Handball: Trierer Miezen – Zwei Neue pünktlich zum Trainingsauftakt

Die Trierer Miezen können nach der Verpflichtung von Trainer Jörn Ilper nun auch die ersten beiden neuen Spielerinnen präsentieren.

Neben der österreichischen Nationaltorhüterin Verena Flöck wird die Tschechin Andrea Czanik künftig für die Miezen auflaufen. Beide haben jeweils einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben und ergänzen somit den „alten“ Stamm, von dem neben den bekannten Abgängen, lediglich Katrin Premm studienbedingt den Verein verlässt.

Die vergangene Woche 20 Jahre alt gewordene Wienerin Verena Flöck kann bereits namhafte Arbeitgeber vorweisen. Von 2005 bis 2011 spielte Flöck beim unangefochtenen österreichischen Rekordmeister HYPO Niederösterreich und wechselte dann zur vergangenen Saison zum Deutschen Meister Thüringer HC.

Entsprechend stolz ist man über die Verpflichtung der 1,82 Meter groß gewachsenen Torfrau: „Verena hat beim Probetraining das bestätigt, was wir uns von ihr erwartet hatten. Sie kann sicherlich eine starke Stütze für unser Spiel werden“, so Miezentrainer Jörn Ilper. Für Flöck ist der Wechsel an die Mosel eine neue verantwortungsvolle Aufgabe, auf die sie sich schon jetzt sehr freut. Neben dem Sport wird sie eine Ausbildung in Trier beginnen.

Die Slowakin Andrea Czanik kommt vom slowakischen Erstligisten HK Slovan Duslo Sala nach Trier. Dort spielte sie in den vergangenen beiden Jahren unter dem ehemaligen Miezentrainer Michael Lukacin, der Czanik ausdrücklich empfahl und sie zum Wechsel in „seine deutsche Lieblingsstadt“ ermunterte.

Mit 32 Jahren ist die abwehrstarke Kreisläuferin, die jüngst in die slowakische Nationalmannschaft berufen wurde, eine der erfahrenen Stützen im neuen Team der Miezen und soll die „jungen Wilden“, zusammen mit Silvia Solic, sicher lenken. Die Mutter einer „fünfjährigen Tochter“ zieht in den kommenden Wochen mit ihrer Familie nach Trier und lernt bereits eifrig Deutsch.

„Es wird uns eine Freude sein aufs Parkett zu gehen!“

Jörn Ilper führt die Miezen in die ihre 13. Bundesligasaison. Der 38-Jährige spricht im Interview mit Sebastian Lindemans über seine Ziele mit den Miezen, seine Trainerpersönlichkeit und die Bedeutung von Dago Leukefeld als Ratgeber.

Glückwunsch zu deinem neuen Traineramt bei den Trierer Miezen. Hättest du vor einigen Jahren daran gedacht, einen Frauenbundesligisten zu trainieren?

Jörn Ilper: Vor einigen Jahren hätte ich mir generell nicht vorstellen können als Trainer zu arbeiten, egal ob bei den Damen oder den Herren. Mein Interesse wuchs erst zum Ende meiner aktiven Zeit. Ich hatte da das Glück meine B/C Lizenz bei Maik Novak zu machen, was mir wirklich viel gebracht hat; auch im Hinblick auf meine jetzige Aufgabe. Seit 2007 arbeite ich jetzt als Trainer und freue mich schon darauf nun zum ersten Mal mit Frauen zusammenzuarbeiten.

Die Miezen sind inzwischen eine Traditionsmannschaft in der Bundesliga geworden; die bereits 13. Saison im Oberhaus steht bevor. Zugleich kämpft der Verein aber mit den Problemen, die viele in der Liga derzeit beschäftigen: Kaum steigende Einnahmen aber stetig steigende Kosten. Bei den Miezen führt der Weg für die Zukunft nun über das Senken der Kosten und das konsequente Setzen auf junge Talente. War das etwas, mit dem du dich sofort identifizieren konntest? Bei den Männern herrschen von den finanziellen Möglichkeiten her ja doch ganz andere Maßstäbe.

Jörn Ilper: Auch bei den Männern hat bei einem Großteil der Mannschaften notgedrungen ein Umdenken stattgefunden. So setzen auch hier, bis auf wenige Ausnahmen, alle Teams auf Talente aus der Region. Für mich passt dieses neue Trierer Konzept sehr gut, denn ich habe für den HVM (Anm. d. Red.: Handballverband Mittelrhein) den Jahrgang 1993 trainiert und so schon einige Erfahrung mit jungen Talenten gemacht. Ich bin mir sicher, wir werden auch in Trier einige junge Spielerinnen zu Bestandteilen des Bundesligakaders machen. In meinen Augen besteht eine Mannschaft im besten Fall aus einer gesunden Mischung von jungen hungrigen und älteren, erfahrenen Spielerinnen.

Die ersten beiden Neuverpflichtungen sind heute bekannt gegeben worden. So langsam nimmt dein Kader Gestalt an. Wie sieht deine Vorbereitung aus?

