Freizeit: ‚Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind…‘ – Theater-Premiere

Am Samstag, 12. Februar, war es wieder soweit – der Premierenvorhang fiel im Theater Trier: Shakespeares „Der Sturm“, die neue dreisprachige Inszenierung von Intendant Gerhard Weber, war zwar ein riskantes Unterfangen, fand aber große Anerkennung beim Publikum. 5vier-Redakteurin Stefanie Braun war dabei…

…„We are such stuff, as dreams are made on“, ist ein berühmtes Shakespeare-Zitat aus eben diesem Stück. Einigen wird es aus der Schule und den altbekannten, gelben Heftchen des Reclam-Verlags bekannt sein. Zur Not schnell eine kleine Auffrischung:

Prospero, der rechtmäßige Herzog von Mailand, wurde von seinem intriganten Bruder Antonio entmachtet und zusammen mit seiner Tochter auf dem Meer ausgesetzt. Das Schicksal meinte es gut mit den beiden und ließ sie auf einer einsamen Insel stranden, wo Prospero durch seine magischen Kräfte den missgestalteten Caliban versklavte und den in einem Baum eingesperrten Luftgeist Ariel befreite. Jahre später segeln Antonio und Alonso, der König von Neapel, sowie dessen Sohn Ferdinand, Alonsos Bruder Sebastian und der ehrliche Ratsherr Gonzalo, an eben dieser Insel vorbei und geraten in einen von Prosperos magischen Kräften heraufbeschworenen Sturm. Sie werden an die Küste gespült, wo der vertriebene Herzog endlich sein Reich und seine Herrschaft zurück erlangen will und zudem seine Tochter Miranda, in der Trierer Inszenierung gespielt von Tânia Silva, mit Ferdinand, alias Jan Brunhoeber, verbändeln kann.

Das internationale STURM Ensemble, Foto: Friedemann Vetter/Theater Trier

Dieser „Sturm“ ist eine Zusammenarbeit dreier Theater: nämlich dem heimischen Trierer, dem Théâtre National aus Luxemburg und dem ACTA Teatro von der Algarve in Portugal. Dieses internationale Teamwork hat nicht nur die drei Sprachen im Stück zur Folge sondern auch den Austausch der verschiedenen Künstler. So spielten vier portugiesische Schauspieler die Rollen der Miranda, des Caliban, des Ariel und des Prospero und ernteten trotz sprachlicher Barrieren tosenden Beifall. Standing Ovations bekamen vor allem Luis Vicente als Prospero und Mário Spencer als heimtückischer Caliban, der in seinem Spiel durch starke Körperbeherrschung auffiel und einen tiefen Eindruck beim Publikum hinterließ.

Auch die trotzige und pubertäre, dabei aber umso natürlichere Spielart der Miranda, sorgte für starke Momente und überbrückte einige Längen im Spiel ihrer männlichen Kollegen. Das märchenhafte Auftreten des Ariel, alias Carlos Pereira, der auf einer Schaukel über die Bühne schwebte, sorgte bei den Zuschauern für allerlei Raunen und Staunen. Leider hatte das Spiel der deutschen Schauspieler teilweise weniger Wirkung als das der portugiesisch sprechenden Kollegen. So bleibt Manfred Paul Hänig als verzweifelter Vater, der seinen Sohn als ertrunken wähnt, stellenweise etwas steif. Generell wirken die heimischen Künstler, vielleicht gerade wegen der Sprachschwierigkeiten, etwas bemüht. Denn wo man sich bei den Portugiesen auf das Spiel konzentrieren konnte und teilweise musste, wurde bei den Trierer Schauspielern mehr Wert auf Textvermittlung gelegt, als nötig gewesen wäre. Denn ihre größtenteils gelungenen Leistungen sprächen schon gut für sich alleine.

