Freizeit: „West Side Story“ – Theater im Trierer Westen

Sie tanzen, singen, fallen auf die Knie und holen sich böse Schürfwunden – Sie sind die Tänzer, Sänger und Schauspieler des Musicals „West Side Story“, was den Auftakt zur nächsten Spielzeit des Theater Trier bilden wird und gerade in der Endphase seiner Probenzeit steckt. 5vier.de durfte dem Ensemble hierbei über die Schultern schauen.

Maria & Tony. Foto: Dominik Mock

Es ist ein dreckiges Geschäft, das Musiktheater. Besonders wenn man dieser Tage in die Eybl-Halle, auch bekannt als ehemalige Bobinet-Halle geht um den Darstellern der West Side Story zu zuschauen. Mit Knieschonern und Probenklamotten, die auch mal dreckig werden dürfen, rutschen, tanzen und prügeln sie über den vor Schmutz stehenden Fabrikhallenboden. Zwischendurch erklimmen sie die im Raum verteilten Europalettentürme oder lungern Bier trinkend vor „Docs“ Wohnwagen herum, der Behausung, Stammkneipe und Zufluchtsort in einem darstellt.

Größere und kleinere Blessuren

"So groß wie ein Fußballfeld", Foto: Dominik Mock

Dabei kommt es schon des öfteren mal zu kleinen oder größeren Blessuren, denn der Boden der Halle ist eben nicht fürs Tanzen gedacht. Uneben, dazu noch schmutzig, an einigen Stellen bröckelt es oder tropft von der Decke und bis vor kurzem standen noch kleine Drahtenden aus den Bodenplatten heraus. Zudem ist die Akustik, nennen wir es mal: etwas „weitläufig“. Durch die immense Größe der Halle kann der Ton sich leicht verlaufen und man versteht nur schwer, wenn am anderen Ende gesprochen wird. Dafür hallt jeder unnötige Krach dutzendmal wieder. Tücher, die unter die Decke gespannt werden, sollen das Problem lösen. So ist es zumindest zu hoffen.

Alles in allem kein idealer Ort um Theater zu spielen. Doch was macht man nicht alles für die Kunst.

„Am Anfang war es wirklich schwierig,“ so Carsten Lepper später in unserem Interview, „doch inzwischen hat man sich mehr an alles gewöhnt.“ Diesen Raum mit seinem Spiel und seiner Stimme zu füllen erscheint doch in der Tat mehr als nur Gewöhnungssache, es erscheint eher als eine Herausforderung. Und so wird es auch von den Mitwirkenden aufgenommen. Es ist eben etwas anderes ob man auf einer Bühne spielt, die eigens dafür gemacht wurde und die man mithilfe von Technik schnell mal in einen anderen Raum verwandeln kann oder in einem Raum, der praktisch dafür konstruiert wurde eine Produktion von Sitzbezügen zu sein.

Die große Halle macht die Produktion zu etwas besonderem

Bandenterror, Foto: Dominik Mock

„Es ist eben auch die Halle, die die Produktion zu etwas Besonderem macht“, so Eric Rentmeister, der den Riff spielt.

„Ein dreckiger Ort, an dem sich so etwas tatsächlich abspielen könnte“, sagt Joana Caspar, die die Maria spielt. Und tatsächlich gibt die dreckige und nicht gerade handzahme Halle etwas an Aura her, die es so auf der Bühne wohl nicht geben würde. Die Massenprügelei zu Anfang wirkt einfach authentischer, wenn man danach tatsächlich Spuren an den Kleidern und den Sängern sieht.

Eine Herausforderung bildet die Halle auch für Regisseur Sven Grützmacher, der stets darauf bedacht sein muss, dass der Raum, wenn er ja schon mal vorhanden ist, auch genutzt werden soll. Trotzdem darf es sich nicht verlaufen, was bei diesen Dimensionen schnell passiert sein kann. Ein schwieriges Unterfangen, welches diese West Side Story aber auch zu einer machen kann, wie man sie so noch nicht gesehen hat. Zwei Gruppen verfeindeter Straßengangs, eine große Liebe, ein tragisches Schicksal. Das alles in der dreckigen, kalten Atmosphäre einer Industriehalle. In dieser Umgebung erkennt man den gewalttätigen Aspekt des Musical. Da vergisst man schnell die süße, bunte Version des Films.

Eine Herausforderung bildet jedoch nicht nur die Halle; auch die Probenarbeit als solches ist für die einzelnen Tänzer und Sänger schwierig, da sie sich auf völlig neuem Terrain befinden. Denn in der West Side Story singen und tanzen meist alle. Das heißt, Tänzer müssen nicht nur tanzen sondern auch singen und Sänger müssen nicht nur singen sondern auch tanzen.

Und große Liebe, Foto: Dominik Mock

Tanzende Sänger und singende Tänzer

Es zu schaffen, dass alle in etwa auf einem Stand sind und nicht manche hilflos untergehen, erfordert Geduld und Durchhaltevermögen von allen Beteiligten. Denn dem Zuschauer soll ja später nicht auffallen, dass er es mit einem tanzenden Sänger oder einem singenden Tänzer zu tun hat.

Die Proben sind bald zu Ende und dann stehen erst einmal sechs Wochen Ferien an. Danach folgt eine vergleichsweise kurze Auffrischungsphase, in der noch einmal alles nach oben geholt werden muss.Dann folgt am 27. August die Premiere. Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich bereits Karten reservieren.

5vier.de wünscht auf jeden Fall noch gute Proben und eine erfolgreiche Premiere.

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