Jörn Ilper: Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit, sowohl mit den Neuzugängen als auch mit den Spielerinnen die bereits im Kader waren. Ich finde, dass eine sehr interessante Mischung in Trier vorhanden ist, und glaube fest an den Erfolg dieser Mannschaft. Wir brauchen schon noch die eine oder andere Verstärkung, aber auch das bekommen wir hin. Ab Mitte Juli werden wir uns alle erst einmal kennenlernen. Das geht am besten, wenn man hart arbeitet. Ich bin kein Schleifer, aber ich stelle hohe Ansprüche. Sowohl körperlich, als auch technisch und taktisch werden wir präzise arbeiten. Wir sind schließlich in der ersten Bundesliga.

Als Trainer ist man einerseits ja für die technisch-taktische Ausrichtung seiner Mannschaft verantwortlich, andererseits bestimmt man auch die Art des Gruppengefühls. Fangen wir mit der Taktik an: Schlägt sich deine Vorliebe für Abwehrarbeit auch bei den Miezen nieder? Wo willst du taktisch hin in dieser Saison?

Jörn Ilper: Jeder Trainer hat eine Vorliebe für Abwehrarbeit. Es hat sich sportartübergreifend gezeigt, dass eine gute Abwehr der Grundstein für Erfolg ist. Meine Philosophie lautet: Wir spielen in der Abwehr darum, möglichst schnell den Ball zu gewinnen. Wir agieren dabei schlau und hart – aber auch fair.

Dago Leukefeld hat gesagt, dass er und du an vielen Stellen gemeinsame Meinungen und Einstellungen habt. War das auch dein Eindruck?

Jörn Ilper: Dago hätte sich sicher nicht für mich starkgemacht, wenn wir in den wesentlichen Punkten grundsätzlich anderer Meinung gewesen wären oder eine völlig andere Sichtweise gehabt hätten. Er hat mir aber auch sehr klar gemacht, wie wichtig er es findet, dass ich meinen eigenen Weg gehe. Ich finde es ein tolles Kompliment, diese Mannschaft trainieren zu dürfen und es beruhigt mich, dass ich Dago jederzeit um Rat fragen kann, wenn es irgendetwas gibt, wo ich nicht sicher bin. Ich fange gerade erst an – er hat schon alles erreicht. Einen besseren Ratgeber kann ich mir nicht wünschen.

Jetzt aber zum Zweiten der genannten Aspekte: Wie stellst du dir eine erfolgreiche Atmosphäre im Team vor? Gesunde Konkurrenz oder eher harmonisches Arbeiten?

Jörn Ilper: Gesunde Konkurrenz ist Pflicht in jeder Mannschaft, schließt aber harmonisches Arbeiten nicht aus. Als Trainer gebe ich Grenzen vor. Bewegen sich alle innerhalb dieser Grenzen, arbeiten wir harmonisch zusammen. Mir ist gegenseitiger Respekt das Allerwichtigste. Wir müssen nächstes Jahr das beste Team sein, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen. Wer sich nicht zugunsten des Teams zurücknehmen kann, wird es schwer haben bei mir. Eitelkeiten können wir uns nicht leisten.

Und du selbst? Bist du als Miezentrainer dann eher der Raubkatzendompteur oder der Schmusekater?

Jörn Ilper: (lacht) Ich glaube daran, dass man authentisch miteinander umgehen muss. Ich nehme mir keine Rolle vor, sondern reagiere ehrlich auf die mir gestellten Aufgaben. Da darf es auf beiden Seiten auch mal lauter werden, wichtig ist nur, dass man gemeinsam eine Lösung findet.

Du verbringst derzeit ja viel Zeit bei der Analyse der Videos, ehe deine Arbeit mit der Mannschaft dann so etwa Mitte Juli richtig beginnt. Dennoch wird dich sicher jeder schon jetzt fragen, was dein Saisonziel ist. Hast du da schon eine Antwort parat?

Jörn Ilper: Das Projekt heißt: Klassenerhalt! Das Ziel ist mehr Punkte zu sammeln als im Vorjahr.

Der Vorbereitungsfahrplan ist straff und die Saison beginnt am 8. September mit einem wichtigen Auswärtsspiel beim Aufsteiger Metzingen. Das erste Heimspiel folgt direkt am 12. September in der Arena gegen den HC Leipzig, dann geht es mit Erfurt, Buxtehude und Oldenburg gegen die übrigen der Top4. Wird man ob des Druckes, der sich da zwangsläufig aufbauen wird nervös?

Jörn Ilper: Ich verstehe natürlich die Frage, aber antworte mal mit einer Gegenfrage: Warum sollten wir Druck empfinden? Jede Spielerin gibt so viel auf, um in der ersten Bundesliga zu spielen. Freizeit, Privatleben, jede Bequemlichkeit. Das tut sie doch nur aus einem Grund: Um sich am Wochenende mit anderen zu messen. Es wird uns eine Freude sein aufs Parkett zu gehen und unserem Gegner 60 Minuten lang alles abzuverlangen, was er zu bieten hat. Wir werden vorbereitet sein, wir werden leidenschaftlich kämpfen und wir werden uns Respekt verdienen. Wer gegen uns gewinnen will, muss sein Bestes zeigen. Egal ob Metzingen oder Erfurt.

Danke für das Gespräch und alles Gute für die Vorbereitung!

Jörn Ilper: Danke. Ich freue mich sehr auf die kommende Zeit in Trier.

Das Interview führte Sebastian Lindemans

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