„Silver Linings“ – Wie lustig sind Psychopharmaka?

In „Silver Linings“ kann der Zuschauer Bradley Cooper einmal so ganz ohne alkoholbedingten Hangover erleben und er macht an der Seite der bezaubernden Jennifer Lawrence nicht nur optisch eine ausgezeichnete Figur. 5vier-Redakteur Andreas Gniffke hat sich die Tragikomödie im Trierer CinemaxX angesehen.

Der Plot kommt einem auf den ersten Blick sehr bekannt vor. Zwei wunderschöne Menschen haben traumatische Schicksalsschläge zu verarbeiten und das Leid führt beide zusammen. Natürlich funkt es nicht sogleich, doch am Ende bestreiten beide gemeinsam einen Tanzwettbewerb und sie erkennen, dass sie füreinander bestimmt sind. Und alles wird gut.

So weit, so würg. Doch „Silver Lining“ ist anders. Pat (Bradley Cooper) rastet völlig aus, als er seine Frau mit einem glatzköpfigen Geschichtslehrer unter der Dusche erwischt, und er prügelt den Ehebrecher ins Krankenhaus. Pat wird daraufhin in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, wo eine bipolare Störung diagnostiziert wird. Schließlich forciert seine fürsorgliche Mutter (Jacki Weaver) seine Entlassung, doch Pat ist weit von der vollständigen Genesung entfernt und darf sich seiner Ehefrau aufgrund einer gerichtlichen Verfügung nicht nähern.

Bei einem Abendessen trifft er die zynische und verbitterte Tiffany (Jennifer Lawrence, „Die Tribute von Panem“) und beide tauschen sich angeregt über ihre jeweiligen Erfahrungen mit diversen Psychopharmaka aus, denn auch Tiffany hat ein Trauma zu überwinden. Ihr Ehemann starb bei einem Unfall und die aus der Spur geworfene junge Frau verlor zu allem Überfluss noch ihren Job, als sie in einem erotischen Amoklauf mit allen Kollegen schlief.

Pat tut alles, um seine Frau zurückzuerobern. Auch wenn es aufgrund seiner unkontrollierbaren Ausbrüche immer wieder zu mehr oder weniger gewalttätigen Zwischenfällen kommt, lässt er sich nicht beirren, bringt seinen Körper in Form und bewältigt das Lesepensum, das seine Frau als Lehrerin ihren Schülern vermittelt. Nun gehört Bradley Cooper sicherlich zu den Schauspielern, die auch gut aussehen, wenn sie beim Joggen in eine Mülltüte gehüllt sind („Wegen des Schwitzens“). Doch dass der „Sexiest Man Alive 2011“ weit mehr kann als gut aussehen und im Delirium durch Las Vegas und Asien zu taumeln, wie in den beiden „Hangover“-Filmen bis an die Schmerzgrenze zelebriert, darf er nun beweisen. Er wirkt in Verzweiflung und bei seinen Ausbrüchen authentisch und wird dabei noch von seiner Partnerin Jennifer Lawrence übertroffen, die für ihre Verkörperung der Tiffany bereits als Oscar-Kandidatin gehandelt wird. In ihren dunklen Augen funkelt der Wahnsinn, mal wirkt sie zum Fürchten unheimlich, mal so zerbrechlich, dass man sie gerne in den Arm nehmen würde. Neben der Intensität der beiden Hauptdarsteller muss selbst Robert De Niro zurückstecken, der als Pats neurotischer Vater ebenfalls reichlich verschroben ist und seine Privatinsolvenz nun durch Sportwetten kompensieren will. Pats aufbrausendes Wesen scheint durchaus genetisch bedingt zu sein, denn sein Vater wurde nach Gewaltausbrüchen mit einem lebenslangen Stadionverbot bei seinem Lieblings-Footballclub belegt.

Und das alles soll lustig sein? Ja, wenn auch nicht ausschließlich. Im Gegensatz zu den oft seicht dahinfließenden romantischen Komödien von der Hollywood-Stange, zieht „Silver Linings“ seine Kraft aus dem Nebeneinander von Ernsthaftigkeit und Humor. Er nimmt seine Figuren mit all ihren Schwächen ernst und bricht die tragische Geschichte mit subtilem Humor. Regisseur David O. Russell („The Fighter“, „Three Kings“) gelingt mit der Verfilmung des Romans von Matthew Quick diese schwierige Gratwanderung, und das, ohne allzu tief in die Kitschfalle zu tappen. Wobei eins klar wird: Man sollte auf die Silver Linings, also die Silberstreifen am Horizont achten, denn Hoffnung gibt es selbst in der tiefsten Hoffnungslosigkeit!

„Silver Linings“ läuft in Trier im CinemaxX und im Broadway.

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