FC Bayern: „Trierer Weg ist vorbildlich“ – Interview mit Dirk Bauermann

Auf Sport1 ist der FC Bayern regelmäßig in der Basketball-Bundesliga zu sehen, die Hallen sind deutschlandweit ausverkauft, wenn die Münchner kommen. Auch am Samstag, wenn sie bei der TBB Trier antreten (20 Uhr). Vorher unterhielt sich der Bayern-Coach und ehemalige Nationaltrainer Dirk Bauermann mit 5vier-Redakteur Florian Schlecht über das spannende Projekt an der Isar, Edelfans wie Uli Hoeneß, den jugendlichen Weg in Trier und einen möglichen Anruf bei Maik Zirbes.

5vier: Wenn der FC Bayern München am Samstag bei der TBB Trier antritt, erwartet Sie aller Voraussicht nach eine rappelvolle Halle. Eine Überraschung ist das nach den Erfahrungen der letzten Monate eher nicht…

Dirk Bauermann: Wenn wir auswärts spielen, ist wirklich immer eine Riesen-Stimmung da. Ich kenne das noch aus meiner Zeit bei Bayer Leverkusen. Da sind wir sieben Mal Meister geworden, und jeder wollte unbedingt gegen uns punkten. Viele vergessen aber, dass wir keine Meisterschaft gewonnen haben. Aber der FC Bayern ist eine Marke, die zieht. Spieler und Zuschauer sind hundertprozentig motiviert. Insofern gehen wir schon fast immer mit gefühlten 15 Punkten Rückstand ins Spiel (lacht).

5vier: Das Basketball-Projekt beim FC Bayern ist mit enormer Spannung erwartet wurden. Ein halbes Jahr spielt der Verein nun in der Bundesliga. Welches Zwischenzeugnis stellt Dirk Bauermann sportlich aus?

Bauermann: Befriedigend. In der Tabelle sind wir Sechster, punktgleich mit dem Achten. Damit können wir uns anfreunden, weil das ausgegebene Ziel die Playoffs waren und wir viele Nackenschläge verdauen mussten. Sharrod Ford sollte ein ganz wichtiger Leistungsträger bei uns sein und ging eine Woche vor dem Saisonstart in die USA. Je’Kel Foster war sechs Wochen verletzt, auch Robin Benzing fiel einige Zeit aus. Das sind Tatsachen, die es uns nicht leicht gemacht haben.

5vier: Während beim Fußball mit dem FC Bayern immer viel Neid verbunden ist, herrscht im Basketball eher Begeisterung vor bei dem Projekt. Was ist der Grund dafür?

Bauermann: Alle erkennen, dass der FC Bayern dem Basketball gut tut. Die Medienpräsenz der Bundesliga steigt, die Hallen sind immer ausverkauft, wenn wir kommen. Jeder profitiert davon. Die andere Seite der Medaille ist natürlich, dass uns Spieler, Fans und Verantwortliche besonders gerne schlagen. Aber ich habe bislang keine feindselige Stimmung erlebt, es ist Respekt da.

„Ein Edelfan wie Bastian Schweinsteiger wertet die Sportart auf“

Dru Joyce und die TBB Trier erwarten gegen die Bayern ein volles Haus. Foto: Thewalt

5vier: In München wird der Basketball auch fest angenommen. Es gibt mit Uli Hoeneß und Bastian Schweinsteiger ja große Fans.

Bauermann: Es ist wirklich kein Nachteil, mit der Marke “FC Bayern” in die Spiele zu gehen und nicht als die “Baskets München”. Wir haben fast immer ein volles Haus und werden von unseren Freunden aus dem Fußball sensationell unterstützt. Uli Hoeneß ist nahe dran, wir telefonieren regelmäßig, er informiert sich über den Zustand der Mannschaft und fragt nach. Ein Edelfan wie Bastian Schweinsteiger, der bei nahezu jedem Heimspiel ist, wertet die Sportart auch unglaublich auf. Er weckt das Interesse der jugendlichen Fans.

5vier: Was hat Sie für das Konzept der Bayern überzeugt?

Bauermann: Die Chance, im vielleicht bekanntesten Sportverein Deutschlands an verantwortlicher Stelle ein Projekt gestalten und über Jahre aufbauen zu können. So schwer es mir gefallen ist, als Bundestrainer der Nationalmannschaft aufzuhören – so sehr hat mich die Aufgabe beim FC Bayern gereizt.

5vier: Die fußballtypische “Mia-san-Mia”-Mentalität fehlt aber gerade auswärts noch. Zuletzt gab es in fremden Hallen acht Niederlagen in Folge.

