Lohnt sich Umsteigen auf Langstrecke?

Äddi a merci, Luxemburg! Umsteigen = Horror oder Easy going?

Nachdem wir uns mit den Anbindungen und Buchungsmöglichkeiten vom nahegelegenen Luxemburger Flughafen bereits ausführlich auseinandergesetzt haben, stellt sich heute die Frage, wie ein Langstrecken-Flug ab Luxemburg eigentlich aussieht. Was muss man beachten, wenn der Findel-Airport unter einer Wolkendecke verschwindet und wir uns auf dem Weg zu einem der großen Flughafen-Drehkreuze dieser Welt befinden?

Trier / Luxemburg. Der Luxemburg Airport wickelt täglich durchschnittlich rund 7000 Passagiere ab. Der größte Flughafen Europas, London Heathrow erreicht diese Zahl schon nach knapp 50 Minuten. Hartsfield-Jackson Atlanta International, der derzeit größte Flughafen der Welt, benötigt für diese Passagiermenge gerade mal eine gute halbe Stunde. Schnell wird deutlich, wie beschaulich der Airport Luxemburg eigentlich ist.

Wenn man von zwei Turbinen von der 4000 Meter langen Startbahn in die weite Welt beschleunigt wird, stellt sich bei weniger erprobten Passagieren schnell Unbehagen ein. Umsteigen ist für viele in der Luftfahrt ein Tabu, was um jeden Preis vermieden werden soll. Teure Direktflug-Buchungen im Reisebüro sind oft die Folge und sorgen dafür, dass Fernreiseziele wesentlich seltener auf dem Reiseplan landen als es das Budget mit 1-Stopp-Flügen hergeben würde. Dabei ist der Start ab Luxemburg verhältnismäßig entspannt. Bei der Gepäckaufgabe ist wenig los, der gesamte Flughafen ist extrem ruhig im Vergleich zu den überlaufenen Abfertigungshallen von Heathrow & Co.

Langstrecken-Flüge ab Luxemburg haben zwangsläufig einen Zwischenstopp auf einem europäischen Drehkreuz zur Folge, bei der man den Kurzstrecken-Jet gegen ein Großraumflugzeug eintauscht. Das kann Frankfurt am Main sein, Zürich, Lissabon, Amsterdam, Paris, Rom, Istanbul oder London. Sprachlich kommt man an jedem internationalen Flughafen mit Englisch zurecht, aber das Umsteige-Erlebnis variiert dennoch stark. Gerade Frankfurt, Amsterdam, Paris und allen voran London sind komplexe Labyrinthe, für die man Zeit einplanen sollte.

Großflughäfen wie London-Heathrow sind komplexe Labyrinthe (Foto: Heathrow Airports Limited)
Großflughäfen wie London-Heathrow sind komplexe Labyrinthe (Foto: Heathrow Airports Limited)

Die Zeit ist dann auch der zentrale Faktor. Ein Umsteige-Aufenthalt in London beinhaltet beispielsweise oft einen Terminal-Wechsel, der mit unterschiedlichen Airlines zusammenhängt, die aber im Codeshare gemeinsame Flüge anbieten. Wer über London in die USA fliegen will, wird beispielsweise auf British Airways und ihren Partner American Airlines stoßen. Beide bieten kombinierte Flugpakete mit dem jeweils anderen an, aber American Airlines startet in London Heathrow von einem anderen Terminal als British Airways.

Und schon beginnt das Umsteige-Vergnügen! British Airways transportiert Passagiere von Luxemburg in die britische Hauptstadt und entlässt diese am gigantischen Neubau Terminal 5 in die weite Welt. Weiter über den großen Teich geht’s – wenn es mit American Airlines weitergeht – erst ab Terminal 3. Das bedeutet für den umsteigenden Passagier also erstmal eine ermüdende Odyssee über endlose Walkways, Rolltreppen und Aufzüge, bis man in einem meist vollgepackten Shuttle-Bus zum anderen Terminal gekarrt wird. Obwohl man im sogenannten Airside-Bereich bleibt und damit nicht mehr das gesamte Check-In-Prozedere über sich ergehen lassen muss, findet am Abflugterminal trotzdem nochmal eine unter Umständen zeitraubende Sicherheitskontrolle statt. Erst dann erreicht man den Duty-Free-Bereich, an dem man in diversen Shops und Restaurants nochmal fleißig konsumieren darf. In London wird das entsprechende Abflug-Gate übrigens erst kurz vor Boarding angezeigt, um die Fluggäste möglichst lange in der Einkaufsmeile halten zu können. Wie lange das gesamte Prozedere dauert ist stark abhängig vom Menschenandrang, den Flugzeiten und den Positionen des Ankunft- und Abfluggates. In London sollte man für einen Transit von Terminal 5 zu Terminal 3 laut British Airways mindestens 1 Stunde und 30 Minuten einplanen. Aufgrund von langen Rollwegen von den Landebahnen zum Terminal, höherem Passagieraufkommen zu den Stoßzeiten und möglichen Verspätungen schadet eine weitere Stunde als Sicherheits-Puffer aber in keinem Fall.

