Interview „An Eintracht Trier verschwende ich keine positiven Gedanken“

Das Interview führte Florian Schlecht

Am Samstag spielt der 1. FC Eschborn gegen Eintracht Trier. Für Thomas Drescher ist es ein Wiedersehen ohne Vorfreude. Im Interview mit 5vier spricht er über schlechte Erfahrungen an der Mosel, kursierende Gerüchte, Irritationen mit Trainer Seitz, den Prämienstreit und das Spiel gegen seinen Ex-Klub.

Thomas Drescher vor dem Wiedersehen mit Eintracht Trier: „Ich freue mich nicht.“ Foto: Anna Lena Grasmück

5vier: Am Samstag gibt es das Wiedersehen mit dem 1. FC Eschborn gegen Eintracht Trier. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in das Spiel?

Thomas Drescher: Es ist ein besonderes Spiel für mich. Freuen tue ich mich aber nicht.

5vier: Warum nicht?

Drescher: Natürlich wird es schön sein, drei, vier Leute wiederzusehen, mit denen ich gemeinsam Zeit verbracht habe und die mir als Typen fehlen. Mit Trier verbinde ich aber nur negative Gefühle. Im Kopf bleibt immer erhalten, was zum Schluss passiert ist. Wie wir als Mannschaft angegangen wurden, das habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt. Ich verschwende keinen positiven Gedanken mehr an Eintracht Trier.

5vier: Es kursierte das Gerücht, dass es unter den Spielern eine Gruppe von so genannten Stinkstiefeln gibt, die für schlechte Stimmung in der Mannschaft gesorgt hätten. Dazu wurden auch Sie gezählt.

Drescher: Die Gerüchte wurden von einer Person gestreut, die sich nicht mehr zu wehren wusste und die mit dem Rücken zur Wand stand. Die hat sich Leute rausgepickt und Unwahrheiten verbreitet, denen leider von vielen Seiten Glauben geschenkt wurde. So wurden auf einmal Spieler beleidigt, die sich zwei Jahre lang für den Verein den Arsch aufgerissen haben.

5vier: Welche Person war das?

Drescher: Ein Verantwortlicher. Wer, das sage ich nicht.

Drescher-Kritik an den letzten Wochen in Trier: „Es wurden Unwahrheiten verbreitet.“ Foto: Anna Lena Grasmück

5vier: Geärgert hat Sie damals auch die Stimmung im Stadion beim Lotte-Spiel, als Fans auf den Platz stürmten.

Drescher: Es ist mir zu blöde, mich über Leute zu äußern, die mich nicht interessieren. Bislang hatte ich aber das Gefühl, bei Vereinen zu spielen, bei denen die Fans ein Gespür dafür haben, wie die Spieler ticken. In Trier ist mir dieses Gefühl leider abhanden gekommen.

5vier: Wie ist es zu erklären, dass die letzte Saison so aus dem Ruder gelaufen ist?

Drescher: Moment mal! Sportlich lief die Saison nicht schlecht. Die Hinrunde war super, wir haben eine sehr gute Rolle gespielt und waren nach dem Sieg in Lotte auf Schlagdistanz. Danach sind Fehler gemacht worden, die sich die Verantwortlichen ankreiden müssen und mit denen die Spieler nichts zu tun haben. Die Wintervorbereitung war schon im Jahr zuvor zu kurz und nicht gut durchplant. Die Mannschaft hat sich gewünscht, dass dann aus den Fehlern gelernt wird. Das ist nicht geschehen – und für mich ein Grund dafür, dass wir die ersten Spiele so verpennt haben und in der Meisterschaft nicht mehr zum Schlag kamen.

5vier: Es gibt aber auch Stimmen, die von einer schlechten Atmosphäre in der Mannschaft sprachen.

Drescher: Die Stimmung in der Mannschaft war gut. Ich weiß auch nicht, was da von außen rein getragen wurde. Wenn in einer Gruppe von 25 Leuten Gerüchte reingeworfen werden, ist es natürlich klar, dass das Unruhe reinbringt. Da sind Lügen aufgetaucht, die von den Verantwortlichen nie groß angesprochen und geklärt wurden. Das hat mir gezeigt, dass nie Wert drauf gelegt wurde, die Dinge aus der Welt zu bringen. Das finde ich schade.

5vier: Gibt es am Samstag einen Handschlag mit Trainer Roland Seitz?

Drescher: Unser Verhältnis war nicht schlecht. Wir haben als Mannschaft aber einen Fehler gemacht, den wir uns im Nachhinein eingestehen müssen. Nach dem Leverkusen-Spiel, als wir direkt in die Kabine gelaufen sind, hätten wir Stellung beziehen müssen. Dass wir uns nicht gefallen lassen, was der Trainer gesagt hat.

