MacBeth im Theater Trier

Nicht „Sein oder nicht sein“ ist die Frage, die sich Mac Beth und seiner ehrgeizigen Gattin stellt. Sie lautet vielmehr „Macht haben oder eben keine Macht haben“ und im Besonderen „wen muss ich alles umbringen, um sie zu erlangen“?

Bei MacBeth gemeinsam aktiv: der Opernchor des Theaters Trier und der Chor des Opéra Théâtre de Metz Métropole

Zum Auftakt der neuen Spielzeit serviert das Theater Trier dem treuen Publikum mit Verdis Oper „MacBeth“  nicht gerade leichte Kost. Wer die Story nicht kennt, dem sollte gesagt sein, dass hier bereits im ersten Akt gemordet wird, was das Zeug hält und die darauf folgenden drei Akte nicht weniger blutrünstig sind. Zum Mord gesellen sich im Laufe der Oper noch die, an den Wahnsinn grenzende, Machtgier, sowie der Wahnsinn selbst und der Untergang eines Herrscherpaares, dass sein Reich selbst auf dem Blut seiner Gegner aufgebaut hat, hinzu.

Macht, Mord und Wahnsinn

László Lukács spielt den machthungrigen MacBeth

Geleitet von einer Prophezeiung und getrieben von seiner machthungrigen Gattin, dargestellt von Vera Wenkert, ermordet Mac Beth, alias László Lukács, seinen König um selbst den Thron besteigen zu können. Mit dieser Tat leitet er sein Schicksal ein, das ihn und seine Frau letztendlich nur zu einem führen kann: Ins Verderben.

Buh und Bravo

Dieses Schauspiel spaltet die Massen, was man nicht nur an der Reaktion des Premieren- Publikums beim Fallen des letzten Vorhangs erkennen konnte. Nicht nur hier teilten sich die Kommentare in zahlreiche „Buh“- und „Bravo“- Rufe auf, auch zuvor waren zahlreiche Diskussionen unter den Zuschauern zu hören. Während die einen die sehr bunte Inszenierung als „Kitsch“ und „oberflächlich“ abtaten, lobten die anderen gerade diesen Mut zur Farbe als besonders unterhaltend und schön anzuschauen. Vor allem das jüngere Publikum fühlte sich schnell angesprochen von der leichteren Erzählweise, während gerade den jahrelangen Operngenießern an manchen Stellen „die Dramatik fehlte“.

Von allen Seiten gelobt wurde dafür die generelle Schönheit der Musik und vor allem die Darbietung der Sänger. Nicht nur wegen ihrer schrillen Outfits, sondern auch wegen ihrer treffenden Darbietung der Lady MacBeth fiel Vera Wenkert an diesem Abend besonders auf. Der Applaus für ihre Arie wurde einzig und allein von dem Auftritt des nach Rache suchenden MacDuffs, alias Svetislav Stojanovic, übertroffen, der manche junge Dame sogar zu Tränen rührte und einigen kalte Schauer über den Rücken jagte.

Schrille Kostüme und kalte Schauer

Insgesamt wird man es nicht bereuen dieses Stück gesehen zu haben. Wem die Kostüme dennoch zu schrill und die Inszenierung zu wenig dramatisch sein sollte, kann sich mit der wunderschönen Musik Verdis trösten. Für alle anderen heißt es einfach nur zurück lehnen und genießen.

Und sich natürlich auf eine schöne neue Spielzeit freuen.

Zu sehen ist MacBeth noch an folgenden Terminen:

  • Di, 28.09.2010, 20.00 Uhr, Großes Haus
  • Fr, 01.10.2010, 20.00 Uhr, Großes Haus
  • So, 17.10.2010, 16.00 Uhr, Großes Haus
  • So, 24.10.2010, 19.30 Uhr, Großes Haus
  • Sa, 30.10.2010, 19.30 Uhr, Großes Haus
  • Mi, 03.11.2010, 20.00 Uhr, Großes Haus
  • So, 07.11.2010, 19.30 Uhr, Großes Haus
  • So, 14.11.2010, 19.30 Uhr, Großes Haus
  • Fr, 03.12.2010, 20.00 Uhr, Großes Haus
  • So, 05.12.2010, 19.30 Uhr, Großes Haus

Am 8., 10. und 12. Oktober gibt es weitere Termine in Metz.

Bildnachweis: Friedemann Vetter, Theater Trier

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Kommentare (2)

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  1. Franc sagt:

    Danke für die treffende Kritik! Genauso habe ich es auch gesehen. Die Buh-Rufe fand ich taktlos und unverschämt -kamen sie doch vornehmlich vom feinen erlesenen Premieren-Abo-Besitzer-Publikum. Man kann seine Unzufriedenheit auch anders -zum Beispiel durch Zurückhalten beim Applaudieren- zum Ausdruck bringen.
    Ich kann nur jedem empfehlen, diesen klassischen Genuss in modernem Gewand anzuschauen und zu genießen. Denn das Thema ist zeitlos und hat von seiner Aktualität nichts verloren.

  2. Malerin sagt:

    Oberflächlicher geht es nicht mehr…

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