Der Zeitpunkt, wann gezündelt werden darf, ist genau festgelegt; vor dem Spiel, vor Wiederanpfiff und/oder nach dem Spiel
  • Pyrotechnik darf nur in „Pyrozonen“ abgebrannt werden, „wie diese angelegt werden hängt von Örtlichkeit und Auflagen der Behörden ab“

Hier wird deutlich, dass die Verhandlungen bereits äußerst weit fortgeschritten waren und sowohl der DFB unter der Leitung vom Sicherheitsbeauftragten Helmut Spahn als auch die Fans waren für eine gewisse Testphase zu umfassenden Zugeständnissen bereit. Das war der DFB-Führungsspitze wohl etwas zu viel Fannähe. Spahn wechselte im Sommer nach Katar und zum dritten Treffen wurden die Karten neu gemischt. Von den gemachten Zugeständnissen wollte man auf Verbandsseite nun nichts mehr wissen.

Das Ende der „Pyrotechnik legalisieren“-Kampagne?

Es erscheint mehr als rätselhaft, warum sich DFB und DFL diese peinliche Blöße gegeben haben und offensichtlich die Öffentlichkeit täuschen wollten, obwohl man wissen musste, dass entsprechende Dokumente existieren. DFL-Chef Reinhard Rauball sprach letztlich von einem Kommunikationsfehler. Die Vertreter der Faninitiative traf die Kehrtwende jedoch alles andere als überraschend, wie sie im Gespräch mit 5vier.de deutlich machten: „Wir hatten zwei sehr gute Treffen mit dem DFB, aber nachdem wir es zum dritten Treffen mit ganz anderen Gesprächspartnern zu tun hatten, war uns klar, dass etwas schief läuft. Die Protokolle zeigen deutlich, dass man auf beiden Seiten gesprächsbereit war, aber am Ende hat der Verband offenbar Angst vor der eigenen Courage bekommen und die Hardliner haben sich durchgesetzt. Es wurden sämtliche Brücken ganz bewusst abgerissen und die Panikmache in den Medien spielte dem ganz hervorragend in die Karten und wurde entsprechend instrumentalisiert.“

Auch vonseiten der Fanbeauftragten der Vereine gab es harsche Kritik an den aktuellen Entwicklungen. In einer Stellungnahme heißt es:

In den letzten Tagen und Wochen wurde die Berichterstattung aufgrund einer gestiegenen Anzahl von einzelnen, nicht tolerierbaren Ausschreitungen, immer hysterischer. Nun hat sich sogar das Innenministerium zu Wort gemeldet und will den Fußball und seine Fans befrieden. Uns als Fanbeauftragte hat aber bislang noch niemand gefragt, lediglich kurze Sätze, schnelle Erklärungen sind in den meisten Medien in diesen Tagen gefragt. Dafür stehen wir aber nicht zur Verfügung, komplexe Probleme werden nicht durch einfache Antworten gelöst. Wir fordern an dieser Stelle Sachlichkeit ein, die Fakten sprechen nicht nur eine Sprache.

Doch auch ein Appell an die Fans ist enthalten:

Wir fordern aber auch unsere Fans – und hierbei vor allem die Ultras – auf, nicht weiter mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Jeder von euch kann es nachlesen, die Hardliner erheben die Stimme und fordern Dinge, die Eure Fankultur bedrohen. Sie können dies fordern, weil ihr es zugelassen habt, dass sich in euren Reihen Leute tummeln, denen es bevorzugt um ihren kurzfristigen eigenen Spaß und nicht um die wirklichen Ziele und Inhalte eurer Kultur geht. Kriminelles Handeln wie Überfälle, Angriffe auf Unbeteiligte, das Aufbrechen von Räumlichkeiten müssen endlich geächtet werden. Das könnt ihr aber nur gemeinsam tun, dafür müsst ihr eine gemeinsame Linie finden!

Der Sicherheitsgipfel: Eine letzte Chance?

