Freizeit: Eine Frau muss anders sein – ”Orangenhaut” machts möglich

Beautywahn, Schönheits-Ops, Modelmaße – was macht den Anblick einer Frau erträglich? Ab wann gilt man überhaupt als Frau? Und wie muss man sein um eine richtige Frau zu werden? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich das Theater Trier seit vergangenem Sonntag  in dem Stück „Orangenhaut“. 5vier.de-Redakteurin Stefanie Braun war bei Premiere dabei.

Der Frau muss die Orangenhaut zurückgegeben werden, Foto: Theater Trier, Friedemann Vetter

Die Vogue empfiehlt zum Erreichen des idealen Weiblichkeitsgefühls hochhackige Pumps, Glamour setzt auf hautenge, schwarze Lederleggins und die Joy rät zum Klassiker unter den weiblichen Attributen: den knallroten Lippenstift. Doch was ist mit der Orangenhaut? Jenem weiblichsten aller weiblichen Makel? Für den sieht’s ganz schön schlecht aus in der Welt von Mode, Film und Fernsehen sowie Beautyzeitschriften. Nur das Theater hat die dellige Bindegewebsschwäche für sich gewonnen und widmet ihr sogar ein ganzes Stück. Zu sehen seit Sonntag im Theater Trier.

Das weiblichste aller Makel

Sie, Antje- Kristina Härle wollte doch nur das bekommen, was alle anderen schon haben: einen Mann, Kinder, eine Wohnung, einen Hund und einen Grill – doch dafür muss sie noch viel tun. Sich zum Beispiel von ihren Schauspiel-Kolleginnen Sabine Brandauer als die Problematische und Angelika Schmid als die Reife unter’s barocke Messer legen. In einer fünf minütigen Bühnen-Operation wird Sie von der reifen Frucht in eine feine Dame mit barocker Ausstattung verwandelt. Binnen kürzester Zeit hat Er, Tim Olrik Stöneberg, ihr auch schon einen Heiratsantrag gemacht und binnen noch kürzerer Zeit, sie für eine andere verlassen.

Alleine bleibt sie nun zurück, sich selbst entfremdet, von der Reifen und der Problematischen verhöhnt und zudem noch mit einem Kind im Bauch. Klingt kritisch – ist es auch. Hier wird aufgeräumt mit weiblichen Schönheitsidealen und Verhaltenskodizes! Und so wird die Orangenhaut kurzerhand zum Symbol der Weiblichkeit erklärt, dass es zurück zu erobern gilt.

Klingt kritisch – ist es auch

Vor allem Hauptdarstellerin Antje-Kristina Härle sticht in ihrem Monolog hervor, der Züge von Schizophrenie trägt und Unstimmigkeiten unserer heutigen Zeit aufdeckt. Doch auch ihre Kollegen verstehen es in die verschiedene Rollen zu springen – mal als Beauty-Apparat in einem Schönheitssalon – dann als Benimm-Experten bei der Partnersuche und als Ratgeber, wie man sich im Falle einer Schwangerschaft zu verhalten hat.

Angelika Schmid, Antje-Kristina Härle, Tim Olrik Stöneberg und Sabine Brandauer in "Orangenhaut", Foto: Theater Trier, Friedemann Vetter

Die barocken Kostüme, für die Carola Vollath verantwortlich ist, passen zum Thema und zum Stück. Gerade weil sie nicht der aktuellen Mode entspringen, zeigen sie auf, dass Schönheitsideale nicht nur ein modernes „Problem“ sind, sondern den Menschen zu allen Zeiten diktiert haben.

Das Bühnenbild von Thimo Plath, welches die Schauspieler mit transportablen Spiegeln je nach Bedarf ab- und umbauen können, passt trotz oder gerade wegen seiner Schlichtheit und Sterilität zum Stück. Zudem bieten die vielen reflektierenden Spiegel ein verwirrendes Spiel in dem der Zuschauer beim Betrachten des Stückes auch immer wieder sich selbst sieht.

Schlichtheit und Sterilität im Bühnenbild

Insgesamt schuf Regisseurin Eva-Maria Baumeister mit Orangenhaut ein Stück, welches mit seiner stellenweisen Überdrehtheit vor allem beim weiblichen Zuschauer einen Nerv trifft, der zum Nachdenken anregt. Ein Stück sowohl für Orangenhautträgerinnen als auch Nicht-Orangenhautträgerinnen, dass einen an manchen Stellen durchaus schmunzeln lässt.

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