Köbis Rückpass: Die Geschichtchen zum Spiel SVE – FCH

Von Martin Köbler

Ein Raunen geht durch das VIP-Zelt, leises Kichern mischt sich unter den verdutzten Blick des Stadionsprechers Peter Pries, fast jeder dreht sich zu der Quelle dessen um, die das „Wort mit A“ lauthals in der Endphase der Pressekonferenz hereingerufen hat. Es ist die Fragerunde der Journalisten der lokalen Presse – wie Cheftrainer Roland Seitz die Leistung Thomas Kempnys beurteilt, wollen sie wissen. Wie das Duo Lukas Mößner und Thomas Kraus in den Augen des Übungsleiters funktioniert hat. Und dann, als Peter Pries gerade die Stimme erheben will, um die Endresultate der übrigen Begegnungen bekanntzugeben, taucht das Wort dann doch auf. „Nach dem Aufstieg fragen…!!!“ – da ist es also raus. Dieses Wort, das bei jedem auch nur annäherungsweise verbundenen Anhänger dieses Sports elektrisierende Wirkung entfaltet, es hallt aus der hinteren Ecke vorbei über die Sponsoren, die Gönner und die Fans der Eintracht hin zum Podium, auf dem ein zerknautschter Alfred Kaminski soeben die in seinen Augen gar nicht so verdiente Niederlage seines FC 08 Homburg schönzureden versucht hat. Reaktion beim Trainer? Keine. Einzig Peter Pries geht auf dieses wohlgehütete Sakrileg ein.

Foto: 2.542 Köpfe – und das „Wort mit A“ irgendwo im Dämmerschlaf?

„Also…“, versucht er die Situation zu retten, „… wir haben ja bald erst den 11.11. – dementsprechend ist es noch keine Zeit für Karneval“, bügelt der Trierer Karnevalsmeister jegliche eventuell aufkeimende Diskussion gerade.
Nun, das mag rein kalendarisch stimmen – doch allzu fern ist dieser „Karneval“ bekanntlich nicht mehr. So verkommt es an dieser Stelle fast zur Ironie in sich, die Geschichte des uns heute bekannten Karnevals aufzurollen. Historiker weltweit sind sich unstreitig darüber einig, dass der Vorläufer der närrischen Zeit vor etwa fünf Jahrtausenden in Babylon gefeiert wurde – eine dort ausgegrabene Inschrift besagt: „Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite“ – will heißen: soziale Strukturen werden ausgeschaltet, es gibt kein „Oben“ in der Hierarchie – weil es als Umkehrschluss auch kein „Unten“ gibt.
Oben und Unten? Da war doch was? Ach ja. Eintracht Trier. 29 Punkte nach 34 Spielen 2009/2010. Tabellenletzter. Unten. 28 Punkte nach dreizehn Spielen 2010/2011. Spitzenreiter. Oben. Egal, wie die Saison auch endet – eine weitere Funktion des üblichen „Karnevals“ hat die Eintracht wohl schon längst eindrucksvoll bewiesen: Die bösen Geister, sie sind ausgetrieben.

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Eintracht Trier gegen den FC 08 Homburg 3:1 (2:0). Zwei Platzverweise für die Gäste aus dem Saarland. Klingelt es? Genau! Es ist gerade einmal zwei Jahre her, da gab es an exakt der gleichen Stelle eben genau dieses Ergebnis. Kevin Lacroix brachte damals die Eintracht in der 33. Minute in Führung, nachdem Homburgs Rein nur zwei Minuten später mit einer roten Karte des Feldes verwiesen worden ist. Noch vor der Pause gelang Holm Hentschke das 2:0, in dessen Anschluss Torwart Hodel ebenfalls frühzeitig zum Duschen musste. Damals dauerte es bis zur 71. Minute, ehe Thorsten Wittek endgültig für die Entscheidung sorgte  – das 1:3 durch Seibert war damals nur Ergebniskorrektur und hatte – gottlob! – keine negativen Auswirkungen mehr auf das Torverhältnis. Diese Saison 2007/2008 war im Übrigen auch die Letzte, in der der Eintracht fünf Siege in Folge gelangen – und zwar gleich zu Beginn: TuS Mayen (3:0), SC Hauenstein (2:1), FV 07 Engers (2:1), SC Idar-Oberstein (1:0) und der SV Rossbach (2:0) waren bei damals sogar acht Siegen in Folge keine Gradmesser für die Mannschaft von Werner Weiß. Das Ende der Saison damals? Das „Wort mit A“ – nur mal so zur Statistik…

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Die Augen funkelten, die Ohren bekamen Besuch von einem breiten Grinsen und der kleine Mund stand offen – ein ganz besonderes Geschenk erhielt gestern Nachmittag ein kleiner Besucher des VIP-Zeltes von einem der Gewinner des Tipp-Spieles. Christian Eisenbrandt – besser bekannt als „Storno“ – war es, der unter anderem das Ergebnis auf 3:1 vorausahnte (oder sich einfach an das Ergebnis vor zweieinhalb Jahren besann, wer weiß?) und die Überraschungs-Box eines Sponsors der Eintracht gewann. Darin unter anderem enthalten: ein knallgelber Lederball, den der glückliche Gewinner prompt an den noch viel glücklicheren Kleinen weitergab. Super, Storno!

So – das war wieder einmal das Wort zum Sonntag! Bis zum nächsten Mal!

Foto: Anna Lena Bauer

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Kommentare (3)

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  1. Storno sagt:

    Ich sage wir gewinnen da knapp mit einem Tor unterschied, wobei mir ein Punkt dort reichen tät> ein Sieg wäre natürlich der Hammer!

  2. Hanni sagt:

    Homburg scheint der Eintracht zu liegen. Das Wort „Aufstieg“ kann man jetzt ruhig mal aussprechen. Wer so gut spielt kann auch aufsteigen. Weiter so SVE!!!

  3. dreschi2010 sagt:

    super storno…..
    sooooo nett der storno
    was tippste denn gegen elversberg????

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