In der vergangenen Woche fand nun ein Sicherheitsgipfel statt, an dem neben Vertreter von DFB und DFL auch das Bundesinnenministerium teilnahm. Neben einem Zehnpunkteplan zur Bekämpfung von Gewalt in und um Stadien soll nun eine „Task-Force-Sicherheit“ eingerichtet werden, der Vertreter aus Politik, Justiz, Polizei, den Fußballverbänden, der Fanszene (was auch immer das sein mag) sowie der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) angehören. Auch wenn konkrete Maßnahmen ausblieben, legte man sich auf eine Politik des Dialogs fest, die bestehenden Vorschriften sollen nicht verschärft werden. Der Verwendung von Pyrotechnik in den Stadien erklärte man aber eine eindeutige Absage. Dennoch sehen die Initiatoren der „Pyrotechnik legalisieren“-Kampagne ihre Aktionen nicht als gescheitert an: „Wir werden uns nun erst einmal sammeln und das weitere Vorgehen absprechen. Unsere Ziele waren eine Teillegalisierung von Pyrotechnik in den Stadien und eine differenzierte Berichterstattung über die Thematik. Auf beiden Ebenen haben wir einiges erreicht. Die Medien haben zum Teil sehr positiv über unsere Kampagne berichtet und wir haben viel Öffentlichkeit erzeugt. Auch einen gewissen Bewusstseinswandel hin zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Pyrotechnik konnte man beobachten. Dass nun der Eindruck entsteht, dass wieder mehr und unkontrolliert gezündelt wird, hat auch mit der Brüskierung durch den DFB zu tun, denn die gemäßigten Kräfte in den Kurven werden dadurch wieder weiter in den Hintergrund gedrängt. Und dass unkontrollierte Abbrennen im Schutz der Masse ist für alle Beteiligten ein Risikofaktor, den wir durch das Einführen von festen Regeln gerne minimiert hätten.“

Die klare Absage an die Hardliner, die immer schärfere Sanktionen gefordert und sich die aktuell aufgeheizte Stimmung vor allem in den Medien zunutze machen wollten, dürfte die letzte Chance sein, Fans und DFB wieder an einen Tisch zu bekommen. Es läuft zurzeit einiges schief in und um die Stadien, wofür nicht allein die Fans verantwortlich gemacht werden können. Es ist höchste Zeit, die Eskalationsspirale zurückzudrehen und den Dialog wieder zu eröffnen.

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Kommentare (8)

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  1. Bam sagt:

    aber hängt das eine nicht mit dem anderen zusammen? wer will denn schon feuerwerk im stadion außer den ultras? is doch schon gesagt worden. Erst terror machen und dann noch was dafür haben wollen. so gehts halt nich.

  2. @Treverer sagt:

    Bitte nehme doch Bezug zum Text und hör auf die Ultras schlecht zu machen, darum geht es nicht, es geht um Pyrotechnik und um deren Legelisierung/Kriminalisierung. Danke

  3. treverer sagt:

    Als Eintrachtfan mit über 40jähriger Erfahrung möchte ich mich auch einmal melden. Wenn es in den 70er Jahren schon den Begriff Ultra gegeben hätte,währe ich garantiert einer von Ihnen gewesen. Deshalb möchte ich einmal klar stellen, das es jede Menge Fans gibt, die bedingunslos zu Ihrem Verein stehen, ohne strafbare Taten zu Tun. Die erste ist schon einmal das vermummen. Wir haben ein Vermummungsverbot, denn wer sich vermummt, hat etwas zu verbergen. Zweitens ist zum abbrennen von Feuerwerken Leuten mit einer Lizenz, bei der man eine Prüfung ablegen muss, vorenthalten.Drittens habe ich etwas dagegen, das immer die Polizei zum Buhmann dafür gemacht wird, nur weil Sie Ihre Arbeit macht, indem sie für die Einhaltung von Gesetzen sorgt, die sie nicht gemacht hat.
    Auch wir unterstützten den Verein bedingungslos, genau so wie die heutigen Ultras, ohne das es zu diesen heutigen Eskalationen kam. Wir regelten das unter uns.
    Zum Schluss möchte ich dann noch klar stellen, das ich auch nach 40 Jahren noch meinen Verein bedingungslos unterstütze, ohne gegen Gesetze verstoßen zu müssen und mich Ultra zu nennen.

