Lebenshilfe-Poesie im Trierer Weihnachtscircus

Eine Vorführung die über acht Minuten wahrhaft großartig war

Ein Jahr Vorbereitung, ein Jahr Zusammenarbeit. Im Sportangebot der Lebenshilfe-Werke Trier für geistig beeinträchtigte Menschen wurde ein Kurs ausgerufen: „Wer hat Lust an einer Circus-Nummer?“ Mit drei Sportlehrern wurde der Titel „Metamorphose“ eingeübt. Eine Nummer, die für den Autor dieses Textes unvergesslich bleibt. Eine Nummer die in ihrer Poesie den Innenraum des Trierer Weihnachtscircus verlassen ließ. Eine Nummer die die Lebenshilfe-Werke Trier mit anderen Augen erleben lässt.

Trier / Weihnachtscircus. 5vier.de setzt sich mit dem Circus und dem, was Circus bedeutet, bedeutet hat und bedeuten wird schon des längeren auseinander. 5vier.de streifte den Circus Flic Flac und streifte den Circus als Kulturgut. 5vier.de streifte das Contra Wildtiere und das Pro Wildtiere und hatte noch einen Ausflug am 22. Dezember 2015 zu einem Vor-der Gala-Premiere auf dem Trierer Messepark-Gelände unternommen.

Vom Außenbereich her kommend betritt der Besucher einen mit viel Fantasie und Glimmer geschmückten Vorraum, der einfach sagt: Hier im Trierer Weihnachtscircus wirst Du entführt, bist Du eingeladen auf eine Reise, die sonst nur eine kleine Fee namens „Glöckchen“ in Peter Pan mit Dir unternehmen kann.

Das ist auch mein ganz persönlicher Anspruch an eine Circus-Vorstellung. Sie soll mich entführen. Sie soll mir etwas präsentieren, das ich mir nicht vorstellen kann. Sie soll meine Fantasie mit dem Zauber einer Vorstellung übertrumpfen.

Lust auf Veränderung – Lust auf Circus-Theater

Und genau das gelang der Gruppe mit der „Lust an einer Circus-Nummer“. Denn es war nicht nur eine Nummer, die das Areal der Manege ausfüllte. Es war tatsächlich ein Stück, das Zeit, Raum, Bewegung, Musik, Tanz, Veränderung, Entwicklung, Perfektion, Verkleidung, Anmut und Kreativität vereinte. Menschen zeigen, dass aus einer Hülle, einer Verpackung, einer „Puppe“ (um bei dem Titel „Metamorphose“ zu bleiben) ein Schmetterling der Vielfalt und eigener Schönheit entstehen kann.

Die musikalisch begleiteten Szenen benötigen keine Worte (vgl. unseren Film). Der Zuschauer wird in ein poetisches Miteinander von Sehen und Hören entführt: Weiß verpackte Körper, die rollen, die aufstehen, die in einem musikalischen Spannungsmoment den Raum als Schmetterling einnehmen.

Mit ihrem Bewegen steigen sie auf zu den Höhen des Circus-Zeltes. Einem Bewegen, das einen Schmetterlings-Fänger austrickst. Denn sein Urteil erweist sich als Vorurteil und der Tanz der Schmetterlinge lässt ihn am Ende nach der Luft schnappen, die er in seinem Eifer vergisst.

Glöckchen hat mich mitgenommen und mit dem Verlassen der Darsteller, der Akteure, der in einem ganz eigenen Nimmerland angekommenen Schmetterlinge („Menschen mit geistiger Beeinträchtigung“) habe ich das erlebt, was Überraschung bedeutet, was Circus für mich beinhalten soll: „Lust an einer Circus-Nummer“




Fotos: Raphael Wlotzki – Film: C. Maisenbacher

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