Vorbildlich: Lademöglichkeiten an jedem Sitzplatz am LAX Airport (Foto: Dustin Mertes)
Vorbildlich: Lademöglichkeiten an jedem Sitzplatz am LAX Airport (Foto: Dustin Mertes)

Fast alle großen Flughäfen bieten zudem kostenfreies WLAN an, wodurch sich – entsprechende Endgeräte vorausgesetzt – etwaige Wartezeiten angenehm überbrücken lassen. Auch hier unterscheiden sich die Flughäfen deutlich. Manche haben mit massiven Platzproblemen zu kämpfen, bieten wenige Sitzplätze zum Verweilen und verfügen gar nur über zeitlich begrenztes WLAN, andere verteilen Sitzmöglichkeiten großzügig und verwöhnen die Kunden mit USB-Steckplätzen und Steckdosen. Hier hilft eine Internet-Recherche vor der Flugbuchung. London Heathrow (bei Flügen mit British Airways & Virgin) zum Beispiel verfügt sowohl über freies WLAN als auch Lade-Stationen für elektronische Geräte, ist aber chronisch überfüllt. Zürich (bei Flügen mit SWISS) hingegen bietet sehr viel Platz, beschränkt den Internetzugang aber und bietet keinerlei Lademöglichkeiten. Paris (bei Flügen mit AirFrance) ist dank Terminal-Neubauten sehr geräumig, bietet aber auch nur eingeschränktes Internet. Der perfekte Umsteige-Flughafen muss wohl erst noch erfunden werden.

Was tun, wenn der Shuttle Bus zu langsam war und der Flieger schon weg ist? (Foto: Heathrow Airports Limited)
Was tun, wenn der Shuttle Bus zu langsam war und der Flieger schon weg ist?
(Foto: Heathrow Airports Limited)

Aber was passiert eigentlich, wenn man denn doch mal seinen Flug verpasst? Das ist abhängig davon, ob die gesamte Strecke auf ein Ticket läuft, sprich ob es eine Buchung oder mehrere Buchungen sind. Im Falle eines hypothetischen Fluges von Luxemburg über London in die USA, müsste es eine zusammenhängende Buchung sein, um im Fall eines verpassten Anschlussfluges Anspruch auf eine kostenlose Umbuchung zu haben. Auch hier spielt natürlich der Grund eine Rolle, grundsätzlich ist man auf die Kulanz der jeweiligen Airline angewiesen. Wenn der Zubringer aber beispielsweise Verspätung hat und dadurch der Anschlussflug nicht mehr rechtzeitig erreicht wird, gibt es in der Regel keine Probleme. Hat man aber den Zubringerflug separat gebucht, bspw. über eine Billigairline, hat man keine Anspruch auf eine Umbuchung, wenn man seinen nächsten Flug verpasst. Darüberhinaus bedeuten zwei separate Tickets in der Regel, dass man den Airside-Bereich verlassen und im nächsten Terminal das Check-In-Prozedere nochmal wiederholen muss.

Beim Umsteigen muss man sich in der Regel zum Glück nur ums Handgepäck kümmern. (Foto: Heathrow Airports Limited)
Beim Umsteigen muss man sich in der Regel zum Glück nur ums Handgepäck kümmern. (Foto: Heathrow Airports Limited)

Ein weiterer Vorteil einer zusammenhängenden Buchung ist, dass das Gepäck meist durchgecheckt wird. Was man also in Luxemburg aufgibt, bekommt man erst am Fernreiseziel wieder und muss sich folglich nicht auch noch am Umsteigeflughafen damit herumschlagen. Dies gilt allerdings nur innereuropäisch. Wer seinen Zwischenstopp in den USA hat, den erwartet ein anstrengender Spießroutenlauf. Hier wird am Einreise-Flughafen nicht nur die zeitraubende Immigrationskontrolle durchgeführt, sondern auch der Zoll möchte seine Einreise-Formalitäten direkt erledigt haben. Dies bedeutet, dass nach der Immigration das Gepäck am Gepäckband abgeholt werden, kurz durch die Zoll-Kontrolle geschoben und schließlich wieder aufgegeben werden muss. Da man über diese Aktion den Airside-Bereich verlassen hat, checkt man für seinen nächsten Flug ganz normal ein und muss die gleiche Zeit wie am Startflughafen einplanen. Vor allem die Verteiler-Ungetüme an der Ostküste sind berühmt-berüchtigt für nervenaufreibende Umsteige-Aktionen, allen voran der riesige John F. Kennedy-Flughafen in New York, Chicago O’Hare und Hartsfield-Jackson in Atlanta. 3 Stunden sollte man als Minimum einplanen, um nicht immer noch in der Immigration zu hängen, während das Boarding für den Anschlussflug schon beginnt.

 

Warum nicht die Umsteigezeit als Layover nutzen? (Foto: Dustin Mertes)
Warum nicht die Umsteigezeit als Layover nutzen? (Foto: Dustin Mertes)

Empfehlenswert ist daher definitiv ein Umsteige-Stopp in Europa mit entsprechendem Zeit-Puffer. Wenn man aus welchem Grund auch immer doch im europäischen Ausland umsteigen muss, sollte man sich die Möglichkeit eines sogenannten Layovers überlegen. Eine Umsteigezeit von über 20 Stunden ist eigentlich ein No-Go, wenn man aber daraus eine Übernachtung mit einem Kurz-Sightseeing-Trip macht, bevor es wieder zum Anschlussflug weitergeht, hat man das Umsteige-Chaos gewinnbringend entzerrt. So fügt man seinem Urlaub statt einem unangenehmen Zwischenstopp einen zusätzlichen Kurztrip hinzu.

Umsteigen ist also wie alles auf der Welt Einstellungs-Sache! Mit guter Vorbereitung hat man nichts zu Befürchten, gewinnt möglicherweise noch zusätzliche interessante Eindrücke und spart dabei noch jede Menge Geld im Vergleich zum teuren Direktflug!

 

 

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