„Einer geht noch rein“ – Eintracht-Fans sammeln für neuen Stürmer

Von Florian Schlecht (Text) und Anna Lena Grasmück (Fotos)

Eintracht Trier hofft auf den Aufstieg in die 3. Liga. Dafür soll noch ein neuer Offensivspieler verpflichtet werden. Fans starten nun eine bundesweit einmalige Aktion, mit der Geld für einen Neuzugang gesammelt werden soll. Über Plakate, Flyer, eine Homepage und immer wieder neue Reizpunkte sollen alle Anhänger in ein Boot genommen werden – und der große sportliche Traum in Erfüllung gehen.

„Einer geht noch rein.“ Silke Lieser, Sanja Hügel und Daniel Emanuel (v.l.) starten mit der Aktion für einen neuen Eintracht-Stürmer.

Die Idee entstand durch einen ersten Gedanken im Fanforum im Dezember. Dort diskutierten Anhänger von Eintracht Trier über die Verpflichtung eines neuen Offensivspielers, der den Traum vom Aufstieg in die 3. Liga weiter mit Leben füllen soll. Der Tenor war aber klar: Der Verein hat wenig Geld für eine hochkarätige Verstärkung. Kein Problem, meinte ein User aus Hamburg: Sammeln wir doch, damit ein Neuzugang bezahlt werden kann. Der Dachverband der Fanclubs, der Supporters Club Trier (SCT) nahm sich der Angelegenheit federführend an – und startet nun die Aktion „Einer geht noch rein. Dein neuer Stürmer für die Eintracht“. So sollen Gelder gesammelt werden, um dem Klub unter die Arme zu greifen. „Die Initiative geht alleine von den Fans aus.“

Bundesweit ist es eine ziemlich einmalige Angelegenheit, die da von den Anhängern aus Trier auf die Beine gestellt wird. Bei Union Berlin halfen Fans beim Umbau der „Alten Försterei“ mit. Beim ehemaligen Basketball-Bundesligisten BG Göttingen sammelten Supporter ebenfalls schon für einen neuen Spieler. 22.000 Euro kamen bei den Uni-Städtern zusammen. Auf eine Summe, die der SCT erreichen will, möchte sich kein Vertreter festlegen. „Jeder soll das investieren, wozu er bereit ist“, sagt Emanuel. Der Dachverein ist schon mit gutem Beispiel vorangegangen. Die ersten 1.000 Euro trug er für einen neuen Spieler bei. Am Freitag war der Betrag auf dem Treuhandkonto, das von Anwalt und Aufsichtsratsmitglied Dr. Alexander Bergweiler betreut wird, bereits um das Doppelte auf 2.000 Euro angewachsen – so kann es weiter gehen.

„Wir finden es abgefahren, was die Fans hier vorhaben“

An die Öffentlichkeit ist der SCT erst jetzt getreten. 250 Plakate sollen in der Stadt ausgehängt, 10.000 Flyer verteilt werden. Dabei hat die Werbeagentur „Igelstudios“ mitgeholfen und sich für das Layout einiges einfallen lassen.  „Wir finden es abgefahren, was die Fans hier vorhaben. Der Charakter der Aktion liegt im Miteinander, alle ziehen an einem Strang“, war Silke Lieser von der Agentur sofort begeistert. Jeder Fan, der spendet, sitzt mit in einem Boot. „Die Tat zählt. Jeder soll das beitragen, was er leisten kann und will. Nur mit Eintracht kann man was Großes erreichen.“

Auch weitere Maßnahmen planen die Fans. So gibt es einen Internetauftritt unter www.einergehtnochrein.de, der von der Firma Polybytes erstellt wurde. Dort gibt es einen laufenden Zwischenstand, wie weit die Spenden bis hin zur Verpflichtung eines Spielers vorangeschritten sind. Auch eine Facebookseite wurde gebastelt. Die Firma XXL Wall S.A. lässt die Werbung für die Aktion kostenfrei auf der Videowall am Moselstadion laufen. Bei Events in Trier wollen die SCT-Mitglieder für ihr Anliegen werben, an dem sie in vielen Sitzungen und mit vielen E-Mails seit Wochen gearbeitet haben. Auch bei Testspielen in der Vorbereitung wollen sie sammeln gehen. An weiteren pfiffigen Einfällen sind sie dran. „Wir wollen immer wieder Reizpunkte setzen“, sagt Emanuel.

„Für mich ist es sagenhaft, dass so was in Trier möglich ist. Das zeigt, was für eine aktive Fanszene wir haben, dass sie mitwirken wollen und Leben im Verein herrscht“, freut sich Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi über die Unterstützung. Denn die Mittel sind im Aufstiegsrennen, in dem die Eintracht nur drei Zähler hinter einem Relegationsplatz liegt, rar gesäht. Das Fernsehgeld von 90.000 Euro ist nach der Ligenreform aus dem Etat gebrochen, durch die verpasste Qualifikation zum DFB-Pokal mussten im Vergleich zum Vorjahr zusätzliche 140.000 Euro eingespart werden.  „Wir Fans wollen die Chancen erhöhen, am Ende der Saison diesen begehrten Relegationsplatz zu erobern“, ist der Antrieb der Anhängerschaft eindeutig erkennbar, um sich einen großen Traum zu erfüllen.

Bis Ende Januar kann man „Sturmpartner“ werden. Sollte es am Ende nicht zu einer Neuverpflichtung reichen, fließt das Geld komplett an den Jugendförderverein der Eintracht.

+++Infos zur Aktion+++

Das Konto – Das Konto wurde bei der Volksbank Trier eröffnet. Die Kontonummer: 276 00 33339. Die Bankleitzahl ist die 585 601 03. Der Verwendungszweck lautet „Sturmpartner“. Für jede Spende ab fünf Euro erhalten Fans einen Button. Für jede Spende ab 100 Euro gibt es einen Schal.

Die Homepage zur Aktion – Im Internet gibt es eine Plattform zur Aktion unter www.einergehtnochrein.de. Dort ist auch die Überweisung via PayPal möglich. Über Facebook gibt es eine Gruppe, in der über den Stand der Spenden und Ideen informiert wird.

+++Eintracht in Kürze+++

Bitburger und Eintracht verlängern Partnerschaft bis 2016 – Fußball-Regionalligst Eintracht Trier und Bitburger haben den Sponsorvertrag um weitere drei Jahre verlängert. Die bereits seit 1996 bestehende Partnerschaft ist damit bis Sommer 2016 besiegelt. Der Vertrag beinhaltet nach wie vor die exklusiven Werbe- und Ausschankrechte im Moselstadion, die Einbindung der ersten Mannschaft in Promotionaktionen sowie die gemeinsame Ausrichtung eines Benefizspiels.

Testspiel in Neunkirchen – Der Plan in der Wintervorbereitung ist komplett: Am Samstag, 26. Januar, tritt Eintracht Trier beim Oberligisten Borussia Neunkirchen an. Austragungsort soll entweder das Ellenfeldstadion oder der unmittelbar hinter der Haupttribüne liegende, neue Kunstrasenplatz sein. Am 7. Januar starten die Regionalligakicker von Roland Seitz wieder mit dem Training. Das erste Testspiel ist am Samstag, 12. Januar (14 Uhr) gleich der größte Knaller. Dann empfängt Trier den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern.

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln