Gibt es ein Leben nach dem Studium?

Am Ende des Studiums stehen viele Abgänger vor der großen Leere: Sie hängen vollkommen in der Luft. Wie kann man sich auf das Leben nach dem Studium vorbereiten, und welche Beratungsangebote gibt es? Ein Erfahrungsbericht.

Es ist ein ganz normaler Tag, irgendwann in den letzten zwei Monaten vor Abgabe meiner Magisterarbeit. Der Tisch ächzt unter dem Gewicht der Sekundärliteratur und ich buckele unter der Last der noch zu bewältigenden Arbeit. Kapitel drei ist fast fertig, aber da klingelt auch schon der Wecker und ich muss mich umziehen, um zur Arbeit zu gehen. Den Kopf noch voller Linguistik nehme ich also die Tätigkeit auf, die es mir erlaubt, mich mit meiner Abschlussarbeit zu stressen: kellnern. Da kommt es schon mal vor, dass ich auf die Frage nach den Tagesangeboten abwesend mit „pragmatische Sprachfeldtheorie“ antworte und mit entsprechend verwirrten Blicken von den Gästen belohnt werde.

Jeder, der akademisch arbeitet und sich sein Studium ganz oder zum Teil durch eigene Arbeit finanzieren muss kennt Zeiten wie diese. Für Freizeit oder gar Planung für das Leben nach dem Studium bleibt da oft kaum Zeit. Von gelegentlichen Gewissensbissen abgesehen („Eigentlich sollte ich mich mal um einen Job kümmern…“) steht die Suche nach post-studentischen Geldquellen nicht sehr weit oben auf der To-Do-Liste – wenn überhaupt. Das böse Erwachen kommt oft erst, wenn man dann mit dem Abschlusszeugnis in der Hand aus der Uni kommt uns sich fragt: Was jetzt…?

Beratungsangebote von Uni und Arbeitsagentur

Jährlich machen rund 1500 Studenten einen Abschluss an der Universität Trier – Tendenz steigend. Laut Angaben der ARGE Trier melden sich fast die Hälfte der Studiumsabgänger nach ihrem Abschluss erst einmal arbeitslos – meist für einen Zeitraum von acht bis zwanzig Monaten. Abgänger ohne Abschluss sind hier noch nicht mit eingerechnet.

Sowohl Uni, als auch ARGE reagierten auf diesen Trend und riefen Anfang 2009 unter dem Namen Career Service Jobpassage eine Kooperation ins Leben. In extra dafür eingerichteten Büros können sich Studenten alle Infos rund um den Job holen; vom Praktikum, über den Studijob, bei dem man Gäste mit unangebrachten Fachbegriffen aus den Schienen werfen kann, bis hin zu handfesten Angeboten für eine post-studentische Karriere wird hier alles geboten.

In Anspruch genommen wird dieses Angebot allerdings hauptsächlich von Studierenden, die einen Nebenjob oder – besonders mit Einführung der neuen Master- und Bachelorstudiengänge – nach einem Praktikum suchen. Von den Anderthalbtausend Abgängern sieht man in den Büros an der Uni und der FH nur wenig. Ob dies nun an mangelnder Werbung für diese Einrichtung oder schlicht am Zeitmangel der Abgänger liegt, darüber lässt sich keine verlässliche Aussage treffen. Die Zahl der arbeitslosen Studienabgänger hat sich auf jeden Fall seit Einrichtung der Büros nur leicht verringert.

Unterstützend zur Jobpassage bietet die Universität und der Asta regelmäßig Veranstaltungen an, die versuchen die Abgänger auf das Leben außerhalb der akademischen Hallen vorzubereiten und auch die ansässigen Unternehmen für studierte Fachkräfte zu interessieren. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Newsseite des Career Services.

Die ARGE scheint vor allem auf die Karrierecenter zu setzen – zwar gibt es ein Hochschulteam, aber die Berater, mit denen ich als Leistungsempfänger zu tun bekommen habe, konnten mich nicht immer umfassend genug beraten.

Eigeninitiative bleibt gefragt

Unterm Strich bleibt einem also nur eines: die Sache selbst in die Hand nehmen. Ein Besuch in den Karrierecentern ist mit Sicherheit ein guter Anfang. Dieser sollte dann aber nicht erst in Angriff genommen werden, wenn das Abschlusszeugnis schon gerahmt an der Wand hängt.

Jobsuche ist Arbeit, die Energie, Eigenregie und Zeit braucht. Kein Abgänger sollte so blauäugig sein und erwarten, dass die Unternehmen einem gleich nach der Abschlussfete die Tür einrennen und mit Geld bewerfen. Der Bedarf an akademischen Fachkräften ist ohnehin nicht sehr hoch und ein Überangebot an Bewerbern, sowie die noch immer unsichere Wirtschaftslage erschweren die Jobsuche zusätzlich.

Ein guter Abschluss ist nicht alles – für die Unternehmen zählt vor allem Erfahrung im Berufsleben. Wer während des Studiums bereits branchennahe Praktika, Nebenjobs, oder sogar Hobbys nachweisen kann, der sticht aus der Masse heraus und verbessert seine Chancen.

Für mich auf jeden Fall ist am Ende alles gut ausgegangen, auch wenn der Weg alles andere als eben war. Ich habe meine Magisterarbeit trotz permanentem jobbens geschrieben und termingerecht abgegeben. Nach meinem Abschluss gingen dann knapp 400 Bewerbung in Post, bis ich erst in der Werbung landete und schließlich beschloss, mein Hobby zum Beruf zu machen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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