Marco Toppmöller: „Meine Bewerbung beim FC Bayern war ganz unspektakulär“

Marco Toppmöller trägt mit seinen Kontakten zum attraktiven Teilnehmerfeld des Junior-Cup in Leiwen bei - 5vier sprach mit ihm

Von Florian Schlecht

Das hochkarätig besetzte Teilnehmerfeld beim Junior-Cup des SV Leiwen vom 21. bis 23. Juni hängt stark mit den Kontakten von Marco Toppmöller zusammen. Der 35-Jährige trainierte für vier Jahre Jugendmannschaften beim FC Bayern, hospitierte bei Ajax Amsterdam und dem AC Mailand. 5vier unterhielt sich mit dem Sohn von Heinz Toppmöller, der nach wie vor heimatverbunden ist.

Wenn Marco Toppmöller vom U11-Junior-Cup in Leiwen spricht, schwärmt er besonders vom Panorama vor Ort. „Die Weinberge im Hintergrund sind malerisch. Das hat noch alle Teilnehmer begeistert und dazu angehalten, im nächsten Jahr wieder hier teilzunehmen“, sagt der 35-Jährige. Doch auch für den Jugendtrainer ist die Rückkehr in die Heimat immer mit Glücksgefühlen verbunden. Wenn das Jugendturnier mit Mannschaften wie Borussia Dortmund, Schalke 04 und dem 1. FC Kaiserslautern startet, wird Toppmöller als Mitglied des Organisationsteams die Tage zu Hause ebenfalls genießen. „Ein Mal im Monat bin ich immer daheim, wo ich guten Gewissens ein Bier trinken kann. Die Familie und die Freunde sind wichtig für mich, die Toppmöllers sind traditionell heimatverbunden.“ Und sie sind fußballbegeistert. Ob das für Vater Heinz gilt, Onkel Klaus, Cousin Dino beim SV Mehring – und für Marco, der sich besonders für den Nachwuchsbereich begeistert.

Vier Jahre lang arbeitete er schon erfolgreich bei Bayern München als Trainer der U10 und U11. „Meine Bewerbung beim FC Bayern war eher unspektakulär“, erinnert sich Toppmöller, den es 2008 aus privaten Gründen an die Isar zog. „Ich habe mich einfach beim Verein vorgestellt. Zunächst war keine Stelle frei. Aber irgendwann hat mich Michael Tarnat angerufen und gesagt, dass sie mich gerne einstellen würden.“ Auf seinen prominenten Namen wollte sich Toppmöller damals nicht verlassen. „Meinem Vater und meinem Onkel habe ich gar nichts gesagt, bis ich die Zusage hatte.“ Die Erfahrungen, die er beim frisch gebackenen Champions-League-Sieger gesammelt hat, begeistern ihn nach wie vor. „Man hat ganz nahe an den Profis gearbeitet. Uli Hoeneß will nicht, dass der Verein vom Trainingsgelände an der Säbener Straße weggeht. Die Kinder begegnen ihren Idolen also jeden Tag hautnah und können ihnen nacheifern. Das finde ich wichtig.“

Den Sohn von Franz Beckenbauer trainiert

In seinen Jugendmannschaften arbeitete Toppmöller mit den Kindern von Franz Beckenbauer, Ivica Olic und Edson Braafheid zusammen. „Ihre Väter waren oft bei Spielen dabei.“ Der Tagesablauf der Talente, die beim FC Bayern Karriere machen wollen, liest sich jedoch recht straff. Organisation muss da schon früh erlernt werden. „Morgens müssen sie schon um 7 Uhr aus dem Haus, um in die Schule zu gehen. Und abends sind sie oft erst wieder um 20 Uhr daheim. Davor habe ich einen riesigen Respekt.“ Dafür erfährt der Nachwuchs in München auch einige Privilegien. „Das sind schon kleine Stars. Als 11-Jährige fahren sie zu Turnieren überall in Deutschland, in Prag, Dubai und sind mit ihren Trainingsanzügen gekleidet wie Profis.“ Hart war es für Toppmöller dann immer, wenn er einem Kind sagen musste, dass es keine Zukunft mehr bei den Bayern gibt. „Das war immer brutal. Aber am Ende zählt nur die Qualität.“

Beeindruckt war Toppmöller davon, dass Eltern nicht wie bei vielen anderen Jugendspielen ihre Söhne anbrüllen und den Schiedsrichter beschimpfen. „Es gibt einen Verhaltenskodex, an den sich alle zu halten haben. Alle Beteiligten haben einen Bundesligisten zu repräsentieren. Da schreit keiner rein.“ Auch die Trainingsarbeit gefiel dem ehemaligen Profi-Fußballer, der für den 1. FC Kaiserslautern auf zwei Bundesliga-Einsätze unter Andreas Brehme kam. In seiner Zeit arbeitete er eng mit Andries Jonker zusammen. Zu dem damaligen Co-Trainer von Louis van Gaal hält er nach wie vor Kontakt. „Von oben bis unten wird gleich trainiert. Was die Bayern heute ausmacht, ist ein großer Verdienst von van Gaal. Ich bin ein großer Freund des holländischen Fußballs.“

Hospitationen bei Ajax, Milan und Rapid

Die vergangenen Monate hat Toppmöller zu Hospiationen genutzt. Einige Wochen war er in Kanada, bei Ajax Amsterdam und beim AC Mailand. In Italien nahm er wahr, wie der Defensivriegel des Catenaccio noch eine wichtige Grundlage der taktischen Ausbildung ist. „Wichtig fand ich die Lebensfreude, die den Kindern dort vorgelebt wurde.“ Auch bei Rapid Wien hat er sich umgesehen. „Die Österreicher werden von vielen unterschätzt“, sagt er nicht erst seit dem 2:1-Sieg der Nationalmannschaft gegen Schweden, die nun sogar große Chancen auf die WM-Qualifikation 2014 hat. „Beim FC Bayern sind von 15 Internatsplätzen insgesamt sieben, acht an Österreicher vergeben. Dort arbeiten viele top ausgebildete Trainer, die auch den Kopf beanspruchen. In die Trainingseinheiten werden dort auch mal Mathematik-Übungen eingebaut.“

Erfahrungen, die Toppmöller für seinen Weg mitnehmen möchte. Im Sommer übernimmt er wieder eine U15 eines Bundesligavereins. „Drei Jahre will ich noch in der Jugendarbeit tätig sein, dann aber schon gerne in den Seniorenbereich rein“, sagt der Mann aus Hetzerath. Zunächst einmal zählt aber seine Heimatverbundenheit beim Junior-Cup des SV Leiwen. Dort gehört er vom 21. bis 23. Juni zum Organisationsteam, um das große Turnier mit vielen hochkarätigen Mannschaften in den drei Tagen auf die Beine zu stellen.

Junior-Cup in Leiwen – Vom 21. bis 23. Juni wird in Leiwen der U11-Junior-Cup ausgetragen, an dem unter anderem Borussia Dortmund, Schalke 04 und der 1. FC Kaiserslautern teilnehmen. Zu den wichtigsten Turnierinfos geht es hier.

 

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