Bauermann: “Mia san Mia” bedeutet die feste Erwartung, ein Spiel zu gewinnen. Dazu muss man mit schwierigen Situationen umgehen, um immer als Sieger den Platz zu verlassen. Da hat uns in dem einen oder anderen Fall die Stabilität und Kaltschnäuzigkeit gefehlt. Und durch Verletzungen vielleicht auch manchmal die nötige Erfahrung, um mit der ungewohnten Dynamik in den Hallen umzugehen.

5vier: Der FC Bayern stellt den höchsten Anteil deutscher Spieler aller Bundesligisten. Ist das ein Konzept für die Zukunft?

Bauermann: Das ist die Vereinsphilosophie. Im Fußball wird auch ein großer Anteil der Nationalmannschaft vom FC Bayern gestellt, wenn ich nur an Manuel Neuer, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger denke. In der Frage waren wir uns beim Basketball alle einig, Uli Hoeneß, Marko Pesic und ich. Wir wollten nicht nur immer davon reden, deutschen Spielern in der Bundesliga mehr Anteile zu geben. Sondern es auch machen.

„Es kann passieren, dass Zirbes ein Thema für den FC Bayern wird“

„Maik Zirbes hat den größten Entwicklungssprung gemacht“, ist Bauermann beeindruckt vom TBB-Center. Foto: Thewalt

5vier: Am Samstag treffen mit der TBB Trier und den Bayern sogar die zwei Mannschaften mit dem höchsten Anteil an deutschen Spielern aufeinander. Da muss Ihnen als ehemaliger Bundestrainer doch das Herz aufgehen?

Bauermann: Das stimmt. Wobei wir bei den Unterschieden zwischen beiden Vereinen schon ehrlich sein müssen. Beim FC Bayern haben wir eine ganz andere wirtschaftliche Grundlage. Wir haben mit Jan-Hendrik Jagla, Robin Benzing, Steffen Hamann und Philipp Schwethelm vier Nationalspieler, während in Trier wirklich auf ganz junge Kerle gesetzt wird. Henrik Rödl holt für mich das absolute Optimum aus den Bedingungen heraus.

5vier: Wie finden Sie den Trierer Weg?

Bauermann: Vorbildlich. Und er wird sich sportlich hundertprozentig auszahlen, wenn man sich vom Druck des Tabellenplatzes nicht verrückt machen lässt. Henrik ist für mich einer der besten drei Trainer in der Bundesliga, die Spieler entwickeln sich hervorragend. Ich habe viele Spiele der Trierer gesehen und keine Mannschaft der unteren Tabellenhälfte hat dabei so guten Basketball gespielt wie sie.

5vier: Sie trauen Trier den Klassenerhalt zu?

Bauermann: Ich glaube, sie werden nach hinten raus keine Probleme bekommen. Sie haben viele enge Spiele unglücklich verloren. Die Investition in die Jugend wird sich lohnen.

5vier: Welche Spieler aus Trier haben den größten Schritt nach vorne gemacht?

Bauermann: Ohne Frage muss ich da Maik Zirbes nennen. Er hat sich hervorragend entwickelt in den zwei Jahren unter Henrik und ist der Spieler mit dem größten Entwicklungssprung. Philip Zwiener hat das Vertrauen, das ihm gegeben wurde, auch gerechtfertigt.

5vier: Wenn man wieder den Bezug zum Fußball herstellt, hat der FC Bayern dort schnell Interesse an talentierten deutschen Spielern anderer Vereine. Muss die TBB Trier bald wegen Maik Zirbes auch einen Anruf aus München fürchten?

Bauermann: Über irgendwann braucht man nicht reden. Wir haben sechs deutsche Spieler, mit denen wir auch in die nächste Saison gehen wollen. Sicher, irgendwann kann es passieren, dass Maik Zirbes ein Thema für den FC Bayern wird. Aber in nächster Zeit ist er bei der TBB Trier gut aufgehoben.

5vier: Vielen Dank für das Interview!

Zur Person

Dirk Bauermann wurde am 10. Dezember 1957 in Oberhausen geboren und ist der erfolgreichste deutsche Basketball-Trainer. Mit Bayer Leverkusen feierte er in der Blütezeit des Vereins von 1990 bis 1996 sieben Meisterschaften in Folge. Mit Bamberg gewann Bauermann zwei weitere Titel. Seit 2010 ist er Coach beim FC Bayern und schaffte auf Anhieb den Aufstieg beim ambitionierten Projekt an der Isar. Zudem trainierte der 54-Jährige die Nationalmannschaft von 2003 bis 2011. Der größte Erfolg gelang gemeinsam mit Superstar Dirk Nowitzki bei der EM 2005 mit dem Gewinn der Silbermedaille.

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