Kino: „Das Bourne Vermächtnis“ – Nummer Fünf lebt

Seit gestern läuft nun der vierte Teil der Bourne-Trilogie in den Trierer Kinos. Vierter Teil der Trilogie? Andreas Gniffke ging dem Mysterium im Cinemaxx auf den Grund.

Nicht überall, wo Bourne draufsteht, ist tatsächlich Bourne drin. Die eigentlich abgeschlossene Trilogie mit Matt Damon als Agent Jason Bourne war derartig erfolgreich, dass ein Nachfolger allein aus wirtschaftlicher Hinsicht nahezu zwingend notwendig war. Allerdings unter komplett veränderten Voraussetzungen. Regisseur Paul Greengrass sprang ab und lästerte fleißig gegen das Sequel. Und auch Matt Damon stand nicht für die Fortsetzung bereit, Jason Bourne schwebt als vermisster CIA-Agent nebulös im Film herum. Gebraucht hätte man ihn eigentlich nicht.

Denn als Actionfilm funktioniert „Das Bourne Vermächtnis“ auch ohne die erfolgsversprechende Hülle. Bournes Abenteuer stürzten die CIA in eine existenzbedrohende Krise. Zur Wahrung des schönen Scheins sollen nun alle Mitglieder der Geheimprogramme, an denen Bourne beteiligt war, eliminiert werden. Einer nach dem anderen wird vergiftet, lediglich Aaron Cross, Agent Nummer Fünf, gespielt von Action-Shootingstar Jeremy Renner, schafft es, die Angriffe abzuwehren. Und das durchaus spektakulär.

Zu Beginn sehen wir ihn in der atemberaubenden Naturlandschaft Alaskas, wo er anlässlich eines Trainingsprogramms eine Schnitzeljagd durchführen soll. Dabei wirkt er wie ein gedopter Reinhold Messner und tatsächlich sind die Agenten auf Pillen angewiesen, die ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zwar steigern, sie aber massiv abhängig und damit gut steuerbar machen. Die Mission in Alaska erweist sich als Falle, Cross schafft es aber, heimtückische Drohnenangriffe abzuwehren und nebenbei noch den Ringkampf gegen blutdurstige Wölfe zu gewinnen. Ein Held aus dem Bilderbuch.

Immerhin gilt Cross nach der Raketenattacke der Drohnen als tot und er kann sich daran machen, den Hintergründen auf die Spur zu kommen. Denn angeleitet vom kaltblütigen, allerdings etwas arg blutleeren CIA-Großhirn Eric Byer, gespielt von Edward Norton, setzt sich die Hatz auf Cross gnadenlos fort. Begleitet wird er dabei von der ansehnlichen Wissenschaftlerin Marta Shearing (Rachel Weisz), die als Angehörige des medizinischen Teils der Programme ebenfalls auf der Abschussliste steht, Cross aber auch aus seiner Abhängigkeit befreien kann. Die Flucht führt die beiden schließlich nach Manila, wo am Ende in einer ermüdend langen Verfolgungsjagd der Film seinen Höhepunkt erreichen soll.

Regisseur Tony Gilroy ist im Bourne-Universum derweil kein Unbekannter, denn er schrieb die Drehbücher der drei ersten Teile. Nun hat er also auf dem Regiestuhl die volle Verantwortung und macht seine Sache durchaus solide. Das Bourne Vermächtnis wirkt wie ein Actionfilm vom Reißbrett, nichts vermag einen irgendwie zu überraschen. Auch Jeremy Renner macht keine schlechte Figur als gehetzter Agent auf Entzug, besonders nahe kommt man der Figur aber nicht. Man bekommt den Eindruck, dass die Bürde des Bourne-Erbes dem Film mehr schadet als nutzt. Freunde des Actionkinos dürften aber dennoch auf ihre Kosten kommen.

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