Kino ist ein steter Kampf

Unabhängige Kinos gehören zu einer vom Aussterben bedrohten Art. 5vier.de besucht das Broadway und spricht mit seinem Betreiber Dirk Ziesenhenne.

Fassade des Broadway

Kult und Arthouse - das Broadway in Trier

Trier. Das Broadway in der Paulinstraße ist den meisten Trierern wohl bekannt. Es ist neben dem Cinemaxx das einzige Kino, welches die letzten Jahre überlebt hat. Dirk Ziesenhenne trägt schon seit 1988 die großen Leinwandgefühle zum Trierer Publikum; erst mit dem inzwischen geschlossenen Atrium, seit 1994 dann in den Hallen des Broadways.

Harte Zeiten und ein gutes Konzept

„Es sind insgesamt schwere Zeiten für das Kinogeschäft“, erklärt Ziesenhenne, „Aber in den letzten Jahren hat sich die Lage auf einem insgesamt etwas niedrigerem Niveau stabilisiert.“ Für ein unabhängiges Kino ist das Leben trotzdem nicht einfach. Die ständige Konkurrenz durch die großen Cineplexbetreiber und das Internet ist allzeit präsent. „In den letzten acht Jahren gab es drei Jahre, die wirklich kritisch waren, aber nun halten wir uns mit unserem Konzept sehr gut“, so Ziesenhenne.

Das Broadway setzt vor allem auf Publikumsnähe und Flexibilität. Im Gegensatz zu den oft steril auftretenden großen Kinoketten trifft man im Familienbetrieb Broadway auf kollegiale Mitarbeiter, die ihre Liebe zum Film an ihre Gäste weitergeben wollen. „Wir suchen den Dialog mit dem Publikum und lassen uns auch schon mal auf die ein oder andere Diskussion ein. Kino zu machen ist eben ein steter Kampf an allen Fronten.“

Arthouse und Kultfilme

Theke des Braodway

Mehr als nur Popcorn - die Theke im Broadway

Die Programmauswahl ist ein weiterer Punkt, in dem das Broadway seinen eigenen Weg geht. Auf fünf Leinwänden kann man Blockbuster mit Kultcharakter und vor allem Arthouse-Filme erleben. „Wir suchen nach Filmen, die Geschichten erzählen. Aus dem Actiongenre haben wir uns fast vollständig verabschiedet. Aber selbst mit diesem eigenständigen Programm gibt es immer wieder Probleme. „Eine Kopie eines bestimmten Films zu bekommen kann sehr schwierig sein. Gerade die Arthouse-Filme kommen oft nur mit wenigen Kopien auf den Markt, da ist es oft sehr schwer, sich eine davon für eine so kleine Stadt wie Trier zu sichern“, erklärt Ziesenhenne. Ein anderes Problem entsteht auch durch die Nähe zum Cineplex. So war die Antwort des Verleihs auf die Anfrage nach einer Kopie von Robert Rodrigez’ „Machete“ schlichtweg: „Der läuft im Cinemaxx.“

Digitalisierung und die schnelle Welt

Dirk Ziesenhenne hat wenig Angst vor der Zukunft – im Gegenteil: „Die Digitalisierung könnte ein echter Segen für die kleinen Kinos sein. Digitale Kopien sind sehr viel einfacher herzustellen, so dass sich die Filmversorgung deutlich verbessern könnte.“ Das Broadway könnte so sein Angebot noch erweitern und damit dem Zeitgeist gerecht werden. „Die Zahl der angebotenen Filme steigt beständig, es gibt inzwischen unzählige Angebote aus allen möglichen Ländern – und von sehr unterschiedlicher Qualität.“ Der Kinogänger ist auf der einen Seite die große Vielfalt der letzte Jahre gewohnt, auf der anderen Seite oft auch davon überfordert. „Der ständig wachsende Alltagsdruck hat zu einer Veränderung der Wahrnehmung von Freizeit geführt. Die Menschen haben trotz des großen Angebotes an Filmen sehr viel weniger Zeit für Kinofilme und andere Aktivitäten.“ Wenn das Kino überleben will, so muss es einen anderen Weg gehen.

Gestern Kino, morgen Event

Dirk Ziesenhenne

Ein Mann und sein Kino - Dirk Ziesenhenne im Broadway Kinosaal 1

Das Broadway hat seinen Weg in die Zukunft des Kinos bereits mit großen Schritten in Angriff genommen. „Kino ist sozial. Wer einfach nur die Gäste abfertigt, der macht es falsch“, meint Ziesenhenne, „Ob Diskussion, Weinprobe oder 3D, das Kino muss mehr bieten, als nur einen Film. Der Kinoabend wird so zum gesellschaftlichen Event.“ Auch eine Nutzung der Räumlichkeiten durch Dritte ist eine Einnahmequelle für kleine Kinos. Das Broadway vermietet seine Kinosäle für Firmenpräsentationen, Schulvorführungen oder andere Veranstaltungen – und bringt das Kino so noch näher an sein Publikum.

Davor, dass das Kino in Zukunft irgendwann ganz verschwindet hat Ziesenhenne keine Angst. „Homecinema wird einen Kinogang nie ganz ersetzen können. Es ist kein Zufall, dass viele Technikanbieter noch immer damit werben, ein Erlebnis wie im Kino bieten zu können. Aber die Erfahrung, einen Film mit vielen Menschen im einem Saal zu erleben, das kann man nicht ersetzen.“

Das Broadway fesselt mit knapp 300 Filmen und einem vielseitigen Rahmenprogramm jährlich zwischen 90.000 und 120.000 Besucher an die Kinositze. Wer mehr Infos zu den Veranstaltungen sucht, der kann einfach die Homepage des Broadway Trier besuchen.

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Kommentare (1)

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  1. Claas sagt:

    Das Broadway ist einfach genial, mal was anderes als Massenware vom Riesenanbieter.

    Also, Broadwaycrew, falls ihr hiermal reinschaut: ich bleib euch treu!

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