Gegen Einsamkeit – Vorstellung der Besuchsdienste in Trier

Veranstaltung zum Thema "Besuchsdienste - sinnvolles bürgerschaftliches Engagement"

Anlässlich der Demografie-Woche des Landes Rheinland-Pfalz fand am Dienstag, 29. Oktober, um 14 Uhr im Rathaussaal eine Informationsveranstaltung unter dem Titel „Besuchsdienste – sinnvolles bürgerschaftliches Engagement“ statt – mit Vorträgen, Ehrung und anschließendem Empfang.

Etwa eine Stunde dauerte das Programm, das kurzfristig um vier weitere Redner/innen ergänzt wurde. Mitarbeitern, aber auch Interessierten wurde so ein Überblick über die Besuchs- und Begleitdienste der Region und ihre Tätigkeit geboten. Franz Bonfig von der Stadtverwaltung Trier führte durch die Veranstaltung.

Demografie_2Die Stellvertreterin des Oberbürgermeisters, Angelika Birk, hielt die Begrüßungsansprache, in der sie die Besuchsdienste gleich zu Anfang als „sehr wertvolle Tätigkeit, die viel zu sehr im Schatten steht“, einführte. Diese Aussage zog sich durch die gesamte Veranstaltung, in der deutlich wurde, dass ehrenamtliche Besuchsdienste in der Öffentlichkeit kaum präsent sind. Daher ging es nicht nur um die Frage „Was tun Besuchsdienste?“, sondern auch darum, wie es möglich sei, die Arbeit der Ehrenamtlichen zu erleichtern. Im Namen der Stadt sprach die Rednerin den Vertretern der unterschiedlichen Dienste und den anwesenden Ehrenamtlichen ihren Dank aus und hob die Wichtigkeit solchen Engagements hervor.

Die Veranstaltung beschränkte sich auf Besuchsdienste für Erwachsene und – im Rahmen der Demografiewoche – weitgehend für ältere Menschen, obwohl, wie Bonfig erklärte, sie keineswegs die einzigen Empfänger solcher Dienste sein könnten. Auch Kinder aus armen Familien seien durchaus von Einsamkeit betroffen.

Einsamkeit im Alter – Ehrenamtliche helfen

Als erster Vertreter der Besuchsdienste sprach Klaus Duplang, über die „Besuchsdienste der Pflegestützpunkte“ – und hob gleich hervor, dass Pflegestützpunkte keineswegs mit Pflegediensten zu verwechseln seien. Hier erhielten Betroffene und Angehörige Rat: „kostenlos, umfassend und neutral“. Duplang berichtete von seiner Beobachtung, dass in etwa einem Zehntel der Haushalte, die er im Jahr besuchte, Menschen in Isolation lebten und betonte auch, dass von 30 bis 40 Betroffenen letzten Endes zwei Menschen bereit seien, mit Besuchsdiensten zu kooperieren. Dennoch: die Zahl der Betroffenen und jener, die das Angebot in Anspruch nehmen, steigt. Und die Besuchsdienste sind mehr denn je auf Freiwillige angewiesen, die dieses Ehrenamt übernehmen. Bewerbungen, so Duplang, würden an alle Besuchsdienste weitergegeben – einer davon würde dann mit dem Bewerber in Kontakt treten. Beim ersten Besuch würden neue Ehrenamtliche nicht allein gelassen, sondern begleitet und auch darüber hinaus legen die Besuchsdienste Wert auf Austausch und gemeinsame Ausflüge der Freiwilligen. Auch würde darauf geachtet, dass auf dem Einzelnen keine zu große Verantwortung laste – Tätigkeiten, die zur Versorgung der Betroffenen gehören, würden ausdrücklich ausgeschlossen. Aufgabe der Besuchsdienste sei es, den Menschen Gesellschaft zu leisten.

Im Anschluss stellte Annegret Kaltenborn-Reiter „Die Grünen Damen und Herren“ im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder sowie dem Seniorenzentrum vor. Kaltenborn-Reiter betonte die Begegnung zwischen Ehrenamtlichen und Betroffenen auf Augenhöhe – und wie viel man für die Zeit, das Interesse und die Zuwendung, die man verschenke, zurückerhalte. Sie verschwieg aber auch nicht, dass die Arbeit der Besuchsdienste anspruchsvoll sei und keineswegs immer einfach. Als Anforderungen an Bewerber nennt sie daher auch „kommunikative Fähigkeiten, soziale Kompetenz, verlässliches Engagement, Verschwiegenheit“ sowie „Lernbereitschaft“. Außer den klassischen Besuchsdiensten gebe es sog. Begleitdienste, deren Aufgabe darin bestehe, Betroffene oder Angehörige zu begleiten – zu Untersuchungsräumen, der Kirche oder der Cafeteria.

Die Besuchsdienste im kirchlichen Bereich stellte Johannes Rau vom Dekanat Trier und im Anschluss Andreas Schäfer vom Caritasverband Trier vor. Während Rau in seinem Vortrag die ehrenamtliche Tätigkeit unzähliger Freiwilliger würdigte und Nächstenliebe nicht nur als christliches Gebot, sondern auch als „grundmenschliches Anliegen“ herausstellte, berichtete Schäfer von dem jährlichen Oasentag für die Ehrenamtlichen mit Workshops und Austauschrunden und erklärte, wie wichtig es sei, Zugänge zu schaffen – auch für die Betroffenen selbst, bei denen oft noch Zurückhaltung und Scham vorherrschten.

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Vier Berichte aus der Praxis und den Erfahrungen unterschiedlicher Besuchsdienste in der Region lockerten die Veranstaltung auf.

Pfarrer Reinhard Müller war als Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde anwesend, die Besuchsdienste in Altenheimen, Krankenhaus-Besuchsdienste sowie Geburtstags-Besuche anbiete.

Nachwuchs gesucht!

Abschließend stellte Martina Spang, Referentin für das Soziale Ehrenamt der Malteser, die über die „Besuchs- und Begleitungsdienste“ (BBD) der Malteser sprach, die Wichtigkeit der Freiwilligen heraus. In einer aussagekräftigen Statistik stellte sie den erheblichen Anstieg der Dienststunden sowie der Betreuten seit 2007 dem geringen Anwachsen der Zahl der Ehrenamtlichen gegenüber. Die Besuchsdienste, das wird deutlich, haben Nachwuchsprobleme. Besonders Ehrenämter, bei denen es darum gehe, sich um ältere Menschen zu kümmern, stünden noch immer zu sehr im Hintergrund. Doch es gibt auch Lichtblicke. So sei das jüngste Mitglied der BBD Trier, Marie, 11 Jahre alt – und auch einige Berufstätige engagierten sich. Alle Kosten, erklärt Spang, so beispielsweise für die Grundausbildung, würden den Freiwilligen selbstverständlich erstattet. Weiterbildungsmöglichkeiten stünden zur Verfügung.

Vor dem anschließenden Empfang überreichte Angelika Birk den Rednern – stellvertretend für alle Freiwilligen – Blumensträuße als Zeichen des Dankes und der Anerkennung vonseiten der Stadt.

Innerhalb der kurzen Zeit, die für diese Veranstaltung zur Verfügung stand, konnte nicht mehr als ein kurzer, aber informativer Querschnitt geboten werden. Doch es wird klar, dass die Besuchsdienste selbst ebenso wie die einzelnen Ehrenamtlichen großes Engagement für die Gesellschaft zeigen – und dennoch fast ungesehen inmitten derselben stehen.

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