Freizeit: Figaro, Figaro, Figaro… – „Der Barbier von Sevilla“ im Theater

Schlusstakt zur Spielzeit 2010/11. Am Samstag, 25. Juni, feierte das Theater Trier seine letzte Premiere in der (noch) aktuellen Spielzeit. 5vier-Redakteurin Stefanie Braun war vor Ort.

Alexander Trauth, Evelyn Czesla, Foto: Dominik Mock

Zu sehen war ein absoluter Opern-Klassiker: „Der Barbier von Sevilla“, eine Komische Oper von Gioacchino Rossini, die er in der Rekordzeit von 26 Tagen fertig stellte. Viel mehr Zeit hatte Regisseur Nils Cooper für seine Inszenierung auch nicht. Was kurz währt, wird anscheinend auch gut.

Doch zunächst einmal zum Inhalt: Der bis-über-beide-Ohren-verliebte Graf Almaviva ist verzweifelt, denn seine Angebetete Rosina, das wohlhabende Mündel des Doctore Bartolo, wird von eben selbem bewacht wie sein Augapfel. Oder eher wie seine zukünftige Braut. Der alte Herr hat nämlich vor sich sein reiches Mündel selbst zum Weib zu machen. Allein des gut gefüllten Portemonnaies wegen – versteht sich. In seiner großen Not steht dem liebestollen Grafen eine helfende Hand zur Seite: der Barbier von Sevilla. Dieser denkt sich, in seiner Rolle als „Datedoktor“, so manche Tricks und Kniffe aus um Rosina und Almaviva zusammen zu bringen. Allerdings tut er dies nicht nur der Nächstenliebe wegen. Nur Bahres ist eben Wahres. Versteht sich.

Carlos Aquirre, Foto: Dominik Mock

Zu sehen als findiger Barbier ist Carlos Aquirre, der in dieser Rolle eine neue, ausdrucksstarke Facette an den Tag legt. Sein Barbier erinnert an einen Zauberer, der im Hintergrund die Fäden in der Hand hält. Auf seinen Fingerzeig hin zucken Blitze am Himmel, Mitspieler erstarren zu Salzsäulen und die Zeit scheint still zu stehen. Stimmlich, wie immer voll überzeugend, ist sein Spiel mehr als gewöhnlich – intensiv und beweglich.

Svetislav Stojanovic gibt den verliebten Grafen, der oftmals vom wandelbaren Chor und besonders von Chormitglied und Solosänger Carsten Emmerich als seinem Diener begleitet wird, und Evelyn Czesla die clevere Rosina. Eine besondere Augenweide stellt Alexander Trauth als Bartolo dar, der mit einem stattlichen Bauch und manch einer Überraschung unter seinem Gewand über die Bühne hüpft. Claudia- Denise Beck mimt die schroffe und resolute Haushälterin Marzelline und wirkt dabei wunderbar uncharmant.

Insgesamt kann man die Leistungen der Sänger nur wirklich beurteilen, wenn man sie im Bild der Inszenierung betrachtet, denn Nils Cooper, seines Faches selbst Opernsänger, wagt mit seinem Barbier eine Inszenierung wie sie nicht klassischer sein könnte. Ganz im Stile der Opern wie man sie sich vorstellt, wenn man einige hundert Jahre zurück blickt. Ein gewagter Schritt, wo solche Opern doch schon lange nicht mehr „trendy“ sind. Dabei nutzt er wie er selbst im Interview mit Musikdramturg Dr. Peter Larsen sagte, Techniken an die schon lange niemand mehr denkt: Elemente aus dem Stummfilm, dem barocken Theater und der commedia dell’arte und schafft damit ein neues altes Erlebnis für den Zuschauer.

Die historisch gehaltenen Kostüme und Ausstattung von Monika Frenz, unterstreichen diesen Effekt zusätzlich und runden das interessante Theatererlebnis ab. Einen besonderen Reiz macht das Bühnenbild aus. Es stellt eine „Bühne auf der Bühne“ dar – hier haben die Sänger ihren großen Auftritt. Vor der „Bühne“ agiert der zweite Kniff der Inszenierung: Hans-Peter Leu. Als Theater- Hausmeister lauscht und bestaunt er das Geschehen und wird oft auch mehr oder weniger freiwillig eingebunden. So ist es auch er, der zu Anfang das unter einer Plane versteckte Orchester unter der Leitung von GMD Victor Puhl findet und sie zusammen mit ihrem Wohlklang enthüllt.

Foto: Dominik Mock

Nils Cooper schuf hier eine Inszenierung, wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Durch die Verwendung der verschiedenen, teilweise vergessenen Elemente, schafft er eine Präzision und Genauigkeit, die das Empfinden einer Oper als solches spürbar macht. Der Zuschauer bekommt das Gefühl einer Aufführung des Barbiers beizuwohnen, wie es sie bereits vor einigen Jahrhunderten gegeben haben könnte. Gerade diese Verbindung vieler historischer Elemente macht die Inszenierung ungewohnt und neu. Und damit absolut sehenswert.

Wer sich die traditionelle, neue Oper in dieser Spielzeit nicht mehr ansehen kann, wird noch in der kommenden Spielzeit Gelegenheit dazu haben. Denn „Der Barbier von Sevilla“, in der ungewöhnlichen Inszenierung von Nils Cooper, wird als Wiederaufnahme in der neuen Spielzeit präsentiert.

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln