Gelungene Mischung aus Literatur, Kunst & Musik: Literaturtage Saar-Hunsrück

5vier.de war zu Gast auf der Burg Grimburg...

Von Stefanie Braun (Text und Fotos)

Am Wochenende fanden auf der Burg Grimburg die ersten Literaturtage Saar-Hunsrück statt. Namhafte Autoren, aber auch (Nachwuchs-) Künstler aus der Region konnten aus ihren Werken lesen. Dabei achtete man nicht nur bei der Literatur auf künstlerische Ausgewogenheit. Auch andere Kunstrichtungen, in Form von Musik, Bildhauerei und sogar Lichtinstallationen, kamen zum Einsatz.

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Drei Tage lang wurde auf der Burg Grimburg in der Nähe von Hermeskeil in allen Formen gekünstlert. Im Mittelpunkt der ersten Saar-Hunsrück Literaturtage stand natürlich das (Vor-)Lesen des gedruckten Wortes, daneben fanden aber auch andere Künste ihren Platz. Bildende Künste wie die Malerei und auch Installationen aus verrostetem Stahl, sowie einige Musiker aus der Region lockerten das wortgewaltige Programm auf und sorgten für ein buntes Potporri an Kreativität und künstlerischem KnowHow. Mit dabei waren unter anderem Thomas Kiessling, Meike Garden und Daniel Bukowski und Band auf Seiten der Musiker, sowie der lokale Künstler Andreas Hamacher mit seinen Stahlinstallationen. Als besonderes Bonbon galt eine der jüngsten lokalen Schriftstellerinnen Franziska Wonnebauer, die mit ihren 12 Jahren nicht nur als Autorin, sondern auch als Sängerin begeisterte.

Tim Kholey mit Moderator Metty Krings

Tim Kohley mit Moderator Metty Krings

Hohe Qualität

Tim Kohley, der Initiator und Veranstalter der ersten Literaturtage Saar-Hunsrück, blickt somit auf ein erlebnisreiches Wochenende zurück. Summa Summarum ist er zufrieden, nur die Besucherzahlen hätten etwas höher sein können, aber das hatte er mit einkalkuliert.

„Die Veranstaltung wurde auch an die Sponsoren von vorneherein so herangetragen, dass sie in den ersten Jahren wachsen muss. Die wenigsten Veranstaltungen dieser Art sind direkt beim ersten Mal gut besucht.“ Trotzdem ist er stolz: „Wir bekommen seit drei Tagen dasselbe Feedback, dass unsere Literaturtage durch ihre hohe Qualität überzeugt haben.“

Die Besucher, die da waren, kommen nächstes Jahr garantiert wieder und bringen bestimmt ein paar Freunde mit. Verbesserungsvorschläge gab es nur, was die Eintrittspreise anbelangt: „Um eine gewisse Qualität zu sichern, müssen wir auch in einer gewissen Qualität einkaufen und das kostet eben.“ Dabei kam ein großer Teil des benötigten Geldes schon von Sponsoren und durch spezielle EU-Förderungen, um die Eintrittspreise auch für Familien und Studenten erschwinglich zu halten.

Kreativer Nachwuchs…

Das Programm will man auch in Zukunft so locker und bunt durchmischt halten. Zwischen den Lesungen durfte sich der Zuschauer mit Musik und sogar Kabarett vom aufmerksamen Zuhören etwas „erholen“. Neben überregionalen Autoren auf der großen Bühne im Innenhof der Burg, gab es die Möglichkeit lokalen Autoren beim Vortragen ihrer Werke zu zuhören. Auch hier war das Angebot breit gefächert: von der 12-Jährigen Abenteuer-Autorin bis zum 75-Jährigen Krimi-Schreiber. „Dabei haben wir darauf geachtet, Autoren auf die Bühne zu holen, die vortragen können und nicht nur ablesen. Besonders eindrucksvoll war da zum Beispiel Andreas Altmann, der fast Entertainerzüge hatte“, so Kohley.

Jungautorin Franziska Wonnebauer

Jungautorin Franziska Wonnebauer

Der (Nachwuchs-)Star des Wochenendes war aber die 12-jährige Franziska Wonnebauer, die sowohl mit ihrem Erstlingswerk „The Peppermints“ als auch mit ihrem musikalischen Talent zu begeistern wusste. „The Peppermints“ ist ein junger, frecher Mädchenroman über Freundschaft, Abenteuer und den Traum vom Leben eines Superstars, wie viele junge Mädchen ihn träumen. Für Franziska ist dieser Traum zumindest im kleinen Rahmen wahr geworden.

Fünf Monate ungefähr hat sie gebraucht für ihren ersten Roman, fast 170 Seiten stark war er und geschrieben hat sie ihn abends im Bett. Vorm Schlafengehen. „Meine Mutter war die erste, die ihn gelesen hat. Ich habe ihn ihr als PDF geschickt“, erzählt die für ihr Alter schon ziemlich erwachsene Jung-Autorin. „Ich hab das erst gar nicht so ernst genommen, wenn Franziska abends gesagt hat, dass sie noch an ihrem Buch schreibt. Sie war ja auch erst 11“, so ihre Mutter Christine. Mittlerweile schreibt Franziska am dritten Band ihrer Mädchenreihe „The Peppermints“. Der zweite Band soll voraussichtlich im Oktober erscheinen.

…und wahre Entertainer

Zu den Literaturtagen kam sie durch einen Bekannten der Familie: Andreas Hamacher, der selbst mit seinen Stahlinstallationen auf der Grimburg in Erscheinung trat. Der selbstständige Masseur ist „nur nebenbei“ Künstler, zaubert mit seinem besonderen Material eindrucksvolle Kunstwerke und weiß zu jedem Stück eine besondere Geschichte zu erzählen. „Dieser Stahlträger ist schätzungsweise 100 Jahre alt, beim Abriss der Fabrikhalle wird er von einem besonderen Bagger durchgeknipst wie ein Grashalm.“ Die Hydraulik sorgt dann dafür, dass er sich, unter der enormen Kraft, die auf ihn einwirkt, verbiegt. „Im Atelier muss ich ihn dann mit Hitze und Muskelkraft weiter bearbeiten.“ Heraus kommen beeindruckende Konstruktionen, von denen keine der anderen ähnelt, obwohl sie doch alle aus demselben Material bestehen. „Gerade der rostige Stahl zeigt etwas, was wir Menschen gerne vergessen: Dass alles Teil eines Kreislaufs ist. Der Stahl bekommt durch meine Arbeit eine neue Form und eine neue Funktion, die er aber auch wieder verliert, wenn er zurück in den Recycling-Kreislauf geht.“ Die Verbindung von Stahl und Rost ist eine melancholische und gleichzeitig tröstliche Mischung, die daran erinnert, dass alles endlich ist. „Der Mensch vergisst gelegentlich gerne, dass auch er Teil der Natur ist und somit endlich.“

Auf literarischer Seite las neben einigen anderen Philipp Möller aus seinem Bestseller „Isch geh Schulhof“, in dem der Autor aus seiner Zeit als Aushilfslehrer berichtet. Keine einfache Zeit für den Diplom-Pädagogen. Dafür ein unterhaltsames Buch, das nicht nur humoristisch an die prekäre Schulsituation herangeht, sondern auch Verständnis für die Situation mancher „benachteiligter“ Kinder und Jugendlicher entwickelt. Entsprechend wurde sein lockerer, gekonnter Vortrag vom Publikum honoriert.

Fazit: Wer es dieses Jahr nicht zu den Literaturtagen Saar-Hunsrück geschafft hat, sollte nächstes Jahr Augen und Ohren nach dem Termin offen halten. Und natürlich den Kalender frei. Eine rundum gelungene Veranstaltung in märchenhaftem Ambiente, mit tollen Künstlern und einer ausgewogenen Mischung aus Literatur, Kunst und Musik.

Die Bilder zur Veranstaltung

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