Kolumne: Paddy Klink – “Viel zu krass!”

Viel zu krass! Die Tage finde ich beim Aufräumen mein altes Berichtsheft aus der Ausbildungszeit 2002 bis 2005. Beim Durchblättern fällt mir wieder auf/ein, dass ich nie ein Freund der staubtrockenen Berichte war und lieber alltägliche Arbeiten mit vielen Bildern ausgeschmückt habe – das freut bestimmt auch den Prüfer bei der IHK ;o) Und es gefiel ihm.

Foto: privat

Worauf ich aber hinaus will: im Rahmen meiner Ausbildung war ich einige Monate in Köln und habe mir für die langen Zugfahrten irgendwann (schweren Herzens) für stolze 180 EUR meinen ersten MP3 Player gekauft, der sage und schreibe 256 MB Speicherkapazität hatte. Für damalige Verhältnisse schon kein Dreck, weshalb ich auch in meinem Bericht festgehalten habe, dass es „Geräte mit größerem Speicher gibt, die allerdings für den Normalsterblichen unrentabel und vor allem unerschwinglich sind.

“Meine Fresse! In was für einer Zeit leben wir eigentlich?“ Heute sitze ich im Bus auf dem Weg zur Arbeit und in der Jackentasche steckt der ipod, der mir mit 32 GIGA(!!!) Bytes den größten Teil meiner privaten Musiksammlung in Ohr drückt. Vor ein paar Tagen habe ich im Freundeskreis noch das Thema angeschnitten: „Früher“ habe ich wochenlang auf das Veröffentlichungsdatum meiner Lieblingsband Green Day hin gegeiert. Am besagten Freitag ging es nach der Schule mit Bus oder Bahn in die Stadt und mit der CD im Gepäck wieder heim. Dort wurde die Platte die kommenden Wochen nicht mehr aus der Anlage entfernt und das Kinderzimmer erst wieder verlassen, nachdem man seinen, für sich neu entdeckten Lieblingstrack auswendig mitsingen konnte.

Heute gibt es dank Facebook, myspace und Co. unendliche Möglichkeiten, sich die Wartezeit auf das Erscheinungsdatum mit Studio-Bericht-Videos und Gewinnspielen versüßen zu lassen. Kaum ist der VÖ-Termin da, liegt die langersehnte CD schon im Amazon-Päckchen in der Packstation oder man hat die Musikdateien über itunes runtergeladen und kann sich die Songs bereits anhören, während die anderen noch vor verschlossenen Türen der Plattenläden stehen. Ich will mich ja nicht beklagen…ich mach es ja genauso. Bzw. gehöre ich noch zu denjenigen, die sich beim Gang durch die CD Abteilung nicht mehr erinnern können, ob sie sich das Album jetzt schon auf itunes geladen haben oder nicht. So war ich erst vor kurzem sehr verwundert, als ich die gekaufte Beatsteaks CD auf meinen Rechner ziehen wollte, und dieser mir sagt: „Vorhandene Dateien überschreiben?“ Ich sehe meine Schusseligkeit als finanziellen Support an meine Lieblingsbands. Vielleicht habe ich als Musiker auch irgendwann mal was davon?! ;o)

So unübersichtlich wie die Plattensammlung geworden ist, so unfassbar groß ist die Anzahl der Bands geworden, die mich „interessieren“ und bei denen ich immer auf dem neuesten Stand sein und bleiben will. Ich glaube ich habe alleine jetzt noch drei oder vier Vorbestellungen auf meinem Amazon Konto stehen. Man trägt knapp 5.000 Musiktitel auf seinem ipod mit sich herum und kommt nicht mal dazu, sich die Werke in Ruhe und Hingabe anzuhören. Aus dem Genuss-Musiker wird ein musikalischer Lebens-Shuffler. Wie pervers ist das denn? Schließlich sollte man sich doch Zeit für das nehmen, was man so gerne mag und was einem jeden Tag hilft, denselben zu überstehen! 🙂

