Freizeit: Ein Kuchen und leere Akkus – Tim Bendzko in Trier / FOTOS

Von Florian Schlecht (Text) und Anna Lena Grasmück (Fotos)

2200 Zuschauer in der Europahalle Trier feierten Tim Bendzko. Der Berliner hat es innerhalb eines Jahres zum bekannten Musiker geschafft, der mit Stimme, Charme und Bewegung überzeugte. Und der stark an Xavier Naidoo erinnerte.

Das erste laute Kreischen in der Europahalle gab es schon um 20.18 Uhr, exakt 27 Minuten vor dem richtigen Auftritt des Lockenkopfs aus Berlin. Da war die Vorband „F.R“ gerade im vollen Gange, bereitete sich auf den nächsten Song vor, ehe es im Saal ganz dunkel wurde. Plötzlich betrat Tim Bendzko heimlich, still und leise die Bühne. Er trug einen Kuchen, auf dem einige Kerzen brannten. Der „Weltretter“ grinste breit über beide Ohren, die Mädchen in den ersten Reihen jubelten, Frontsänger Fabian Römer von der eben noch abgehenden Hip-Hop-Crew lief verlegen an. Was für ein Geburtstagsgeschenk! Bendzko wohnte mit dem Rapper einige Zeit in einer WG in Berlin zusammen, beide sind Kumpels, Römer und seine Jungs sind der Support für den Shootingstar während seiner Tour. Und nun sangen ihm Bendzko und 2200 Zuschauer in der Halle ein Ständchen zum Ehrentag. Die Überraschung war gelungen – und Bendzko verschwand zufrieden hinter den Kulissen.

Der Aufsteiger aus Berlin

Als der Aufsteiger aus Berlin dann zu seinem wirklichen Auftritt auf die Bühne trat, schnellte der Lärmpegel innerhalb von Sekunden um einige Dezibel in die Höhe. Die Fotokameras blitzten erneut, die Handys wurden gezückt. „Mein Akku ist leer, das darf nicht wahr sein“, fluchte ein Mädchen entsetzt und nestelte hektisch am streikenden Gerät herum. Vergeblich. Innerhalb von einem Jahr ist es Bendzko gelungen, zu einem Star zu werden, der die Hallen füllt und die Handy-Akkus der fleißig aufnehmenden Fans bis an die Grenzen strapaziert.

Ein Wahnsinn, muss sich der Shootingstar in solchen Momenten eigentlich denken. Geduldig wartete er mit Zwischenstationen als Talent bei Union Berlin, Religionsstudent und Auto-Auktionator auf den richtigen Zeitpunkt, der ihm zum Durchbruch mit seinen Liedern verhalf. Mit der Weltretter-Hymne und dem Sieg beim Bundesvision Song Contest ist sein Kindheitstraum 2011 in Erfüllung gegangen.

Nun ist Bendzko 26 – und der Nachholbedarf, den er nach dem langen Warten hat, den erlebt man auf der Bühne durch die Begeisterung, die er verkörpert. Er hat einfach Spaß an seinen Auftritten, an seinen Liedern. Im blauen Hemd und mit einer Jeans steht er zunächst im Scheinwerferlicht wie ein schüchterner Schwiegersohn-Typ. Doch wenn er mit seiner ausdrucksvollen Stimme singt und elegant dazu tänzelt, verkörpert er Selbstbewusstsein und Charme.

„Du warst noch nie hier“, „Es fängt wieder an“, „Auf den ersten Blick“. Nach den ersten Nummern wippen die ersten Reihen im Takt mit, vor allem von dort flogen ihm die Herzen zu. Von den vielen, vielen weiblichen und vielen, vielen jungen Fans.

„Tim Bendzko ist Musik für jedes Alter.“

Trotzdem bewahrheitete sich im Publikum auch, was ein Mitglied der Band „F.R“ vor dem Konzert sagte. „Tim Bendzko ist Musik für jedes Alter.“ Wer die Augen schließt, denkt unweigerlich ein wenig an Xavier Naidoo, der da auf der Bühne stehen könnte. So ähnlich sind sich die Künstler in vielen Ansätzen. Die Texte der Lieder sind nicht selten philosophisch und bedeutungsschwer. Gleichzeitig erscheinen sie oft austauschbar und bewegen sich auf einer Linie. Sie sind nett, tun keinem weh, sind aber auch keine Explosion der Gefühle. Wobei Bendzko doch mehr Frische, Witz und Elan transportiert als Naidoo mit seinem Jammer-Pop.

Das demonstrierte er bei seinem Hit „Nur noch kurz die Welt retten“, bei dem er das Hemd leicht öffnete, sein „Weltretter-Shirt“ stolz zeigte und beim Text brav an das Publikum dachte. „Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg ich nach Trier“, sang er und erntete lautes Kreischen. Von Frida Gold performte er den Song „Wovon sollen wir träumen“ und scherzte danach, den Text „abgelesen“ zu haben. „Ich will zu dir“ war ein Einblick in sein kommendes Album, das, so Bendzko feixend, „irgendwann im Jahr 2016 erscheint“.

Um 22.18 Uhr verließ er dann mit Zugaben die Bühne. Dazu gehörte auch sein Bundesvision-Song „Wenn Worte meine Sprache wären“. In Trier fand er die Worte, und erneut klickten die vielen Handys in der Halle. Sofern die Akkus noch aufgeladen waren.

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Wer Tim Bendzko & Band in diesem Jahr noch einmal live erleben möchte, der sollte das Open-Air Konzert am 5. August 2012 im Amphitheater Trier besuchen. Weitere Infos gibt es unter www.poppconcerts.de.

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