Kino: Ted – Ein Bär wie du und ich

Es gibt sicherlich einige Erwachsene, die auch noch in fortgeschrittenem Alter mit ihrem Kuscheltier zusammenleben. Doch in den seltensten Fällen entpuppt sich der Teddybär dabei als derber Kumpeltyp mit einem Hang zu Alkohol, Gras und leichten Mädchen. In Seth MacFarlanes Komödie “Ted”, die in dieser Woche in den Kinos angelaufen ist, muss sich Mark Wahlberg zwischen seinem treuen Weggefährten und seiner großen Liebe entscheiden. 5vier.de-Redakteur Andreas Gniffke hat sich den Film im Trierer Cinemaxx angeschaut!

Merkwürdige Familienkonstellationen sind Seth MacFarlanes Spezialgebiet. Bereits in seinen Zeichentrickserien “Family Guy” und “American Dad” machte er sich über den alltäglichen Wahnsinn des amerikanischen Mittelstands lustig und auch in seinem aktuellen Kinohit “Ted” ist alles etwas anders als gewohnt.

Es ist ein Schwur fürs Leben. Der kleine John ist ein Außenseiter, der noch nicht einmal als Prügelknabe für die Jungs der Nachbarschaft taugt und in der Hierarchie damit noch weit unter dem jüdischen Jungen steht, der regelmäßig eine Abreibung kassiert. John wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sein geliebter Teddy zu einem echten Freund werden könnte, der mehr als nur “I love you” sagen kann, wenn man seinen Bauch drückt. Der Wunsch geht tatsächlich in Erfüllung und die Freundschaft zwischen John und Ted bleibt im Laufe der Jahre unverändert bestehen, bis eine Frau in das Leben der beiden Buddies tritt. Zwar hat die süße Lori (Mila Kunis, Die wilden Siebziger, Black Swan) die plüschige Konkurrenz trotz aller Eskapaden mit bewundernswerter Geduld bereits vier Jahre ertragen, doch als sie John heiraten will, muss der sich zwischen Bär und Freundin entscheiden. Eine schwierige Situation für alle Beteiligten.

Der Film mit dem knuddeligen aber verdorbenen Hauptdarsteller ist bislang ein riesiger Erfolg. Der prollige Bär scheint ein echter Publikumsliebling zu sein. Allein in den USA spielte Ted bereits fast 200 Millionen Dollar ein, obwohl der Film mit einem R-Rating versehen ist, was bedeutet, dass Jugendliche unter 17 Jahren den Film nur in Begleitung von Erwachsenen sehen können. Und die strenge Altersfreigabe ist nicht ganz unberechtigt, denn es geht derbe zu und Ted ist alles andere als kindgerecht. Da erleichtern sich Prostituierte auf dem Wohnzimmerteppich und Ted vernascht die dralle Supermarktkassiererin auf dem Gemüse in der Lagerhalle. Immerhin wird er befördert, nachdem er Kartoffelsalat von ihrem Gesäß gegessen hat. So einen Chef wünscht man sich! Alles ist garniert mit vielen deftigen Sprüchen auf den nicht vorhandenen Lippen. Wer Seth MacFarlanes Trickserien kennt, dürfte sich auch nicht wundern, dass munter Witze über Behinderte, Ausländer und Homosexuelle gemacht werden. Geschmacklos sagen die einen, befreiend die anderen. Böse ist es auf alle Fälle.

Der Film lebt vor allem von seinem wunderbar animierten Hauptdarsteller, aber auch Mark Wahlberg spielt seine Rolle herrlich selbstironisch und bei Mila Kunis fragt man sich sowieso, warum Ashton Kutcher so viele Jahre gebraucht hat, bis er erkannte, wie wundervoll sie ist. Auch wenn erst sie das enge Verhältnis zwischen John und seinem Freund ins Ungleichgewicht bringt, denn sie fordert, dass der Mittdreißiger endlich erwachsen werden muss. Abkehr vom Bären inklusive. Um dies zu ändern, muss wahrlich Dramatisches passieren, und spätestens dann dürften sensible Kinder nachhaltig traumatisiert werden. Aber Ted ist zäh und auch nur ein Mensch, aber ein besonders süßer!

Fazit: Ein Film, der auf alle Fälle polarisiert. Die einen hauen sich ob des derben Humors vor Begeisterung auf die Schenkel, andere dürften angewidert den Blick von der Leinwand wenden. Oft ist es auch eine Mischung aus beidem. Aber trotz allem trägt die verrückte Grundidee dank unzähliger bizarrer Einfälle und zum Teil wahnsinnig witziger Dialoge den ganzen Film hinweg, ohne dass es zu größeren Längen kommt. Ein großer Spaß, aber ganz sicher keiner für die ganze Familie.

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