Germany’s Next Topmodel & Twitter – Ein TV-Dream-Team!

Wie Trash-TV im Internet funktioniert...

Dieses Jahr war „Germany’s Next Topmodel“ für die 5vier-Region besonders relevant, schließlich schaffte es mit Julia St. auch eine Trierer Studentin in die Top 20. Beim gestrigen Finale war die Jura-Studentin allerdings wie wir alle nur noch zum Zuschauen verdammt. 

Trier / Oberhausen. 2,43 Millionen Zuschauer haben gestern Abend eingeschaltet, als es zum letzten Mal für dieses Jahr in plärrend hoher Stimme aus den TV-Lautsprechern scheppert: „Nur eine kann Germany’s Next Topmodel werden!“ Das war der zweitschwächste Wert der Show in den letzten Jahren, in der Heidi Klum Deutschland zum bereits zwölften Mal zeigte, wie junge Mädchen gefälligst auszusehen haben.

Während die mit viel Spektakel aufgezogene Show in der KöPi-Arena in Oberhausen das Quotenrennen gegen das Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Vfl Wolfsburg und Eintracht Braunschweig in der ARD verlor, kannten die sozialen Netzwerke am gestrigen Abend nur einen Sieger: „Germany’s Next Topmodel“! Vor allem auf Twitter überschlugen sich die Tweets, die dem viel kritisierten Beauty-Spektakel nicht unbedingt positiv gesonnen waren. Daraus entwickelte sich allerdings eine Eigendynamik, deren Unterhaltungsfaktor man sich nur schwer entziehen konnte.

Dem Hohn der Netzgemeinde half dabei schon die an Musicals angelehnte Eröffnungs-Nummer, in der Moderatorin Heidi Klum mit ihren beiden Jury-Kollegen Thomas Hajo und Michael Michalsky das Tanzbein schwang und mit nicht gerade professionellem Playback-Gesang erste Zuschauer verschreckte, bevor es überhaupt losging. Vielleicht trug die Nummer aber auch zur Trash-Sog-Wirkung des Finales bei, der man sich in ihrer todernsten Oberflächlichkeit fortan einfach nicht mehr entziehen konnte. Was sich fortan auf Twitter abspielte, war deutlich unterhaltsamer und origineller als die eigentliche Sendung, weswegen wir das Finale auch aus dieser vollkommen anderen Perspektive beleuchten…

 

 

Bei der mit über 8000 Zuschauern ausverkauften KöPi-Arena machte man sich offensichtlich auch gar keine Mühe, ein ernstzunehmendes Show-Spektakel zu inszenieren, obwohl man sich mit ernsten Blicken, viel künstlicher Dramatik und den immer gleichen Phrasen selber offensichtlich toternst nahm. Sei es die Regie, die den Models auf dem Catwalk-Labyrinth nicht hinterher kam und streckenweise mehr von den Pop-Künstlern im Hinterrund zeigte als von den Mädels, die gerade um ihre Modelkarriere kämpften oder die vielen Moderationspatzer von den Moderatoren, den Laudatoren und den Model-Anwärterinnen. Die miserabel interviewende ehemalige GNTM-Teilnehmerinnen Rebecca Mir sorgte hinter den Kulissen für den gleichen unprofessionellen Endruck.

 

Der Auftritt vom ehemaligen Jury-Mitglied Wolfgang Joop passte da perfekt ins Bild. Dauer-verstrahlt erzählte er von seiner neuesten Kollektion und verhedderte sich derart in den Marketing-Phrasen, dass am Ende selbst die künstlich dauerstrahlende Heidi den 72-jährigen abwürgte. Ähnlich bizarr wirkten dann auch seine Kreationen, mit denen die verbliebenen drei Models Serlina, Celine und Romina um den ultimativen Sieg kämpften…

Ganz neu im Konzept: Die Awards für Best Walk Performance, Best Shooting Performance und Größte Personality, mit denen Trostpreise spannungsfördernd unter den schon ausgeschiedenen Models vergeben wurden. Mit Oscar-Verleihungs-Musik, packend abgelesenen Laudatios ehemaliger GNTM-Gewinnerinnen und wie im Drogenrausch in die Kamera schreienden Gewinnerinnen gab es so zusätzlichen Zündstoff für die leidenschaftlich mit-twitternden Hater. Stefanie Giesinger, Gewinnerin von 2014, fabrizierte gleich mehrere Ablese-Fehler, die die Twitter-Gemeinde dankbar retweetete…

Ein weiteres Feature war der Moment, als Heidi vollkommen überraschend ins Publikum stakste, um ein paar potenzielle Nachwuchsmodels auf die Bühne zu scheuchen, die dann anschließend in hastig angezogenen High-Heels einmal über den unübersichtlichen Catwalk stolpern durften. Als neue Anwärterin auf großen Internet-Fame stellte sich dabei die 14-jährige Maxi heraus, die nicht so ganz mit der Altersbeschränkung der Aktion klarkam…

 

Zwischen all die vermeintlichen Highlights ballerte Pro7 erwartungsgemäß Unmengen an Werbung, natürlich haarklein auf das Thema der Sendung abgestimmt!


Am Ende gewann mit Céline aus Koblenz wenigstens jemand aus einer Moselstadt. Aber wenn man das Medienecho betrachtet, ist der Name der Sommersprossen-Schönheit schon jetzt aus den Gedächtnissen der Nation gelöscht, denn am Ende bleibt vor allem der Schock darüber, dass man mit einer solchen Show eine große Arena ausverkaufen und fast drei Millionen Deutsche vor den Fernseher locken kann.

Und auch die größten Kritiker auf Twitter tragen letztendlich dazu bei, dass der Rubel von Klums Dauerwerbesendung läuft, denn wer mitlästern will, muss auch mitschauen und finanziert damit das Spektakel um die Oberflächlickeit mit, in dem dann ausgerechnet Awards für die „Beste Personality“ verliehen werden. Das ist dann selbst zu viel für die Twitter-Gemeinde, die sich am Ende des Abends zufriedend selbstbeweihräuchernd von der Bildfläche zurückzieht…

 

 

Titelbild: Disney | ABC Television Group ; https://flic.kr/p/PeC7Ps [Creative Commons-Lizenz]

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