5vier: Woran haben Sie sich gestört?

Drescher: Was immer da von ihm über eine schlechte Einstellung der Mannschaft erzählt wurde, interessiert mich jetzt nicht mehr. Fakt ist, dass das Unwahrheiten waren.

Auch Roland Seitz wird von Drescher kritisiert. Foto: Anna Lena Grasmück

5vier: Trier hat sich langsam in der Spitzengruppe eingenistet. Wie bewerten Sie die bisherige Saison der Eintracht?Drescher: Sie sind nicht ganz so gut gestartet und haben sich zuletzt gefangen. Aber eigentlich verfolge ich das nicht.

5vier: Ist das Spiel am Samstag für Sie mit dem Gedanken verbunden, besonders Trier schlagen zu wollen?

Drescher: Ich gehe mit den Emotionen in das Spiel, dass ich mit Eschborn auf einem Abstiegsplatz stehe, mit dem Trainer und den Jungs hier mit aller Macht gewinnen will. Dazu will ich einen Teil beitragen. Ich bin bald 34 und muss niemanden aus Trier beweisen, was ich kann oder nicht kann. Das ist lächerlich.

5vier: Wie beurteilen Sie den Saisonverlauf mit Eschborn bislang?

Drescher: Die Anfangszeit war positiv, vielleicht wegen der Leichtigkeit nach dem Aufstieg. Danach haben wir einige unglückliche Punkte abgegeben. Es ist klar, dass eine unerfahrene Mannschaft erstmal dazulernen muss. Wenn wir aber die Fehler abstellen, haben wir das Zeug, mit jedem Gegner in der Liga mitzuhalten.

5vier: Was ist das Geheimnis, dass ein so kleiner Verein wie Eschborn überhaupt in der Regionalliga spielt?

Drescher: Einen großen Teil zum Erfolg trägt der Trainer bei – Sandro Schwarz. Er hat ein klares Konzept und eine klare Spielphilosophie, die er uns eingeimpft hat. Wir sind eine absolut verschworene Gemeinschaft. Es passt kein Blatt zwischen Trainer und Mannschaft.

5vier: In zwei Wochen werden Sie 34. Bauen Sie schon ein zweites Standbein neben dem Fußball auf?

Drescher: Ich absolviere eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Klar wäre es ein Traum, ein Leben lang weiter Fußball zu spielen, ich habe immer noch riesige Freude daran. Aber ewig kann auch ich das nicht machen.

5vier: Nach dem Spiel am Samstag gibt es im Januar noch ein weiteres Wiedersehen mit Eintracht Trier – vor Gericht. Sie und weitere Spieler klagen ausstehende Prämienzahlungen ein. Der Verein ist der Überzeugung, dass Ihnen keine Prämien mehr zustehen.

Drescher: Und wir sind der Meinung, dass sie uns noch zustehen. Die Höhe ist offen. Aber die Prämien wollen wir.

5vier: Vielen Dank für das Interview!

Zur Person

Thomas Drescher wurde am 24. November 1978 in Bad Nauheim geboren. Für den 1. FC Kaiserslautern kam der Linksverteidiger auf 18 Bundesligaspiele, bei Wacker Burghausen brachte er es dazu auf 64 Einsätze in der 2. Bundesliga. Für Eintracht Trier bestritt er vom Sommer 2010 bis 2012 insgesamt 62 Regionalligaspiele und gewann den Rheinlandpokal durch einen 2:0-Erfolg gegen Koblenz. Im Juli wechselte er zum Ligarivalen 1. FC Eschborn. In Hessen baut Drescher auch an einem beruflichen Standbein für die Zeit nach der Fußballkarriere. So absolviert er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann.

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Kommentare (8)

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  1. dirtpig sagt:

    drescher war letzte saison einer meiner favoriten-spieler. ich finde es schade das er gegangen ist! ich finde, bei aller liebe zum sve, es auch richtig, sein recht einzuklagen! allerdings kommt mir das interview hier grad mal so vor, als sei ein wütendes kind am werk.wenn man einen rechtsstreit in aussicht hat, sollte man „einfach mal die fresse halten“ denn wenn er ja angeblich keinen gedanken mehr an trier vergeudet, sprudelt dennoch jede antwort diesbezüglich aus ihm raus.

  2. fan sagt:

    sehe dass wie knut was den spieler drescher angeht,- ein verein sollte und muß seinen arbeitsrechtlichen pflichten nachkommen, das mit emotionen zu vermischen wie sve es tut finde ich persönlich dümmlich und bringt den verein nicht wirklich weiter

  3. Timo sagt:

    Man kann davon ausgehen, dass beide Seiten Fehler gemacht haben.
    Da muss ich mich dem Kommentar von Knut anschließen, die Eintracht hatte die letzten Regionalligajahre immer gute Mannschaften (besonders von den Namen her), doch eiert immer noch rum. Drescher beschreibt in seinem Interview, dass Verantwortliche Gerüchte und schlechte Stimmung verbreiteten.
    Dies kann mit ein Grund sein, warum die Eintracht immer noch da ist wo sie jetzt ist.
    egal welche Spielernamen in einer Mannschaft sind, ohne eine gute interne Stimmung kann man nichts erreichen.

  4. Paul sagt:

    Eigentlich hatte ich bei dem Namen Drescher in Verbindung mit Fußballspielen (bis auf wenige Spiele) immer gute Gedanken. Glaube ihm auch nicht, daß der nur schlechte Erinnerungen hat. Nur manchmal ist er mir durch sehr agressives Verhalten gegenüber Zuschauern und auch Gegenspielern aufgefallen. (Als Fußballspieler der jede Menge Bundesligaspiele gemacht hat benenne ich nicht in einem Testspiel gegen teilweise Kreisligaspieler diese mit übelsten Namen.)Leute auf der Haupttribüne muß man als Spieler auch nicht benennen. Da muß man drüberstehen und nach dem Spiel muß so was vergessen sein!!Eigentlich ist das Verhalten von ihm schade, denn als Fußballspieler fand ich ihn gut!!

  5. Triererjung sagt:

    Ich finde man sagt besser gar nichts wie als so einen Müll. Das hätte sich Drescher sparen können denn er stand ja anscheinend nicht umsonst in der Kritik. Man sieht hier auch wieder eindrucksvoll das die Meisten Fußball-Spieler nicht die Intelligenz gepachtet haben.

  6. knut sagt:

    drescher spricht hier schon paar richtige dinge an und für ihn spricht, dass er keine namen und details nennt um nachzutreten. zudem das er keine rachegelüste oder ähnliches hegt.

    wir sollten das nicht nur als groll eines ex-spielers abtun. es hat schon gründe warum der verein so abgestürtzt ist in den letzten jahren und weiter rumeiert.

    ich verstehe auch nicht warum das interview vor einem jahr im gegensatz zum jetzigen stehen soll. ich bin fan von eintracht trier und nicht der anwalt von drescher. nur zu glauben das alles toll bei uns ist und ex-spieler nur sch.. erzählen ist unsinnig.

  7. Bruno sagt:

    AUSZUG AUS EINEM INTERVIEW MIT THOMAS DRESCHER GENAU VOR EINEM JAHR:
    In Trier schlummert großes Potenzial”

    „Die Stimmung im Stadion ist absolut top.“
    Im Aufstiegsfalle gab Drescher gleich ein mutiges Versprechen ab. „Dann kommt mein Bart ab. Und der des Trainers auch.“ Die Chancen auf eine Rasur im Mai 2012 stehen für Thomas Kraus nicht schlecht. „Wir haben die meisten Fans und die beste Mannschaft der Liga. Natürlich setzen unsere Gegner jede Woche ihre Leistung dagegen. Aber ich will am Ende der Saison feiern.“ Sein Teamkollege nickte. „In Trier schlummert großes Potenzial, wenn man sich alleine die Trainingsbedingungen anguckt. Selbst in Kaiserslautern mussten wir oft fünf Kilometer fahren, um trainieren zu können. Hinter guten Zweitligisten muss sich die Eintracht nicht verstecken.“

    Auch die Fans sehen die Spieler als wichtigen Teil, um den großen Traum zu erfüllen. „Die Stimmung ist im Stadion absolut top, auch wenn von der Tribüne manchmal ein paar Sprüche kommen“, so Drescher. „Für uns Spieler ist es schön, wenn gerufen und gesungen wird. Das kann nur leistungsfördernd sein

  8. SVE sagt:

    wenn ein Spieler in der Öffentlichkeit solch Sachen von sich gibt wie sie hier geschrieben sind, sagt das so einiges aus über die Hilflosigkeit dieses Menschen.
    (…)Kein Zufall dass jetzt genau die Spieler ans Licht kommen die auch schon immer genannt worden!
    Zur richtigen Zeit wurden sie ausgetauscht bevor sie noch mehr kaputt gemacht hätten..
    NUR DER SVE

    Anm.d.Red.: Kommentar gekürzt

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