„Cloud Atlas“ – Ein Bilderepos mit Überlänge

Alles ist verbunden – Dieser Prämisse folgt der gesamte Film. Oder sollte man eher sagen folgen die Filme? Cloud Atlas versuchte sich an einem weiteren angeblich unverfilmbaren Buch. Sechs Episoden in rund drei Stunden Filmzeit erzählen die Geschichte von ewiger Liebe, Schicksal und der Unendlichkeit des Lebens. 5vier-Mitarbeiter Daniel Sandbühler hat sich im Trierer Broadway Filmtheater mit Cloud Atlas auf die Reise durch Raum und Zeit begeben.

Cloud Atlas trägt den Zuschauer vom 19. Jahrhundert bis zu einer unbestimmten Zukunft. 1849 im Südpazifik: Der Anwalt Adam Ewing gerät an einen Quacksalber, der nur hinter seinem Geld her ist und ihn deshalb langsam vergiftet. 1936 im englischen Cambridge: Der junge Musiker Robert Frobisher wird Assistent beim Komponisten Ayrs, um seinem Traum vom musikalischen Rum nachzugehen. 1973 San Francisco: Die Journalistin Luisa Rey legt sich mit dem korrupten Betreiber Hooks eines Kernkraftwerkes an. Schon bald steht sie auf der Abschussliste eines Auftragskillers. 2012 in Großbritannien: Der Buchverleger Cavendish gerät nach einem zufälligen Bucherfolg an die falschen Leute. Als er bei seinem Bruder Hilfe sucht, quartiert der ihn kurzerhand auf Lebenszeit in einem Altersheim ein. 2144 in Neo Seoul: Sklavenarbeiterin Sonmi-451 entdeckt durch die Hilfe des Regimerebellens Hae-Joo Chang die grausamen Schattenseiten der hypermodernen Zukunftswelt. Die Inseln Hawaiis im postapokalyptischen 24. Jahrhundert: Ziegenhirte Zachary trifft auf die Forscherin Meronym der sogenannten Precients. Zusammen suchen sie nach dem Geheimnis, das sich auf der Spitze eines verbotenen Berges befinden soll.

Ein dreistündiger Kinoabend mit beeindruckenden Bildern

In Cloud Atlas steckt viel Story. Zu viel, um die sechs Erzählstränge für diesen Artikel überhaupt in größerem Detail wiederzugeben. Der Film hat keinerlei Probleme damit einen dreistündigen Kinoabend zu füllen – macht aber auch nichts, denn während des Films merkt man kaum etwas von der Überlänge. Die einzelnen Geschichten wurden dabei nicht chronologisch angeordnet, sondern wechseln sich stetig miteinander ab. So springt die Erzählung vom Bord eines Schiffes im 19. Jahrhundert zu den luftigen Wolkenkratzern einer Megametropole des Jahres 2144. Leider ist innerhalb der wilden „Geschichtenspringerei“ im ersten Moment kein klares Muster zu erkennen, zu gering sind doch stellenweise die Hinweise auf das werkumspannende Credo, dass alles mit allem über die Zeiten hinweg verbunden sei.

Trotzdem versteht man, worum es geht und der Film zieht einen von Anfang an vor allem durch seine Bildgewalt in seinen Bann. Denn an visueller Opulenz wurde in keinster Weise gespart. Besonders die gelungenen Verwandlungen der Schauspieler geben dem Film einen besonderen Touch. Die Besetzungen in den jeweiligen Geschichten sind nämlich fast immer die gleichen, die Reihe an Schauspielern lässt sich auf eine kleine Handvoll reduzieren.

Mehr Details, mehr Geschichte, mehr Zeit.

Leider hat Cloud Atlas ein Problem – das Medium Film. Was als Buch noch wunderbar funktionieren mag, stößt bei der filmischen Umsetzung bald an seine Grenzen. Zwar technisch und schauspielerisch einwandfrei, wirken die Erzählstränge oft abgehackt oder zu kurz geraten. Viele davon hätten genügend Potenzial, um daraus eigenständige Filme zu machen. Jede Episode auf ca. 30 Minuten herunterzukürzen war wohl eine notwendige Entscheidung des Regiegespanns Tykwer/Geschwister Wachowski und lässt den Zuschauer oft nach mehr verlangen. Mehr Details, mehr Geschichte, mehr Zeit. Darüber hinaus gerät auch das Hauptthema etwas in den Hintergrund. Oft scheint die Aussage des Films einfach nur an die Storys der einzelnen Teile angeheftet, aber nicht direkt Teil davon zu sein. Das Gesamtwerk wirkt stellenweise eher wie ein Sammelsurium an Filmschnippseln und weniger wie eine einheitliche Erzählung.

Fazit

Nichtsdestotrotz macht Cloud Atlas irgendwie Spaß. Am Ende verlässt man das Kino mit einem guten Gefühl im Bauch, dem etwas überbordenden Pathos zum Schluss sei Dank. Der Film unterhält, hat eigentlich etwas für alle Geschmäcker mit dabei und lässt kein Genre aus. Bleibt er hinter den Erwartungen zurück? Vielleicht, wenn man ein gewaltiges Epos inklusive tiefgründiger Message sehen wollte. Wer auf ein schönes Filmerlebnis aus ist, sollte sich Cloud Atlas durchaus ansehen. Man muss den Film nicht „verstehen“ – einfach genießen, das reicht.

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Cloud Atlas läuft seit dem 15. November im CinemaxX und Broadway.

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