So haben es auch „YOUR INNER DURDEN“ in meine Plattensammlung geschafft – sozusagen die erste Band, die mir auf meinen Aufruf hin dann doch freiwillig was zugeschickt hat. DANKESCHÖN! Gerade wollte ich mit der Beschreibung meines persönlichen Hörempfindens beginnen, als sich mein letzter Absatz schon gleich bewahrheitet: die CD ist nicht auf dem ipod…oder hat nicht mehr drauf gepasst? Ich sag nur… 256 MB… und heute 32 GB… Unglaublich. Aber das geht auch so:

Nach meiner Ankündigung, dass ich erst mal im „Durden“ nachschauen müsse, was YOUR INNER DURDEN heißt, schreibt mir der Gitarrist eine Nachricht bei facebook, dass der Name der Band aus dem Roman FIGHT CLUB stammt. Oleck, den Film gibt’s auch als Buch? ;o) Glücklicherweise hatte ich mir den Film genau zu dieser Zeit bei einem Freund ausgeliehen, weil ich das Gefühl hatte, den doch mal irgendwann kennenlernen zu müssen, nachdem die ganze Welt darüber Bescheid weiß und selbst Limp Bizkit’s Fred Durst bei „Rollin“ singt: I’ve seen the Fight Club about 48 times…“ da muss also was dran sein.

Und siehe da. Unwissenheit verwischt das Bild einer Band, die man alleine am Namen zu charakterisieren versucht. Ich dachte bei Fight Club gibt es von Anfang bis Ende nur „auf die Fresse“ und so würde sich dann auch zwangsweise die Musik charakterisieren lassen. Nix da! Ein toller Film mit Tiefe, der sogar mich zum Nachdenken anregt! Da steckt wesentlich mehr dahinter als Hau-Drauf! Wäre auch eine schlechte Bandbeschreibung…Hau-Drauf-Mukke. Wobei…derer gibt’s natürlich auch! YOUR INNER DURDEN schaffen ihrem Zuhörer und Konzertbesucher also eine Welt, in der sich der Schüler, der Arbeiter und sogar der Rock-and-Roll Opa nach „Feierabend“ hin flüchten kann, um dem Frohsinn des Lebens nachzugehen. DAS klingt doch schon viel besser als Prügelmusik! 🙂

Schaut man sich das CD Layout des Albums „Everyday is a holiday with…” etwas genauer an, wird schnell klar, dass es hier nicht nur darum geht, anderen gestressten „Worker Bees“ eine musikalische Zuflucht zu geben. Hier geht es um Selbstverwirklichung. Die Musiker selbst leben auf der Bühne und im Proberaum ihren Traum – tun das nicht alle Bands? J Bekräftigt wird dieser Eindruck durch das Plattencover – Eigeninterpretationen gewünscht! – sowie das „Corporate Identity“ der Band selbst. Büro-Punks, wie ich mich auch selbst gerne bezeichne. Oben rum mit Hemd und Sakko gekleidet und unter der Gürtellinie blitzt der Nietengürtel auf den Bermudashorts die fast bis zu den VANS oder Chuck’s an den Füßen reichen. Hier geht es um eine gemeinsame Sache! „Life is hard…try to keep it fun!“

Make this day a day to remember! Den Büro-Punkern geht es nicht um spieltechnische Meisterhaftigkeit und extraordinären Akkordfolgen. Das will ja auch kein Mensch! 3 Akkorde für ein Halleluja! Hier geht es noch um den Spaß an der Sache selbst! Das bedarf keiner Erwähnung in der Band-Biografie – das merkt man auch so! Die Tracklist liest sich ein wenig wie der Film (oder das Buch) Fight Club in Kapiteln – zumindest habe ich das so im Gefühl, wo ich den Streifen doch erst vor wenigen Tagen inhaliert habe. Man versucht aus jedem Titel einen Smashhit zu kreieren und gibt auch erst erfolgreich auf, wenn der fünfzehnte Song im Kasten ist! Wow! DAS nenne ich mal ne vollgepackte CD! Schöne melodische Punkrock-Kracher die Spaß machen und mir wirklich ein paar (mehr) Minuten Urlaub spendieren!

