Kino: 50/50 – Freunde fürs (Über-)Leben – Krebsdrama mit viel Humor

Es gehört sicherlich viel Mut dazu, die Geschichte eines Krebskranken als Komödie zu erzählen und genau diese Gratwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und schwarzem Humor gelingt Regisseur Jonathan Levine in „50/50 – Freunde fürs (Über-)Leben“ bestens. 5vier.de-Redakteur Andreas Gniffke hat sich den Film im Trierer Broadway angesehen.

„Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich trenne den Müll“ – Adam Lerner (Joseph Gordon Levitt, (500) Days of Summer) fällt aus allen Wolken, als er erfährt, dass sich an seiner Wirbelsäule ein riesiger Tumor befindet. Überlebenschance 50/50. Auf einen Schlag ändert sich alles im Leben des jungen Radioreporters. Seine Umgebung nimmt ihn fast nur noch als bemitleidenswerten Patienten wahr, lediglich sein bester Freund Kyle (Seth Rogen, Zack and Miri Make a Porno), ein prolliger Aufreißer, nimmt ihn weiter, wie er ist. Mit einer Ausnahme, denn er erkennt das Potenzial, mit Adams Mitleidsmasche Frauen rumzukriegen. Adam ist zunächst skeptisch („Ich sehe aus wie Voldemort!“), doch nach etwas Übung klappt die Masche tatsächlich. Das klingt makaber, ist aber in Wahrheit die Geschichte einer berührenden Männerfreundschaft, denn bei allem Wahnsinn ist es Kyle, der wie ein Fels in der Brandung hinter Adam steht. Seine Freundin hintergeht ihn und macht Adam bzw. seine Krankheit sogar noch dafür verantwortlich. Immerhin hat sie ihm vorher noch einen Hund besorgt. Seine Mutter (gespielt von Anjelica Huston) reagiert mit fast schon hysterischer Mutterliebe. Adams Umgebung ist, abgesehen von Kyle, mit der Situation heillos überfordert, professionelle Hilfe hofft er bei der Therapeutin Katherine (Anna Kendrick, sehr nervig synchronisiert) zu finden, die überraschenderweise sehr jung, sehr attraktiv und sehr schusselig ist. Der Zuschauer ahnt vom ersten Moment an, dass diese Begegnung nicht folgenlos bleiben kann.

Hinter der Tragikomödie steckt tatsächlich eine wahre Geschichte. Die Produzenten Seth Rogen und Evan Goldberg arbeiteten in Sacha Baron Cohens „Da Ali G Show“ mit Will Reiser zusammen, der ihnen schließlich seine Krebserkrankung offenbarte. Sie ermunterten ihn, seine Geschichte zu Papier zu bringen und am Ende stand das Drehbuch zu 50/50. Herausgekommen ist ein berührender Film, der die an jeder Ecke lauernden Kitschfallen durch manchmal brachialen Humor umschifft und dem mitleidenden Zuschauer durch Lachen Erleichterung verschafft. Dabei werden die durchaus unschönen Begleiterscheinungen der Krankheit nicht ausgespart. Die Nebenwirkungen der Chemotherapie, die Todesangst, all das ist präsent, aber eben eine Realität, mit der sich Adam auseinandersetzen muss.

Lediglich die Charaktere wirken manchmal etwas arg eindimensional. Adams Freundin Rachael ist eben nur oberflächlich (und dazu auch noch sexuell wenig aufgeschlossen), Kyle bis auf wenige Momente, in denen man hinter die Kulisse blicken kann, nur kumpelhaft-prollig und Adams Mutter sowieso eine Nervensäge, die es aber eigentlich nur gut meint. Das ist alles manchmal einen Tick zu überzeichnet. Dennoch schaffen es die Schauspieler, allen voran Joseph Gordon-Levitt, die Geschichte glaubwürdig zu machen. Man nimmt Adam ab, dass es ihm häufig besser zu gehen scheint als seinen aufgelösten Mitmenschen, auch wenn dies dem Einfluss von Haschkeksen während der Chemotherapie zuzuschreiben ist. Die zarten Bande zwischen Adam und Katherine, zunächst noch durch die Fesseln eines Arzt-Patienten-Verhältnisses unterdrückt, werden liebevoll gewoben und einen Freund wie Kyle wünscht sich bestimmt jeder Mann an seiner Seite.

Fazit: Das Experiment, ein ernstes Thema als Komödie zu inszenieren, ist Jonathan Levine geglückt. Entstanden ist ein berührender Film, bei dem man trotz aller Tragik mehrfach herzhaft lachen kann. Eine 5vier.de-Empfehlung!

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