  4. Bernd sagt:

    Danke für all die Infos. Ich sehe, es gäbe durchaus einen Weg, Pyros im Stadion abzubrennen, allerdings bleibe ich dabei, dass diese doch oft für einen Großteil der im Wind sitzenden Zuschauer sehr störend sind und weiterhin ein zusätzliches Verletzungsrisiko beherbergen, welches in meinen Augen nicht nötig wäre (Funkenflug, Rauch).

    So musste mein Kollege mit seiner an Asthma erkrankten Tochter aufgrund des Rauches sogar schon mal für mehrere Minuten seinen Sitzplatz verlassen.

    Ich finde es nicht gut, wie der DFB mit dem Thema umgeht, aber ich denke, die Befürworter für Pyros dürften doch bei den Zuschauern deutlich in der Unterzahl sein? Gibt es Stimmen aus dem Fandom, die nicht aus der Ultra-Ecke kommen? Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass sich außerhalb dieser Organisationen viele für Pyros aussprechen werden.

    Zudem macht es sich die Ultra-Bewegung meiner Meinung nach auch nicht leicht, ernst genommen zu werden. Wir lesen in in dem Bericht sehr deutlich, ein Großteil der Gewalt in den Stadien geht von Ultra-Anhängern aus (und das kann ich leider aus eigener Erfahrung nur bestätigen).
    Mit solchen Zahlen im Nacken mehr Freiheiten zu fordern ist natürlich schon etwas gewagt. Bevor sich da nicht etwas ändert, wird der DFB mit Sicherheit nicht nachgeben, auch wenn es bestimmt sehr viel vernünftige Ultras geben mag.

  5. Andreas Gräber sagt:

    @bernd:

    bedenke aber… man war bereit dem DFB Namenslisten zu geben… diese leute wären in der Fanszene bekannt und wüssten von ihrer verantwortung. Man war auch bereit in Pyrozonen auszuweichen. Vor 2001 wurde noch kreuz und quer im Block gezündet, ohne auch nur einen verletzen (und ohne daß es wen gejuckt hat… in Lautern kam sogar der slogan „der betze brennt“ auf weil dort immer massiv Pyro eingesetzt wurde)…

    Was die ganzen Verletztenzahlen verschweigen ist daß der großteil (über 90%) durch Pfefferspray oder andere Polizeieinsätze verletzt wurden… wenn man diese Statistiken allein sieht müsste man eigentlich die Polizei verbieten :).

    Es war der absolut falsche weg den der DFB eingeschlagen hat, leider sind einige Holzköpfe nicht aus ihren Denkstrukturen herauszugeben. Man versucht sich durch Lügen, gezielte Täuschung und Verunglimpfung sein Bild zurecht zu rücken… Was die Fanszene IMHO aber mehr machen ist die Öffentlichkeit über die Methoden aufklären..

    Ein Beispiel:

    Es wird behauptet dass Fangruppen keine Pyroaktion von der Stadt genehmigen lassen könnten (in dem context es ist gar nicht möglich). Dies ist formal korrekt, genehmigen lassen muss es der Veranstalter (=Verein), unmöglich so wie es dagestellt wird ist es aber bei weitem nicht. Mit solchen bewusten Täuschungen versucht man zu argumentieren, bei sachlicher Betrachtung fallen aber alle Gründe. Auch wenn der DFB weit weg von jeder sachlichen Schiene ist, die Fans müssen versuchen so weit wie möglich diese durch Aufklärung der Öffentlichkeit wieder zu erreichen. Natürlich wird man nie den BLÖD Leser erreichen, der sowiso dass glaubt was ihm vorgesetzt wird… vieleicht aber andere die es so weiter erzählen.

