Griechen unter fremden Herren

Ausonius-Preisträger über Identität der Helenen

Bei der Verleihung des Ausonius-Preises spricht Preisträger Helmut Halfmann über die Jahrtausende alte Suche der Helenen nach Identität.

Gratulieren dem Preisträger Prof. Dr. Helmut Halfmann (3.v.r.): Althistoriker Prof. Dr. Christoph Schäfer, Angelika Birk als Vertreterin der Stadt Trier, Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel sowie die Dekane der Fachbereiche III und II, Prof. Dr. Uwe Jun und Prof. Dr. Stephan Busch (v.l.). Foto: Uni Trier

Gratulieren dem Preisträger Prof. Dr. Helmut Halfmann (3.v.r.): Althistoriker Prof. Dr. Christoph Schäfer, Angelika Birk als Vertreterin der Stadt Trier, Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel sowie die Dekane der Fachbereiche III und II, Prof. Dr. Uwe Jun und Prof. Dr. Stephan Busch (v.l.). Foto: Uni Trier

Trier. Am Anfang steht ein Lexikoneintrag: Eine unfähige Verwaltung, finanzielles Chaos, Staatsbankrott – die Geldgeber stellen Griechenland unter Kontrolle. Keineswegs wählt Prof. Dr. Helmut Halfmann ein Zitat aus der aktuellen Berichterstattung über das gebeutelte Land in Südeuropa. Sondern Halfmann beginnt so seinen Festvortrag an der Universität Trier anlässlich der Verleihung des Ausonius-Preises. Auch nach seiner formalen Unabhängigkeit im Jahr 1830 stand Griechenland weiterhin unter starkem Einfluss und Druck von außen. Seit das Gebiet im 2. Jahrhundert römische Provinz wurde, seien die Helenen auf der Suche nach Identität, immer einhergehend mit Kämpfen gegen fremde Mächte, so Halfmann. Wie diese Suche und diese Kämpfe verliefen, skizziert der Historiker beispielhaft an ausgewählten Literaten, Philosophen und anderen griechischen Größen.

In Sachen Identität können an diesem Abend aber auch die Trierer noch etwas lernen und an Selbstbewusstsein gewinnen: Thematisch im Mittelpunkt steht zwar Griechenland, personell im Mittelpunkt steht aber neben dem Preisträger Helmut Halfmann der römische Dichter Ausonius, der dem Preis seinen Namen gab. „Sein Gedicht Mosella ist das älteste Städtelob, das ich kenne“, betont Halfmann. Zwar sei Trier nicht explizit genannt, aber als „Zentrum des Mosellandes“ gemeint, wenn Ausonius die Pracht und den Reiz der Flusslandschaft in den höchsten Tönen preise. „Keine andere Stadt hat eine solche Hymne zu bieten, das ist auch für die Universität Trier ein Ausweis an Exzellenz. Wenn Sie diese Verse künftig Ihren Forschungsgeld-Anträgen voranstellen, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.“

Die Besonderheit der Mosella und seines Schöpfers spiegeln sich insbesondere auch in der jährlichen Verleihung des Ausonius-Preises wider, der mittlerweile international Anerkennung gefunden hat. Aus sieben Nationen stammen die Preisträger der letzten 18 Jahre. Einige sind auch am Abend der jüngsten Preisverleihung zu Gast, ebenso wie Angelika Birk, Bürgermeisterin der Stadt Trier und Dr. Thomas Grünewald, Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium und Alumnus der Universität Trier.

Erstmals wird die Bedeutung des Ausonius-Preises auch mit Händen greifbar, denn sie ist jetzt in Stein gegossen: Zu Preisgeld und Urkunde, überreicht von den Dekanen der beteiligten Fachbereiche, erhält der Preisträger in diesem Jahr erstmals eine Ausonius-Statuette, übergeben von Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel. Vorbild für die Miniaturausgabe des Dichters ist die Ausonius-Statue in Neumagen-Dhron, antike Bildnisse von ihm sind nicht erhalten. Ein weiteres sichtbares Zeichen zur Ehrung des antiken Dichters und zur Förderung der Erforschung antiker Geschichte und Kultur setzt die Universität Trier mit dem neu gegründeten Ausonius-Verein. Preisträger Helmut Halfmann nutzt die Gelegenheit und tritt noch am Abend der Verleihung bei.

Mit der Auszeichnung würdigt die Jury das Lebenswerk des renommierten Historikers, der erst kürzlich emeritiert ist. „Angesichts der Vielfältigkeit seines Schaffens und der Maßstäbe, welche er gesetzt hat, ist uns die Wahl leicht gefallen“, erklärt der Trierer Althistoriker Prof. Dr. Christoph Schäfer und listet beispielhaft einige Verdienste Halfmanns auf: Ihm sei der Spagat gelungen, die römische und griechische Geschichte gleichzeitig zu erforschen. Mit seinen Untersuchungen zum Osten des römischen Reiches habe Halfmann wissenschaftliches Neuland betreten. Auch methodisch habe er alle Register gezogen und die unterschiedlichsten Quellen, von der Epigraphik bis zur Archäologie herangezogen. Schließlich habe er als einer der ersten die Bedeutung der Digitalisierung für die Geschichte erkannt, so Schäfer. „Helmut Halfmann gehört damit zu den Gründervätern der Digital Humanities.“
Zur Person

Helmut Halfmann, geboren 1950 in der Nähe von Köln, studierte ab 1968 in Bonn und Bochum Geschichte und Latein. Nach dem ersten Staatsexamen 1975 war er als Schüler des renommierten Althistorikers Géza Alföldy zunächst an der Universität Heidelberg tätig, ehe er dann eine Professur an der Universität Münster übernahm. 1991 wurde er als Nachfolger von Peter Herrmann auf dessen Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Universität Hamburg berufen.
Weitere Informationen zum Ausonius-Preis und zum Ausonius-Verein gibt es im Netz.

 

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