Fastnachtstradition erhalten – aber bitte ohne Alkohol

Körperverletzungen, etliche Platzverweise, Gewahrsamnahmen und sogar Verkehrsunfälle – am Weiberdonnerstag 2012 glich die Trierer Innenstadt einem Ort von Gewalt und Verwahrlosung. Treuer Begleiter bei den verschiedensten Delikten: der Alkohol. In diesem Jahr soll solch ein Fiasko im Keim erstickt werden.

Um solch ein Szenario in diesem Jahr zu verhindern, haben Polizei, Stadtverwaltung, Ordnungs- und Jugendamt bekanntermaßen ein neues Sicherheitskonzept für die tollen Tage erstellt (5vier.de berichtete). Oberster Punkt auf der Tagesordnung: Verbot des Mitführens und Konsumierens von Alkohol an den letztjährigen „Brennpunkten“ des Trierer Stadtbilds.

Dass die Durchführung „nicht einfach wird und nur bedingt planbar ist“, gesteht auch Ordnungsdezernent Thomas Egger in der Rathaus Zeitung ein. Es bedarf sicherlich eines Mammutaufgebots an Polizisten, Ordnungsamt- und Jugendamtmitarbeitern sowie medizinischen Erstversorgern, um den Narren, die ihre fünfte Jahreszeit friedlich feiern möchten, ein angenehm sicheres Fest zu ermöglichen.

Erfahrungen der letzten Jahre zwingen zu drastischen Maßnahmen

Denn es geht Stadt und Polizei selbstverständlich nicht darum, die Tradition des Karnvalfeierns in Trier zu verbieten oder abzuschaffen. Deshalb ist es eben so traurig, dass solche Maßnahmen, vor allem aufgrund der Erfahrungen des letzten Jahres, ergriffen werden müssen. Die Gewaltbereitschaft der meist jugendlichen Randalierer steigt sicherlich parallel zu deren Alkoholpegel. Verantwortungsbewusste Konsumenten gibt es unter den Feiernden zur Genüge. Doch vielleicht ist die Pauschalmaßnahme trotzdem eine Aufwertung des Fetten Donnerstags in Trier.

In diesem Jahr soll durch strikte und umfassende Kontrollen erreicht werden, dass heute zwischen 9 und 19 Uhr auf dem Hauptmarkt und anderen öffentlichen Plätzen der Alt- und Innenstadt kein Alkohol konsumiert werden kann. Verstöße werden laut Ordnungsamt je nach Umfang mit Geldbußen von bis zu 5.000 Euro sanktioniert. Auf dem Hauptmarkt darf zusätzlich kein Glas mit sich geführt werden.

Alternative Veranstaltungen in Exhaus und Mergener Hof

Die Stadt kooperiert dabei auch mit Schulen, die strengere Regeln bezüglich Alkoholverbot und Anwesenheitspflicht auferlegen werden. Außerdem kündigte Jugendpflegerin Susanne Schmitz in der Rathaus Zeitung an, dass für die Unter-16-jährigen-Fraktion ab 13.11 Uhr im Mergener Hof sowie für ältere Jugendliche bereits ab 11 Uhr im Exhaus Feieralternativen angeboten werden, um das Motto „Fröhliches Feiern in Trier – aber sicher“ zu verwirklichen. Des Weiteren werden verstärkt Jugendschutzkontrollen in gastronomischen Betrieben und Einkaufsläden durchgeführt, um durch verantwortungsloses Trinken entstehende Alkohol-Leichen zu vermeiden.

Kompromissbereit zeigte sich übrigens auch die AG Trierer Karneval. Um die Einhaltung des neuen Konzepts zu erleichtern, gestand sie eine Einschränkung ihres Programms (Prinzenproklamation) auf dem Hauptmarkt zu.

Aktuelle Reaktionen in der Innenstadt zeugen von Enttäuschung

Der Hauptmarkt bot am heutigen Weiberdonnerstag um die Mittagsstunde gähnende Leere. Wo der Platz in den vergangenen Jahren aus allen Nähten zu platzen drohte, schlenderten heute nur vereinzelt Verkleidete über den Asphalt. Alkoholverbot? „Besch…!“, finden zwei ältere Herren im Prinzenkostüm. „So was sollte man mal in Kölle machen, mal sehen was da dann los ist?!“

Das pauschale und bedingungslose Verbot des Alkoholkonsums stieß also auf Unmut bei den Feierwütigen. „Letztes Jahr war’s viel geiler“, erkennt daher ein kostümierter Jugendlicher. Eine etwas groteske Aussage, kennt man die Hintergründe.

Auch an den weiteren öffentlichen Plätzen Triers war nichts von Karnevalsstimmung zu spüren. Wären nicht hier und da verkleidete Personen aufgetaucht, es hätte ein ganz normaler Donnerstag sein können. Nur in einigen Gaststätten kam Faschings-Feeling auf.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Situation am Nachmittag nach Schulschluss entwickelt. Durch die vielen Schüler, die dann in die Stadt strömen könnten, wird sich das Bild möglicherweise noch verändern.

 

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