  6. Andreas Gniffke sagt:

    Schon einmal vielen Dank für die beiden ausführlichen und differenzierten Kommentare.
    Bernd hat meines Erachtens zwei wichtige Fragen aufgeworfen:
    “ Ist es denn notwendig, ungedingt Feuerwerkskörper zu entzünden? Reichen Trommeln, Gesänge und Flaggen denn nicht?“
    Ich denke diese Frage stellt sich so nicht, denn für einen Teil der Fankultur gehört Pyrotechnik unbedingt zu den eigenen Ausdrucksmitteln dazu und wird auch nicht aus den Kurven verschwinden. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Die Initiative hat den Weg des Dialogs gesucht und dabei auch positive Entwicklungen in den Kurven eingeleitet. Ist es sinnvoll, Personen, die Pyrotechnik einsetzen, zu kriminalisieren und auf eine Stufe mit Fußballgewalttätern zu stellen? Und führt das zum Teil entschiedene Vorgehen der Ordnungskräfte auf der Suche nach Pyrotehnik oder Zündlern nicht erst recht zu einer Eskalation und tatsächlicher, physischer Gewalt, unter der dann Unbeteiligte viel mehr zu leiden haben als durch die Pyrotechnik selbst?
    Und die zweite Frage ist: „Und wenn nicht – worum geht es in dieser Diskussion wirklich?“
    Es geht darum, dass durch den bewusst herbeigeführten Affront des Verbandes ein fruchtbarer Dialog zwischen Fans und DFB abgebrochen wurde, was den weniger gemäßigten Kräften auf beiden Seiten Auftrieb geben dürfte und eine Eskalation nun erst recht provoziert werden könnte. Ob der „Sicherheitsgipfel“ diesbezüglich wieder zu einer Beruhigung der Lage beitragen kann, wage ich zu bezweifeln. Fußball lebt von den Fans und den Emotionen, wenn man nicht miteinander redet, kann dies nur zum Nachteil für den Fußball sein.

  7. @Bernd sagt:

    Erstmal danke 5vier für diesen tollen Bericht, man sieht das gut recherchierte Artikel zum Thema Pyrotechnik möglich sind, nicht wie eine gewissen Infoseite der Eintracht zeigte.

    Dann auch Danke an Bernd, der die andere Seite zeigt, ohne sinnlose Beiträge wie: “ Sperrt die Affen weg“ oder „Stadionverbot für alle Ultras“.

    Die Verletzten Personen sind natürlich unschön, auch der anstieg ist sehr schlecht, aber dies kann man nicht allein auf die Ultras zurückführen, bei einem Torjubel fällt schonmal auch ein normaler Fan mal hin oder verletzt sich beim „erstürmen des Zaunes“ und auch die Polizei geht nicht gerade zimperlich mit ihrem Reizgas um, welches auch außenstehende leider gottes verletzt.

    Aber wenn man sich die gesamten Zuschauerzahlen ansieht, sind 10/11 13.054.960 gewesen und dann die Verletzten, nämlich 849 dann sind das noch nicht einmal 0,007%, also kann man in meinen Augen dieses Argument entkraften, die Summe ist so gering, da passiert mehr beim Dressurreiten 😉

    Die legalisierung sollt m.M.n. nicht generell kommen, sondern sorgfälltig geprüft werden, für jeden individuell!

    Wenn es abbrennzonen gibt, z.B. vor dem Block, würde dies nicht als Waffe eingesetzt werden, da natürlich nach wie vor Ordner dabei sind und auch alle Zünder namentlich bekannt wären, denke also nicht das dann noch jemand damit nach einem Spieler/den Gästefans werfen würde.

