Kurioses Elfmeterschießen für Trier nichts Neues

Deutschland siegt bei der EM im Viertelfinale gegen Angstgegner Italien mit 6:5 im Elfmeterschießen. Eintracht Trier kann es noch kurioser.

Trier. Ganz Deutschland jubelt noch über den Halbfinaleinzug der Nationalmannschaft gegen Italien. Immerhin hat es auch 18 Schüsse gebraucht bis der aus dem Saarland stammende Jonas Hector (1. FC Köln) das erlösende Tor zum Sieg schoss. Bei manch einem kamen da eventuell Erinnerungen an ein Spiel der Trierer Eintracht aus dem Jahr 1998 hoch, welches noch ein wenig kurioser war.

Wir schreiben den 18.02.1998. Ein Mittwoch. Eintracht Trier empfängt im DFB-Pokal-Halbfinale (Ja, Halbfinale) den MSV Duisburg. Eine machbare Aufgabe, sollte man meinen, denn die Klubs aus dem Ruhrpott schienen dem SVE (zumindest in diesem Jahr) zu liegen: Nach einem Sieg über Unterhaching schaltete die Eintracht in der zweiten Runde den bis dato ungeschlagenen Bundesligisten FC Schalke 04 vor 16500 Zuschauern mit 1:0 aus. Ein Wahnsinnserfolg, kaum zu toppen.

Doch das Losglück ebbte nicht ab. Als nächsten Gegner bekam die Eintracht ausgerechnet den Erzrivalen der Schalker zugelost: Borussia Dortmund, immerhin amtierender Champions-League und Weltpokalsieger. Im Pott hieß es schon von den Dortmundern „Jetzt zeigen wir den Schalkern mal wie das geht“, doch weit gefehlt. Die Eintracht führte schon zu Pause mit 1:0, konnte kurz danach sogar auf 2:0 erhöhen. Gut, Jürgen Kohler antwortete umgehend mit dem Anschlusstreffer, zu mehr reichte es aber nicht. Trier gewinnt.

Ebenso wie das Viertelfinale gegen Waldhof Mannheim. Und dann die neuerliche Auslosung: Stuttgart, Duisburg und Bayern München im Topf. Doch es wird der vermeintlich leichteste Gegner von der Wedau. Bayern spielt gegen Stuttgart schon am Vorabend, gewinnt – wenig überraschend – deutlich mit 3:0. So bleibt nur noch die Frage: Bayern gegen Trier oder Bayern gegen Duisburg im Finale?

Die Antwort zog sich lange hinaus: 88 Minuten führten die Gäste aus Duisburg im Moselstadion, dann der Ausgleich. Verlängerung. Elfmeterschießen. Duisburg (Zeyer, der schon in der regulären Spielzeit getroffen hat) schießt zuerst – und trifft. Die Eintracht muss nach legen. Fengler, der den Ausgleich schoss, schießt und trifft – aber nur die Latte. Mehr Dramatik geht nicht: Spiel gedreht und aus der Hand gegeben. Doch Trier bleibt dran, verwandelt jeden Schuss und hält den Druck auf Duisburg aufrecht.

Der letzte der fünf Duisburger Schützen (Wohlert) tritt an und vergibt auch. 5:5. Unglaublich! Jeder weiterer Schuss sitzt, sodass wir direkt zum Showdown der Torhüter kommen können: Thomas Gill gegen Daniel Ischdonat. Gill schießt – und trifft. Jetzt: Ischdonat. Derjenige der eben noch gegen Wohlert pariert hat. Doch der Sprung zum Held bleibt im verwahrt: Ischdonat vergibt.

Endstand: 10:11. Der MSV Duisburg fährt nach Berlin zum Pokalfinale gegen die Bayern. Was bleibt der Eintracht? Die Erinnerung an eines der kuriosesten Elfmeterschießen überhaupt. Und eine Niederlage, die noch tragischer war, als die der Italiener am Samstag.

 

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