Buntes: Mehr als nur Töne erzeugen – Dale Albright im Interview

Am Samstag, den 29. Oktober hat „The King and I“ Premiere im Theater Trier. 5vier.de hat sich vorab mit Dale Albright dem Regisseur des Musicals unterhalten um zu erfahren, was einen bei dieser Produktion erwarten wird und wie er seine Arbeit sieht.

Nach den Tagebüchern der englischen Lehrerin Anna Leonowens entwickelte Margaret Landon den Roman, aus dem wieder Richard Rodgers und Oscar Hammerstein 1951 das weltbekannte Musical entwickelten. Inhaltlich geht es um die Lehrtätigkeit der Anna Leonowens, die die zahlreichen Kinder des Königs von Siam an dessen Hof in der englischen Sprache unterrichten soll, dabei fällt sie durch ihren Intellekt und ihre Kritikfähigkeit auch dem Monarchen auf. Eine zarte Bindung entwickelt sich zwischen den beiden, die jedoch aus ständischen und kulturellen Differenzen keine Zukunft haben kann. Anna Leonowens hat in ihren Tagebucheinträgen an einigen Stellen nicht nur dick aufgetragen, mit der Wahrheit nahm sie es oft auch nicht allzu genau.

Genau nimmt es dafür Dale Albright in seiner Inszenierung, zum dritten Mal in seiner Karriere führt er Regie für „The King and I“; das letzte Mal in Kaiserslautern, in der Inszenierung spielte auch Nadine Eisenhardt mit, die in Trier große Erfolge mit ihrer Rolle als Eliza Dolittle feierte. Wichtig ist ihm in seiner Arbeit vor allem eins: dass das Stück lebt. Dafür müssen Sänger, die mit ihm arbeiten auch mal ungewohnt viel beschäftigt sein. Details sind wichtig, Arbeit mit den Händen, Gänge auf der Bühne, alles was Natürlichkeit erzeugt. Teilweise eine völlig neue Erfahrung, vor allem für alteingesessene Opernsänger, wie er schon erfahren musste. „Singen ist mehr als nur Töne erzeugen, Musik wird aus mehr komponiert als nur aus Noten.“ Da er selbst Sänger in seiner

Charaktertenor und Regisseur - Dale Albright

18. Spielzeit in Innsbruck ist, weiß er wovon er spricht. Und kennt auch die Sorgen und Probleme denen sich ein Sänger während einer Inszenierung stellen muss. „Ich habe selbst genug Erfahrungen gemacht, sowohl mit sehr guten als auch recht schlechten Regisseuren. Ich versuche aus jeder Zusammenarbeit auch etwas für meine eigene Arbeit als Regisseur mit zu nehmen.“ Der Wunsch Regisseur zu sein keimte bei ihm aus dem Wunsch Geschichten zu erzählen. Die Intendantin des Theaters Innsbruck Brigitte Fassbaender ermöglichte ihm die ersten Schritte auf diesem neuen Parkett, seitdem inszeniert er in Innsbruck in jeder Spielzeit größere oder kleinere Stücke. Er versucht immer ein angenehmer Regisseur zu sein, doch ganz ohne Härte geht es eben nicht, schließlich muss es einem Regisseur darum gehen, seine Ideen auf der Bühne zu verwirklichen.

„The King and I“ ist durch die Arbeiten in Innsbruck und Kaiserslautern keine Unbekannte mehr für Albright, trotzdem ist es jedes Mal etwas anderes. Die Kostüme und das Bühnenbild sind zwar dasselbe, doch die Leute sind immer etwas Neues. „Man muss mit jedem anders arbeiten, nicht jeder nimmt die Ideen so gut an und nicht jeder kann und will soviel von sich preisgeben, wie sein Kollege.“ Dabei geht es Albright vor allem um die Emotionen, die vermittelt werden sollen. Jede Szene soll eine Stimmung rüberbringen, geht es doch in „The King and I“ vor allem um die „Love storys“ wie er sie nennt. Der politische Aspekt, das Aufeinandertreffen zweier fremder Kulturen schwingt stets mit, bleibt in seiner Inszenierung jedoch hintergründig. Der Zuschauer soll nicht grübelnd nach Hause fahren, sondern sich ganz von der Geschichte und den Stimmungen mitreißen lassen. Auch deshalb bringt er keine aktuellen, politischen Aspekte mit ein, das Bild bleibt historisch, sogar oppulent, doch locker. Der Zuschauer soll nicht überschüttet werden, weder mit politischen Weltanschauungen noch mit überbordenden Bildern. Er will dem Stück treu bleiben und sich ganz auf die bekannte Geschichte verlassen, die es schaffen kann den Zuschauer zu fesseln ohne völlig gegen sich zu streben oder in eine Modernität gezogen zu werden. „The King and I“ ist kein Musical „zum Mitrocken“, sagt er, sondern es besticht durch seine Exotik und die hoffnungslosen Liebesgeschichten. Ein Stück zum Mitleiden. Zum Mitlachen. Zum Mitweinen.

Über das Trierer Ensemble weiß Albright nur positives, vor allem die Auswahl der Besetzung findet er sehr gelungen und lobt seine Sänger in den höchsten Tönen. Seine Lieblingsrolle ist übrigens die der Tuptim, deren tragische Liebe ihm besonders ans Herz gewachsen ist. In Trier wird sie gespielt von Claudia- Denise Beck, die bereits in ihrer zweiten Spielzeit hier ist.

5vier.de wünscht allen Beteiligten eine erfolgreiche Premiere und wird sich die Inszenierung anschauen und berichten. Für die zweite Vorstellung am 1. November sind noch Karten zu haben, die Vorstellung beginnt um 19.30 Uhr. Schnell bestellen!

Artikelbild: Pressematerial Theater Trier

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