Freizeit: „Nur der Krieg nährt seine Leute besser.“ – Mutter Courage

Eine Mutter will Profit aus dem Leiden des Krieges schlagen und bezahlt dafür einen hohen Preis- Mutter Courage und ihre Kinder feierte am Samstag, 9. April, Premiere im Theater Trier. 5vier.de war vor Ort.

Foto: Friedemann Vetter/Theater Trier

Eine zweifelhafte Einstellung hat Anne Fierling, besser bekannt als Mutter Courage, die mit ihren drei Kindern durch die Wirren des dreißigjährigen Krieges zieht und ihre Waren anbietet. Feilschen, den besten Preis herausschlagen, notfalls auch das Leid und Unglück der anderen zum eigenen Vorteil nutzen – das ist ihr Geschäft. Mutter Courage weiß mit dem Krieg und seinen „Vorzügen“ umzugehen ohne selbst darin Schaden zu nehmen. Während um sie herum die Kämpfe toben zieht sie mit ihren beiden Söhnen Eilif und Schweizerkas, gespielt von Helge Gutbrod und Tim Olrik Stöneberg, und ihrer stummen Tochter Kattrin, alias Antje- Kristina Härle, als Marketenderin über die Lande. Dabei versucht sie nicht nur sich selbst sondern auch ihre Kinder aus dem Kriegsgeschehen heraus zu halten. Doch mit den Jahren geht ihr eines nach dem anderen verloren.

Lässt sich den Krieg nicht madig machen - Mutter Courage und ihre Kinder. Foto: Friedemann Vetter/Theater Trier

Die Geschichte der Mutter Courage, die alles verliert und doch nichts daraus lernen kann ist allseits bekannt und doch rührt der tragische Verlust die Herzen, so auch im Theater Trier. Zwei Frauen haben sich in der Inszenierung von Judith Kriebel besonders hervorgetan: Barbara Ullmann als Mutter Courage und Antje- Kristina Härle als ihre Tochter Kattrin; während die eine Reden schwingt und ihre Welterfahrenheit zum Ausdruck bringt, überzeugt die andere ohne Worte. Sie sind das eigentliche Paar auf der Bühne, denn während die eine mit Worten umzugehen weiß, sodass sie ihre Interessen durchsetzen kann, bleibt die andere stumm, während eine den Blick nur auf sich und die richtet, die ihr noch geblieben sind, leidet die andere mit denen, die auf der Strecke bleiben und während die eine ihren Gewinn sucht ohne Rücksicht auf Verluste, opfert sich die andere für eine Stadt in der sie niemanden kennt. Besonders im Spiel und Gegenspiel miteinander wird die Stärke der beiden Rollen bewusst, die zwar unterschiedlicher nicht sein können, aber trotzdem in ständiger Sorge um das Wohl des anderen sind. Dagegen wirken die männlichen Schauspieler fast schon schwach, auch wenn ihre Leistungen durchweg gelungen sind. An einigen Stellen sogar mehr als gelungen, wie etwa Tim Olrik Stöneberg, als redlicher, wenn auch einfach gestrickter Schweizerkas, der um sein Leben fürchtet aber seine Mutter und Schwester nicht in sein Unglück hineinziehen kann. Auch Helge Gutbrod überzeugt als trotziger Sohn, der ganz nach dem Vorbild seiner Mutter den Krieg für sich zu nutzen weiß und am Ende unter den Folgen eines kurzen Friedens sein Ende findet.

"11 Kugeln hat er gekriegt" Tim Olrik Stöneberg als Schweizerkas. Foto: Friedemann Vetter/Theater Trier

Eine gelungene, starke Inszenierung, die zwar im moderneren Gewand daherkommt, aber trotzdem die zeitlosen Schrecken des Krieges aufzeigen kann. Hierzu liefert auch das wandlungsfähige Bühnenbild seinen Part, immer wieder werden Teile der Bühne hoch und herunter gefahren und erschaffen so wieder und wieder neue Szenarien. Gestaltet wurde es von Gerd Friedrich. Die Kostüme, entstanden unter der Leitung von Carola Vollath, erinnern teilweise an zeitgenössische Uniformen, dann wieder an historische Trachten, beißen sich jedoch nie oder wirken unpassend.

Unpassend blieben leider die Musikeinspielungen unter Angela Händel, da sie direkt auf der Bühne viel zu laut waren und es teilweise schwer bis unmöglich machten etwas vom Text der Lieder zu verstehen. Trotz Mikrofon ist einem so einiges entgangen. Schade.

Mutter Courage und ihre Kinder ist vom schauspielerischen Aspekt her und durch seine gelungene, berührende Inszenierung durchaus zu empfehlen, allerdings sollte man gutes Sitzfleisch mitbringen, denn die dreistündige Premiere wurde anscheinend von vielen Besuchern unterschätzt, was wohl ein Grund dafür war, dass sich der Saal nach der Pause etwas geleert hatte. Da viele die Lieder nicht verstanden, wäre eine Kürzung hier vielleicht sinnvoll gewesen. Der Teil, der jedoch bis zum berührenden Ende blieb spendete großen Applaus besonders für Ullmann und Härle, die der Inszenierung das Herzblut verliehen. Mutter Courage ist trotz dieser zeitlichen und musikalischen Mängel sehenswert und wem die Sitze zu unbequem sind kann sich ja ein Kissen mitbringen.

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