    Und die Verletztenzahlen durch Pyro wäre quasi dahin, da nicht mehr vermummt IM BLOCK gezündet werden müsste, wo sehr viele danebenstehen, sondern kontrolliert, ohne Angst erkannt zu werden und damit eine ANzeige wegen Verstoßes gegen das Sprengstofgesetz zu riskieren! Also seh ich dieses auch entkräftet.

    Und lieber Bernd, leider sehe ich dies für erforderlich, da es einfach zur Kultur der Ultras dazu gehört! Die Atmosphäre beim zünden zu tollen Choreos für das Team, sorgt nicht nur bei denen für einen Schub, sondern auch auf der Tribühne wird es nocheinmal lauter und emotionaler!
    Es gehört für Ultras einfach zum Ultradasein dazu…

    Und eine Frage, die ich mir immer wieder stelle wurde noch NIE so beantwortet, das ich dies akzeptieren würde.
    Warum wird in Italien von einer tollen Atmosphäre gesprochen, in Deutschland aber von Hooligans die andere verletzen wollen?

    Und ich rede nicht von Dresden, die damit werfen! In Trier wurde noch nie jemand durch Pyrotechnik verletzt und trotzdem wird vom allerfeinstne gehetzt…

    Ich habe fertig

  8. Bernd sagt:

    Zuerst einmal: schöner Artikel. Wieder einmal zeigt sich, dass man sich auch vernünftig mit dem Thema auseinandersetzen kann.

    Allerdings muss ich als Arzt im Rettungseinsatz auch meine Bedenken anmelden. Nach dem Bericht Fußball, den Sie angeben, wurden in diesem Jahr 846 Personen verletzt, im Vorjahr 784 (62 Personen mehr, ein deutlicher Anstieg). Dies sind ausschließlich die Personen, die tatsächlich ärztlich behandelt wurden und im deren Krankenbericht den Fußball erwähnt – während meiner Zeit in Köln wurde für Fußballspiele grundsätzlich ein weiterer Notarzt angestellt und da wurden an einem Wochenende allein schon mal 200 Patienten mehr eingeliefert. Sprich: Man kann hier leider nicht von einem Rüchgang oder einer Deesaklierung sprechen. Im Schnitt acht Strafverfahren pro Spiel? Das ist doch schon eine heftige Zahl.

    Ich persönlich bin großer Fußballfan und gehe gern ins Stadion – die Legalisierung von Pyroeffekten halte ich jedoch für unnötig und gefährlich – nicht weil ich nicht glaube, dass 99% der Fans nicht in der Lage sind, vernünftig damit umzugehen, sondern weil man den knapp 10.000 „Störern“ aus dem Bericht damit eine Möglichkeit in die Hand legt, schwerste Verletzungen zuzufügen.
    Und so eine Erlaubnis gilt nunmal für alle oder für keinen. Ich persönlich möchte weder Hooligans noch Ultras mit teilweise über 1000° heiß brennenden Fackeln (Bengalisches Feuer brennt sogar mit durchschnittlich 2200°, eine Temperatur, bei der für schwere Verbrennungen noch nicht einmal direkter Kontakt mit der Flamme notwendig ist)bewaffnet sehen – und ja, ich spreche von „bewaffnet“, denn ich schiebe seit Jahren am Sylvesterabend Dienst und kann eine große Masse an schwersten Verletzungen auf die hier diskutierten Feuerwerkskörper zurückführen – diese Teile sind einfach potentiell gefährlich.

    Und zum Schluß ein Gedanke: Ist es denn notwendig, ungedingt Feuerwerkskörper zu entzünden? Reichen Trommeln, Gesänge und Flaggen denn nicht? Wird das Spiel oder die Fan-Erfahrung besser durch blendendes Licht und (gerade bei kühleren Temperaturen) langen, teils blickdichten Rauchschwaden über den Tribünen, wie man sie auch auf den Fotos hier im Artikel sieht? Und wenn nicht – worum geht es in dieser Diskussion wirklich?

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