Campus: Homosexualität auf Schallplatte – „Wir sind, wie wir sind“

„100 Jahre Homosexualität auf Schallplatte“ – so lautet die Ausstellung im AB-Foyer der Universität Trier, die im Zuge der diesjährigen Homosella zu sehen ist. Sie befasst sich, wie der Titel schon verspricht, mit Homosexualität auf Vinyl gebannt.

Die Ausstellung setzt neben Texten auch auf großformatige Abbildungen (Foto: Stefanie Braun).

Im Jahre 2008 eröffnete das Centrum für Schwule Geschichte aus Köln eine Ausstellung mit dem Titel: „Wir sind, wie wir sind – 100 Jahre Homosexualität auf Schallplatte“. Im Zuge der Homosella, die dieses Jahr unter dem Oberthema „Mediale Darstellung von Homo- und Bisexualtität“ steht, kann man diese Ausstellung nun im Zeitraum vom 8. bis 24. November im AB-Foyer der Uni Trier sehen.

Sie gibt nicht nur einen Einblick in die Entwicklung von Selbst- und Fremddarstellung von Homosexualität in dem Medium Musik, sondern gleichzeitig einen historischen Überblick über deren Entwicklung von der Weimarer Republik bis zum Jahr 2000.

Zudem beschäftigt sie sich mit einem medialen Bereich, der sonst neben Fernsehen, Printmedien und dem heutigen Internet gerne in Vergessenheit gerät, nämlich Liedern und der Darstellung von Homosexualität in selbigen und auf Schallplatten.

Mediale Darstellung von Homosexualität

Tobias Overkämping, ein Referent des Autonomen Schwulenreferats der Universität, findet gerade diesen Zweig interessant, da vor allem in Zeiten, in denen Homosexualität ein Tabuthema war, Lieder eine Möglichkeit sein konnten, sich verschlüsselt auszudrücken, ohne Angst vor Anfeindungen durch die breite Öffentlichkeit fürchten zu müssen. In deren Ausmaße man ebenfalls einen Einblick bekommt, vor allem zu Zeiten der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, aber auch noch in den 50er und 60 Jahren, sowie in der ehemaligen DDR. Thematisiert wird jedoch nicht nur die damalige Verfolgung durch Diktaturen und politische Gegner, sondern auch die heutigen Anfeindungen und die homophobe Einstellung von Seiten einiger Musiker aus dem HipHop-Bereich.

Annika Jähnke vom Frauen- und Lesbenreferat geht es darum zu zeigen, dass Homosexualität keine neuzeitliche Erscheinung ist (Foto: Stefanie Braun).

Ziel der Ausstellung, so Annika Jähnke, Referentin des Autonomen Frauen- und Lesbenreferats, sei es außerdem aufzuzeigen, dass Homo- und Bisexualität keine Erscheinung der neuzeitlichen Medien ist, sondern sie bereits vor der Weimarer Republik in den Medien präsent war.

Tabuisierung und Verfolgung

Wie wurde Homosexualität nun durch die Musik dargestellt? Wie verarbeiteten Künstler ihre eigene Homosexualität und die Reaktionen ihrer Umwelt darauf? Durch Plakate mit anschaulichen Texten, viel Bildmaterial und einigen Liedtexten, sowie Hörbeispielen gibt die Ausstellung Antwort auf diese und noch weitere Fragen. Leider wird diese thematisch interessante Ausstellung im AB-Foyer etwas stiefmütterlich behandelt. Zwar gibt es ab und an neugierige Blicke auf die bunten Bilder, doch wirklich lesen worum es geht werden wohl nur wenige der vorbeieilenden Studenten. Dabei lohnt sich gerade ein Blick auf die zeitlosen Liedtexte, deren Problematik bis heute aktuell zu sein scheint. Besonders wenn man auf die gerade mal zehn Jahre alten Texte einiger neuzeitlicher Künstler stößt, die die Frage aufwerfen, inwieweit sich in den letzten 100 Jahren überhaupt eine Entwicklung vollzogen hat.

Einige Studierende halten an, um sich die Ausstellung im AB-Foyer anzuschauen (Foto: Stefanie Braun).

Insgesamt handelt es sich hier um eine Ausstellung, deren Besuch im Zuge der Homosella nicht uninteressant sein könnte und deren Inhalt einen erneut auf zeitlose Fragen der Gesellschaft nach Akzeptanz und Toleranz zurück zu werfen scheint.

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