Freizeit: Katerstimmung am Aschermittwoch

Die Rückkehr in den Alltag bedeutet für viele nach sechs Tagen exzessiver Feierei vor allem eines: Kater! Wie man ihn bekämpft und bereits im Vorfeld gegen ihn antritt, das erklärt euch 5vier-Redakteur Sebastian Minas.

Nüchtern betrachtet, habe ich gerade gut reden. Ich soll einen Artikel über das Thema „Kater“ in der fünften Jahreszeit schreiben, aus der ich mich dieses Jahr getrost verabschiedet habe. Aber da ich mit Vorwissen belastet bin, kann ich sehr gut mit der großen Mehrheit der Trierer Menschen mitfühlen, die die letzten Tage mit brummenden Schädel aufgewacht sind und kurz vor der Resignation standen.

Je größer der Spaß, desto unschöner der Morgen danach

Der „Aschermittwochskater“ ist mittlerweile so fest etabliert, wie die närrische Zeit selbst.  Dabei wissen die Wenigsten überhaupt, was eine „leichte Alkoholintoxination“ bedeutet, woher sie kommt, oder – und das ist das Wichtigste – wie sie zu verhindern ist. Die Folgen der durch den übermäßigen Alkoholkonsum entstandenen Dehydration des Körpers kennen jedoch die meisten: Kopfschmerzen, als hätte man eine zweischneidige Klinge im Kopf, Muskelzittern, Unfähigkeit zur Konzentration oder Artikulation und zu guter Letzt: Übelkeit und Brechreiz.

Grenzen setzen

Der Alkoholkonsum wird in der heutigen Gesellschaft, vor allem in Deutschland, gemeinhin sehr unterschätzt.  Zur Alkoholvergiftung kommt es bereits bei leichten Rauschzuständen und viele wollen über die Gesundheitsgefährdung durch den Rausch nichts wissen. Das kennt man ja bereits von Rauchern. Deshalb ist es umso wichtiger seine Grenzen zu kennen, auch wenn gerade die Fastnacht das Gegenteil provoziert. Hinterher hat man immer leicht reden („Nie wieder Alkohol“) und dennoch greift der Großteil der Bevölkerung regelmäßig zur Flasche.

Foto: Silke Meyer

6 Tage Party hinterlassen ihre Spuren. Foto: Silke Meyer

Aktivkohle und Konterbier

Beim Kater gibt es unzählige kleine Hausmittelchen, die angeblich sehr helfen. Morgens schon eine Schüssel Gemüsebrühe für den Mineral-Haushalt, oder ein bis zwei Flaschen Wasser vor dem Schlafengehen. Andere schwören auf das berühmte „Konterbier“, Rollmops, fettreiche Speisen, Aspirin, Paracetamol und Ibuprofen 600 gegen die Übelkeit, etwas süßen Honig, oder Traubenzucker für den Blutzucker, Vitamintabletten, Aktivkohle, Borretschöl, Kaktusfeigen, Artischocken und etwas Hefeextrakt um wieder zu Kräften zu kommen. Wieder andere schlucken Calcium-Tabletten und Proteinshakes bereits vor dem Weggehen, um das „Katerimmunsystem“ zu stärken. Was davon wirklich hilft und was ziemlich unnötig ist,  sei im Folgenden beschrieben.

Vor der Party

Vorsorge ist besser als Nachsicht (und Kater). Gerade im Falle der Fastnacht kann man bereits im Vorfeld ansatzweise erahnen, was da auf einen zukommt. Deshalb bieten sich einige Vorkehrungen zur Katerbekämpfung an. Die berühmteste und tatsächlich auch sehr hilfreiche Maßnahme ist, viel von den sonst so „verbotenen Früchten“ zu naschen: In diesem Fall fettige Speisen wie Pizza, Lasagne, Pommes und Konsorten. Die darin enthaltenen Fette binden, in ihre Bestandteile zerlegt, den Alkohol, bevor er in die Blutbahn gelangen kann. Natürlich ist klar, dass sie kein Garant für eine exzessive Nacht sind. Sie dämpfen lediglich den Schlag ab.

Währenddessen

Die Party ist in vollem Gang und die Stimmung ausgelassen. Auslassen tut man aber leider auch oft die notwendigen Trinkpausen, in denen man sich am besten wieder ein paar Gläser Wasser gönnt. Wer obige Empfehlung beherzigt und bereits im Vorfeld der Feierlichkeiten fettreiches Essen verzehrt, der hat schonmal gute Startbedingungen. Wer dann aber  auf der Party selbst noch einmal zu salzigen Knabberzeugs greift, der verbessert seine Chancen zusätzlich. Vor allem Salzspeisen verlangsamen die Alkoholaufnahme und unterstützen den Kreislauf. Salz-und Flüssigkeitsverlust wird durch diese „Wasser-Salz-Pausen“ also weitestgehend vermieden und somit auch der Nebeneffekt des Brummschädels am nächsten Morgen.

