„To Rome with Love“ – Woody Allen verzettelt sich in der ewigen Stadt

Liest man die Kritiken zu Woody Allens aktuellem Film „To Rome with Love“, wird schnell deutlich, dass sich wenig geändert hat. Allen polarisiert wie eh und je, vom üblen Verriss bis zur Hymne ist nahezu alles vertreten. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich eher in der Mitte, denn was das Regiegenie hier vorlegt, ist allenfalls ein Durchschnitts-Allen. Doch sein guter Ruf ist ungebrochen, 5vier-Redakteur Andreas Gniffke hat sich den Film im sehr gut besuchten Trierer Broadway angesehen.

Woody Allen arbeitet sich an Europa ab. Im wundervollen „Vicky, Cristina, Barcelona“ und in „Midnight in Paris“ setzte er auch den Handlungsorten ein filmisches Denkmal. Und nun Rom. Die ewige Stadt begegnet uns hier als Postkartenidyll, die Kamera kann sich nicht sattsehen an den weltberühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das ganze wird untermalt mit einem schrecklichen Klischee-Soundtrack, der teilweise auch gut in einem billigen 80er-Jahre Softerotikstreifen aufgehoben gewesen wäre.

Erzählt werden gleich mehrere Geschichten, als ob der Regisseur einer einzigen Idee nicht zugetraut hätte, den ganzen Film zu tragen. Allen selbst spielt den amerikanischen Musikexperten Jerry, der voller Vorurteile mit seiner Frau (Judy David) nach Rom reisen muss, weil seine Tochter (Alison Pill) sich auf einer Europareise ausgerechnet in einen vermeintlich kommunistischen Italiener namens Michelangelo verliebt hat. Sich selbst hat der mittlerweile 76-jährige die witzigsten Dialoge auf den Leib geschrieben, der „Clash of the Cultures“ zwischen den beiden Familien gehört zu den besten Stellen des Films. Schnell erkennt er das musikalische Talent des Familienoberhaupts (gespielt vom Tenor Fabio Armiliato), das sich leider nur unter der Dusche entfaltet. Die Lösung ist schnell gefunden und auf den Bühnen werden kurzerhand Duschen in die Inszenierung eingebaut und die Zuschauer müssen sich an einen Sänger gewöhnen, der maximal mit einem Handtuch bekleidet ist.

Eine zweite Geschichte führt einen in die Jahre gekommenen Architekten John (Alec Baldwin) zurück in die Stadt, in der er seine Jugend verbracht hat. Dort begegnet er seinem jüngeren Ich und berät den in Liebesdingen leicht dämlichen Jack (Jesse Eisenberg) bei seinem Spagat zwischen zwei Frauen. Denn obwohl er in einer glücklichen Beziehung lebt, läuft er ins offene Messer einer berechnenden Kindfrau (Ellen Page), die ihn mit plumpen Verführungstricks um den Finger wickelt.

Überhaupt die Liebe. Unter ihrem Einfluss wird die Vernunft über den Haufen geworfen und aus Mann wie Frau werden triebhafte Wesen. Auch in der dritten Geschichte sorgt dies für Verwicklungen, als ein junges, kreuzbraves Ehepaar vom Lande zu den Flitterwochen und zur Anbahnung einer möglichen Anstellung in die große Stadt kommt. Dort geht dann alles schief. Milly (Alessandra Mastronardi) verläuft sich und im Hotelzimmer des wartenden Antonio (Alessandro Tiberi) platzt die Sünde in Person der Prostituierte Anna, gespielt von der wie immer atemberaubend schönen Penélope Cruz. Die muss sich nun trotz ihres nicht immer einwandfreien Benehmens als Antonios Frau ausgeben, während Milly in die Fänge eines schmierigen Schauspielers gerät.

Alle Geschichten werden nicht nacheinander erzählt, sondern sind ineinander gemischt, ohne dass es eine innere Verbindung gibt. Das fällt besonders bei der vierten Episode auf. Roberto Benigni spielt dort einen biederen Bürohengst, der über Nacht und ohne ersichtlichen Grund zu einer Berühmtheit wird. Paparazzi und Dates mit Models inklusive. Was wohl eine Medienkritik sein soll, wirkt belanglos und fehl am Platze.

Fazit

Woody Allen lässt ein beeindruckendes Starensemble aufmarschieren und lässt dieses mit einem schwachen Drehbuch im Regen stehen. So sehr sie sich auch mühen, die Figuren bleiben hölzern und eindimensional, die Handlung eine Aneinanderreihung von Klischees. Dass der Film kein völliges Desaster geworden ist, liegt an einigen, leider wenigen guten Ideen, und dem ein oder anderen zündenden Dialog. Für die zahlreichen Fans des Regisseurs dürfte es dennoch einiges zu Lachen geben, auch wenn viele der gewohnt scharfzüngigen Dialoge nicht so recht zünden wollen.

“To Rome with Love” läuft im Trierer Broadway.

To Rome with Love, USA/Italien 2012, 112 Minuten
Regie und Buch: Woody Allen. 
Darsteller: Woody Allen, Judy Davis, Penélope Cruz, Jesse Eisenberg, Alec Baldwin

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