Kriminalstatistik: objektive Fakten vs. subjektives Gefühl

Es hat sich nichts durch die Flüchtlingskrise geändert...

In Zeiten von Flüchtlingskrisen und Terrorgefahr spielt die nimmermüde Medienlandschaft dem subjektiven Sicherheitsgefühl schonmal den ein oder anderen Streich. Am gestrigen Montag hat das Polizeipräsidium Trier die Kriminalstatistik 2016 vorgestellt, welche die Straftatenentwicklung im gesamten Polizeipräsidium behandelt und dabei deutlich aufgedeckt, dass die objektive Kriminalitätslage sich nicht unbedingt mit den Ängsten der Bevölkerung deckt.

Trier. Die registrierten Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Trier sind auf den ersten Blick signifikant gestiegen. Doch Polizeipräsident Lothar Schömann erklärt, dass die durch die Flüchtlingskrise entstandenen Verstöße gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz aus der Statistik entfernt werden müssen, um ein reales Bild der Straftaten zu erhalten. Und dann zeigt sich deutlich, dass die registrierten Straftaten in der Region Trier sich seit fünf Jahren auf einem etwa gleichbleibenden Level bewegen.

Positiv ist anzumerken, dass die Aufklärungsquote sich in den letzten fünf Jahren um fast vier Prozent gesteigert hat und damit über dem landesweiten Durchschnitt liegt. Lothar Schömann ist stolz darauf, dass in Trier rund 3/4 aller Straftaten aufgeklärt werden.

Im Vergleich zum Jahr 2015 ist der schwere Diebstahl aus Wohnungen deutlich gesunken, während die sogenannten Straftaten gegen das Leben (also Mord, vorsätzliche Tötung und fahrlässige Tötung) im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen sind, was in der Fünf-Jahres-Statistik aber dennoch keinen nennenswerten Ausschlag nach oben darstellt. Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind seit fünf Jahren auf einem gleichbleibenden Level.

Einen merklichen Anstieg gibt es bei den sogenannten Rohheitsdelikten, zu denen sämtliche Körperverletzungen zählen. Von 5200 angezeigten Fällen im Jahr 2015 hat sich die Zahl im vergangenen Jahr auf 5577 gesteigert. Im Großen und Ganzen bewegt sich die Gewaltkriminalität aber auf einem gleichbleibenden Level, in der Rauschgiftkriminalität zeigt sich hingegen ein leichter Aufwärtstrend im Fünf-Jahres-Vergleich.

Am interessantesten für das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung sind sicherlich die Statistiken der nichtdeutschen Tatverdächtigen und die damit verbundene Frage, ob sich die Flüchtlingskrise negativ auf die Kriminalstatistik ausgewirkt hat. Zieht man die eingangs erwähnten Verstöße gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz ab, zeigt sich keine außerordentliche Steigerung der Delikte bei Zuwanderern. Im Fünf-Jahres-Vergleich hat die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen zwar zugenommen, aber der Anteil zugewanderter Mitbürger hat dementsprechend auch deutlich zugenommen.

Die Delikte im Zusammenhang mit Zuwanderung bewegen sich in erster Linie im Bereich des Diebstahls und der Rohheitsdelikte. Interessant ist, dass sich bei den Staatsangehörigkeiten der Tatverdächtigen ganz deutlich zeigt, dass die Haupt-Flüchtlingsländer Afghanistan, Irak und Syrien nur mit einem einstelligen Prozentsatz beteiligt sind, während Serbien, Kosovo und Georgien mit gehobenen zweistelligen Prozentzahlen deutlich überrepräsentiert sind. Auffällig ist hingegen dass politisch motivierte Kriminalität durch rechte Gruppierungen signifikant auf dem Vormarsch ist.

Somit widerlegen die Zahlen der Polizei Trier recht deutlich die Ängste in Teilen der Bevölkerung, dass mit mehr Flüchtlingen auch die Kriminalität signifikant ansteigt. Dennoch spricht sich auch Polizeipräsident Lothar Schömann dafür aus, dass im Bereich der Integration auch weiterhin viel getan werden muss, damit diese Entwicklung nicht umschlägt. Er sieht eine gute Sozialpolitik als Schlüssel für bestehende und potenzielle zukünftige Flüchtlingsprobleme.

 

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