Es ist aber auch entscheidend, zu welchem Alkohol man greift. Die Faustregel besagt: „Je mehr man durcheinander trinkt, desto schlimmer ist der Kater“. Das ist richtig. Denn es gibt natürlich unterschiedlich hohe Alkoholkonzentrationen und der Alkohol gelangt auch unterschiedlich schnell ins Blut. Methanol ist da ein guter Indikator, sodass man auch sagen könnte: „Je größer die Menge an Methanol im Alkohol, desto schlimmer der Kater“. Das kennt man von Rotwein, Whiskey, oder Rum. Während bei alkoholfreien Getränken nach einer Studie des CVUA Stuttgart der Mittelwert noch bei 6,3 g Methanol liegt (Mineralwasser < 2), sind es beim Wein schon 81 g/ l. Methanol ist gefährlich – das weiß man spätestens, seit drei deutsche Jugendliche in der Türkei starben, weil sie gepanschten Schnaps getrunken hatten. Kurz vor dem Schlafengehen empfiehlt es sich schließlich, noch einmal zur Wasserflasche zu greifen und vorsorglich eine Kopfschmerztablette zu nehmen. So schläft man gut durch, was sehr wichtig ist, um später nicht zu lädiert aufzuwachen

Der Morgen danach

Manche, noch mit leichtem Döner-Geschmack vom Heimweg im Mund, bekommen meist kurze Zeit nach dem Aufstehen wieder Lust auf etwas herzhaftes, beziehungsweise fettiges. Man fängt also quasi wieder dort an, wo man aufgehört hat. Und mal im Ernst: Nach einer ordentlichen, fettschimmernden Pizza, der der Käse aus allen Poren trieft und auf die man einen überaus  großzügigen Belag gehäuft hat, fühlt man sich doch gleich wieder besser! Warum das so ist, weiß man bis heute nicht genau. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass salzige und fettige Speisen den Elektrolythaushalt wieder auffüllen, genauso wie Wasser! Sie entgiften den Körper und waschen ihn rein von den Sünden des Vorabends. Das Konterbier wirkt hingegen nur vorrübergehend, versetzt den Kopf wieder in einen leichten Rausch und wirkt schmerzlindernd. Zudem sieht es ziemlich beschissen aus, wenn man morgens schon wieder an der Flasche hängt.

Wer unbedingt mit Alkohol kontern mag (und das noch recht gesund und stilvoll) dem sei eine Bloody Mary empfohlen. Gemixt ist sie schnell. Man nehme kalten Tomatensaft, 50 ml Vodka, etwas Salz, schwarzen Pfeffer, 1 TL Worcestershire-Sauce [ˈwʊstəʃər], 1 EL Zitronensaft, ein Stück Stangensellerie und einen guten Schuss Tabasco – fertig ist das Heilmittel. Die Bloody Mary ist sehr vitaminreich. Ohnehin wirken Gemüse- und Obstsäfte, am besten frisch gepresst, dem Vitamin- und Mineralmangel hilfreich entegegen. Das Ganze rundet man am besten mit einer ordentlichen Wechseldusche und einen ausgedehnten Spaziergang an der frischen Luft ab und schon ist man wieder funktionstüchtig.

Glaubt man der Saarbrücker Zeitung, so wirken aber auch schon verschiedene antialkoholische Säfte wie Trauben- und Apfelsaft wahre Wunder. Deren Fruchtzuckergehalt fügt dem Körper wieder dringend notwendige Flüssigkeiten zu und beschleunigt den Alkoholabbau. Ebenso helfe, laut Michaela Bänsch von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie in Saarbrücken, auch ein eingelegter, salzhaltiger Hering für die Wiederherstellung des Flüssigkeitshaushalts.

Jeck‘, oder nicht, unsere Katertipps sind für jeden feierwütigen (Elektrolyt) Haushalt. 5vier.de wünscht allen einen guten Start in die unmaskierte Normalsterblichkeit und zwar ohne Kater. Regelmäßig mal die Gedanken außen vorzulassen ist gut und sinnvoll, trotzdem sollte man wissen wo seine Grenzen sind. Wer seinen eigenen Alkoholkonsum gerne mal überprüfen möchte, der kann das auf dieser Seite kostenlos tun.

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