Beim vorletzten Song muss ich immer wieder an die Onkelz denken. (Und plötzlich erheben sich Schlagzeug Sticks und Gitarren gegen mich…) Nix da. Seht es mal objektiv! Ich bin auch kein großer Fan der Onkelz, aber ich interessiere mich für das, was da passiert (ist). Man kann doch nur neidisch sein, wenn man sieht, dass die Stimme aus der Gosse mit ihren Mannen ein Festival auf die Beine stellt, was ROCK AM RING von seiner Dimension in nichts nachsteht. Krasse Sache! Die machen ja auch nix anderes, als hunderttausenden von Fans das zu geben, wonach sie schreien: ein Stück Urlaub, Freiheit und Auszeit vom stressigen Job. Mein Buchhaltungs-Kollege sieht auch nicht aus wie der typische Onkelz-Fan J Viele Grüße an MWE! Eigentlich sollte man es als Lob betrachten, wenn man musikalisch (wir reden hier von keiner politischen Einstellung oder sonstigem!) mit den Onkelz verglichen wird. Ein paar Akkorde, ohrwurm-taugliche Mitsing-Melodien und Texte, die sich schnell einprägen = „Opium fürs Volk“. Voilà! Ich finde: schöne Platte, die jetzt erst mal in meinem Autoradio bleibt, bis am Freitag die Packstation für mich die nächste Amazon Sendung bereit hält.

Der kommende Freitag wird nämlich ein sehr denkwürdiger Tag der regionalen Musikgeschichte! JUPITER JONES – wohl der Inbegriff für Unabhängigkeit und dem Streben nach Selbstverwirklichung – veröffentlichen ihr Album „JUPITER JONES“. Anlässlich dieses Spektakels wurde natürlich schon ein riesiger Pressewirbel gemacht und die Eifeler Jungs mussten zu unzähligen Interviews antreten, um ihre Songs zu bewerben. Ich finde: das haben die schon gar nicht mehr nötig! Trotzdem will ich es mir nicht nehmen lassen, ihnen auch ein paar lustige Fragen zu stellen! Am Freitag gastieren sie nämlich in Trier zu einem Konzert der ganz besonderen Art. Dafür gibt es auch keine Tickets…nur die Glücksfee bringt Euch dort hin. Meinen Senf gibt’s dazu in der nächsten Ausgabe meiner Kolumne!

Alternativ steht Euch am Freitag aber auch der reguläre Einlass im Haus der Jugend in Wittlich zu, in dem es bei der ersten Veranstaltung der „Dancing Queen“-Reihe hoch her geht. Unter anderem werden dort HIS STATUE FALLS die Bühne und das Publikum rocken (oder tekken?) und mal wieder alles geben. Zwar stand diese Veranstaltung schon seit Monaten in meinem Kalender, aber so ein Exklusivkonzert von Jupiter Jones ist es schon mal wert, dass man am Tag 20 Mails ans 5vier.de Gewinnspiel schickt, um vielleicht mit etwas Glück mit dabei sein zu dürfen! Wir sehn uns! Egal ob in Wittlich oder Trier….let there be rock!

Euer Paddy

Ach ja…meinen alten MP3 Player nutze ich sogar heute noch für meine „Auszeit“ im McFit. Ohne Musik auf den Ohren würde ich es auch keine halbe Stunde auf dem Laufband aushalten! Aber achtet mal bei Eurem nächsten Studiobesuch drauf… PROJECT 54 läuft hier auch über die Boxen – deutschlandweit!

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Kommentare (2)

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  1. Fan sagt:

    Finde ich auch… 🙂

  2. Seb sagt:

    einen Kommentar hat dieser schöne und unterhaltsame Artikel verdient!!!
    😉

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