Prospero bezaubert nicht nur seine Tochter, Foto: Theater Trier/Friedemann Vetter

Obwohl die Mehrsprachigkeit des Stückes zunächst etwas schreckend auf den Zuschauer wirkt, ist sie doch eine weitaus kleinere Schwierigkeit als zunächst vermutet. Denn besonders die Übersetzungen ins Englische, mit denen sich Ferdinand und Miranda untereinander verständigen, regen zum nachdenken an – ist doch der Gebrauch des Englischen als Weltsprache und die generelle Verständigung zwischen Völkern und Kulturen nach wie vor ein präsentes Thema in unserer Gesellschaft. Generell fügt sich die Verwendung der beiden Sprachen gut in die Handlung des Stückes ein. So sprechen die Inselbewohner eine eigene Sprache und die Gestrandeten ebenfalls; um sich zu verständigen spricht man Englisch oder bedient sich bruchstückhaft der Sprache des Anderen. So ergibt sich ein harmonisches Bild, in das sich die verschiedenen Sprachen nicht nur gekonnt einfügen, sondern es zudem stützen.

Die Bühnenkulisse ist im Gegensatz zu den bisherigen, die man im Großen Haus sehen konnte, weniger opulent und ausladend. Das ganze passt sich dem Ort des Geschehens an: so bildet eine große künstliche Insel mit wenigen Requisiten das Bühnenbild. Ergänzt wird es durch verschiedene Projektionen und Toneinspielungen, die das Bild die meiste Zeit komplettieren und nur wenige Male etwas „zu-viel-des-Guten“ wirken.

Die Kostüme von Jean Guy Lecat spiegeln, wie die verschiedenen Sprachen, die Unterschiede zwischen Inselbewohnern und Gestrandeten wieder: Miranda, Caliban und Prospero wirken in ihren teilweise zerfetzten und improvisiert aussehenden Gewändern aus Blättern oder Federn authentisch. Sie sind somit passend zur Vorgeschichte der Handlung, während die Gestrandeten mit Jackett und Sonnenschirm über die Insel wandern.

Völkerverständigung, Jan Brunhoeber versuchts auf Englisch, Foto: Theater Trier/Friedemann Vetter

Gerhard Webers Inszenierung fand, nach dem schwierigen Start zu Beginn der Spielzeit, große Anerkennung im Publikum. Viele lobten die Inszenierung und die Stimmigkeit der Figuren. Ein besonderes Lob muss aber für das Herangehen an die risikoreiche Arbeit mit Künstlern verschieden sprachlicher Hintergründe ausgesprochen werden. Das Stück bleibt trotz dieser Barrieren klar und verständlich und trägt seine Botschaft und die Problematiken an das Publikum heran. Im Zuge des Mottos „Welteroberung“, dass dieser Spielzeit vorherrscht, wird schnell klar, dass nur Kommunikation und Verständigung der Schlüssel zu einer Annäherung von Kulturen sein kann.

Von einigen Zuschauern bemängelt wurden jedoch die eingeblendeten Übertitel sowie die damit verbundenen Anstrengung, die das gleichzeitige Verfolgen von dem, was sich auf der Bühne abspielte und dem was über der Bühne als Übersetzung eingeblendet wurde, mit sich brachten. Dies lenkte leider ein wenig vom Spiel ab und sorgte teilweise für unnötige Längen.

Trotzdem haben wir es mit einem harmonischen, sehr gut gelungenen Stück zu tun, dass dem Trierer Publikum zwar einiges an Konzentration abverlangt, aber dafür auch viel Neues und Schönes zu bieten hat. Wem also das gleichzeitige Lesen und Schauen nicht zu anstrengend wird, der kann sich auf einen gelungenen Theaterabend freuen. Nebenbei kann man gleich seine Portugiesisch- Kenntnisse auffrischen!

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Kommentare (1)

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  1. Ewa sagt:

    Liebe Fr.Braun, die Kostüme sind nicht von Fr. Vollath.
    Bitte Programm lesen. Ausstatung – Jean Guy Lecat.
    danke…

    Anmerkung der Redaktion: Danke für den Hinweis – ist geändert!

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