Königin der Operetten – Gespräch mit KD Köhler über seine „Fledermaus“

Klaus-Dieter Köhler im Interview mit 5vier.de

Am Samstag, 2. November, wird sie Premiere haben: „Die Fledermaus“ von Johann Strauß. Heiß ersehnt, ist es doch nicht umsonst DIE Operette unter den Operetten. Sozusagen die „Königin der Operetten“ wie Regisseur Klaus-Dieter Köhler sie im Interview mit 5vier.de nannte.

Eigentlich ist sie fertig, KD Köhlers „Fledermaus“. Gestern, am Mittwoch, 30.Oktober, lief die zweite Hauptprobe, nun fehlt nur noch die Generalprobe, bevor am Samstag zur Premiere geladen wird. Ein bisschen muss aber noch daran getan werden, gibt Regisseur Klaus-Dieter Köhler offen zu: „Der Pep muss noch ein wenig herausgekitzelt werden. Eigentlich gehört hier aber auch das Publikum dazu. Die Partystimmung muss eben überschwappen.“

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Die soll auch überkochen in der kommenden Operette der Spielzeit 2013/14. „Die Fledermaus“ ist dafür genau der richtige Stoff: „Wir inszenieren „Die Fledermaus“ pur vom Blatt, orientieren uns sehr an der französischen Kömodie und gleichzeitig an britischen Boulevardstücken. Zitieren die klassischen Elemente dieser beiden Komödienformen, wie etwa dem berühmten „Liebhaber im Schrank“. Außerdem haben wir Zitate aus dem Stück „Der nackte Wahnsinn“ eingebaut. Ein lustiger Zufall, dass dieses auch gerade gespielt wird.“ Angesiedelt ist die Inszenierung ebenfalls klassisch am Ende des letzten Jahrhunderts. Die Kostüme werden historisch sein, eine Fledermaus, wie man sie sich nur vorstellen kann.

Partystimmung und Kultstatus

„Es ist natürlich auch die Schwierigkeit des Stückes, dass eben fast jeder schon einmal eine „Fledermaus“ gesehen hat. Es weiß also jeder, wie sie „auszusehen hat“. Sie ist eben die „Königin der Operetten“.“ Trotz der Schwierigkeiten freut Köhler sich diese „Königin“ in Szene setzen zu dürfen. „Es ist ein Kultstück in dem man eigentlich nicht eine einzige Note streichen darf, weil es einen Hit nach dem anderen gibt.“ Köhler versucht in seiner Inszenierung, die „Fledermaus“ ganz pur zu betrachten, sich auf das Tempo des Stückes einzulassen und bewusst den Witz heraus zu kitzeln. „Man sucht oft nach der Tiefe in einer Theaterinszenierung. Wir verzichten bewusst auf die Tiefe und wollen einfach eine charmante Komödie erschaffen, ohne dabei in die reine Klamotte abzurutschen. Puristen könnte dies natürlich sauer aufstoßen.“ Dennoch hat Köhler keine Angst, dass seine Fledermaus beim Trierer Publikum nicht gut ankommen könnte.

„Es ist eine schnelle Komödie, was für Sänger oft schwierig ist, aber ich arbeite hier mit einem sehr guten Team von Sängern, die sich auf das einlassen können. Eigentlich bin ich Schauspielregisseur, was bedeutet, dass ich nicht auf den Takt genau arbeite, sondern eher fließende Schauspielerei von meinen Sängern fordere. Ich lasse ihnen dabei viele Möglichkeiten, Dinge selbst zu entdecken.“ Diese Möglichkeiten nutzen die Sänger des Theaters Trier erfahrungsgemäß auch, sogar in Anbetracht der Tatsache, dass es bei dieser Inszenierung viele Doppelbesetzungen geben wird. Die Rolle des Dr. Falke spielen László Lukács und Amadeu Tasca, die des Gefängnisdirektors Frank, Pawel Czekala und Alexander Trauth und die des Gesangslehrers Alfred, Svetislav Stojanovic und Carlos Aquirre. Die Sänger des Theaters Trier „kommen damit klar, aber es ist auch viel Arbeit“, weiß Regisseur Köhler. „Ich möchte jedem der Sänger die Chance geben sich reinfühlen zu können, immerhin sind die Körperlichkeiten bei jedem anders. Die Sänger müssen auch miteinander spielen.“

Viele kleine Perlen

Eine besonders beliebte Schauspielrolle ist die des Frosches, generell wird diese übernommen von einem kleinen, untersetzten Schauspieler. In Trier wird sie gespielt vom hochgewachsenen, schlanken Peter Singer: „Peter Singer ist eine überraschende Besetzung, aber eine, die mir sehr gut gefällt. Da er aber nicht der „typische Frosch“ ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder er kommt richtig gut an oder überhaupt nicht“, scherzt Köhler.

Sonst wird es nur wenige gravierende Änderungen in der Inszenierung geben, dennoch kann dies eine „Fledermaus“ werden, wie man sie noch gar nicht kennt. „In der Fledermaus selbst gibt es so viele kleine Perlen, die man nicht kennt, weil sie nicht oft inszeniert werden. Wir nehmen diese Dinge unter die Lupe und schauen nochmal neu drauf. Prinz Orlofsky wird beispielsweise, da er von einer Sängerin gespielt wird, oft als leicht homosexuell dargestellt, dabei ist er in der Originalfassung ein richtiger Schürzenjäger und hat auch eine Freundin.“ Zudem gibt es im Hofstaat des Orlofsky viele kleine Extrarollen, die normalerweise gestrichen werden. In Trier übernimmt der Chor all diese Extrarollen.

„Die Fledermaus kommt, zu Recht, alle paar Jahre wieder. Wer Operetten mag, muss sie einfach gesehen haben. Wenn die „Fledermaus“ mal nicht mehr geht, was soll man dann noch spielen?“

Premiere ist am Samstag, den 2. November im Theater Trier. 5vier.de wünscht allen Beteiligten ToiToiToi!

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