Music Monday – Die Grammys oder der Babybauch?

Relevanter Preis oder Kommerzhype? Wir haben Musiker gefragt

Die Grammy Awards sind mehr noch als die Oscars in der Filmbranche ein Synonym dafür, wie abgekoppelt eine Branche von ihrer Basis operieren kann. Dieses Jahr fand die Preisverleihung zum 59. Mal statt und präsentierte einmal mehr vor allem eines: gehypte Stars und wenig Überraschungen. Wir haben uns unter Musikern in der Region umgehört, was sie von den Grammys halten…

Trier / Los Angeles. Seit 1959 werden die Grammy Awards von der National Academy of Recording Arts and Sciences jedes Jahr in Los Angeles verliehen. Die Trophäe, eine Grammophonskulptur in goldglänzendem Design, wurde dieses Jahr in 84 Kategorien verliehen. Ein Großteil der weniger populären Genres wird in der „Premiere Ceremony“ abgefertigt, sozusagen eine Show vor der großen Hauptshow. Von wirklicher Relevanz ist natürlich nur das Main Event mit den 24 Hauptkategorien.

Was sich bei den Nominierungen schon abzeichnete, bewahrheitete sich am gestrigen Abend. So gingen fünf Trophäen an das britische Stimmwunder Adele, die deutlich gegen die sage und schreibe neun mal nominierte Beyoncé gewann, welche im Endeffekt nur zwei Grammys mit nach Hause nehmen durfte.  Dafür war die R’n B-Queen mit sichtbarem Babybauch das sonstige Gesprächsthema des Abends, der erst vor knapp zwei Wochen für einen Instagramm-Rekord sorgte. Am ersten Tag sammelte das sorgfältig inszenierte Babybauch-Bild bisher ungeschlagene 9 Millionen Likes im Netz. Wen interessieren da noch die Grammy Awards…

Von der Preisverleihung haben viele Musiker in der Region dementsprechend auch gar nichts mitbekommen. An Frank Schille, Frontmann von den Trierer Heavyrockern „Blessed Hellride“ gingen die Grammys dieses Jahr komplett vorbei: „[Die Grammys] interessieren mich eigentlich […] nicht. Werden vielleicht irgendwann mal relevant…aber nicht jetzt.“ Das deckt sich mit der Meinung der meisten regionalen Musiker, die wenig Interesse für die Multi-Millionen-Dollar-Show im fernen Los Angeles haben.

Thomas Teusch, Schlagzeuger bei den Cover-Rockern „Gently Jokers“ teilt diese Meinung ebenso:

„Nicht relevant für mich. Klar ist das für den Künstler eine Wertschätzung seiner Arbeit, aber zusätzlich motivieren würde mich das persönlich nicht, eher sogar […] demotivieren, da der ein oder andere vielleicht glaubt genug geleistet zu haben. Man freut sich als Musiker über jede positive Kritik an seinem Schaffen, aber der Applaus des Zuschauers ist das Brot des Musikers, nicht irgendein Gegenstand als Statussymbol.“

Michael Crenshaw, Gitarrist bei der Neuwieder Pop-Band „In Polaroid“, ist den Grammys etwas freundlicher gesonnen:

„Ich persönlich bekomme das mit und freue mich natürlich über die Wertschätzung der Musik einiger Künstler. Andererseits sehe ich es nicht als ein „Qualitätssiegel“ sondern eher als eine Popularitätsauszeichnung. Die Musikwelt ist heutzutage so unglaublich divers, dass es unmöglich wäre das in einer Preisverleihung darzustellen. Man muss sich einfach ein eigenes Urteil bilden.“

Immerhin der 2016 verstorbene David Bowie erhält mit immerhin 4 Trophäen posthum nochmal die Anerkennung, die sein einzigartiges Lebenswerk verdient, dass Anfang letzten Jahres mit seinem hochgradig experimentellem Album „Blackstar“ mit einem mutigen Ausrufezeichen abgeschlossen wurde. Für ein Ausrufezeichen der etwas anderen Art sorgten die Twenty One Pilots, die mit Unterhosen auf die Bühne kamen, um ihren Preis für die „Best Pop Duo/Group Performance“ entgegenzunehmen.

 


Darüberhinaus zollte Adele dem im Dezember letzten Jahres verstorbenen Pop-Giganten George Michael Tribut, Bruno Mars wurde in den ebenfalls verstorbenen Prince transformiert, Daft Punk waren nochmal live zu sehen und die Jungs von Metallica präsentierten ihren aktuellen Song „Moth Into Flame“ mit niemand geringerem als Lady Gaga. Das dabei nur das Mikrofon der Pop-Ikone angeschaltet war, ärgerte nicht nur das Rock-affine Publikum sondern offensichtlich auch Metallica-Frontmann James Hetfield. Der verabschiedete sich nach dem letzten Power Chord mit einem wütenden Kick gegen seinen Mikrofon-Ständern und warf sichtlich pissed seine Gitarre hinter die Bühne.

So ging ein Pop-Abend zu Ende, der vor allem die stimmgewaltige Adele so richtig zufrieden gestellt haben sollte und ansonsten nur wenig Aufmerksamkeit erregt hat. Eigentlich hätte der größte Musikpreis der Welt Potenzial für mehr…

Wir haben nochmal alle Gewinner für euch:

Album of the Year: Adele – 25

Record of the Year: Adele – 25

Song of the Year: Adele – „Hello“

Best rap album: Chance The Rapper – Coloring Book

Best urban contemporary album: Beyoncé – Lemonade

Best country solo performance: Maren Morris – „My Church“

Best rock song: David Bowie – „Blackstar“

Best pop duo/group performance: Twenty One Pilots – „Stressed Out“

Best new artist: Chance The Rapper

Best pop vocal album: Adele – 25

Best pop solo performance: Adele – „Hello“

Best R&B performance: Solane – „Cranes In The Sky“

Best R&B song: Maxwell – „Lake By The Ocean“

Best rap performance: Chance The Rapper featuring Lil Wayne & 2 Chainz – „No Problem“

Best rap/sung performance: Drake – „Hotline Bling“

Best R&B album: Lalah Hathaway – Lalah Hathaway Live

Best rap song: Drake – „Hotline Bling“

Best metal performance: Megadeth – Dystopia

Best rock performance: David Bowie – „Blackstar“

Best dance recording: The Chainsmokers – „Don’t Let Me Down“

Best dance/electronic album: Flume – Skin

Best music video: Beyoncé – „Formation“

Best country song: Tim McGraw – „Humble And Kind“

Best country duo/group performance: Pentatonix Featuring Dolly Parton – „Jolene“

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Zu guter Letzt nochmal ein großes Dankeschön an die Musiker aus der Region:

Frank Schille, Frontmann von „Blessed Hellride

Michael Crenshaw, Gitarrist von „In Polaroid

Thomas Teusch, Schlagzeuger bei  „Gently Jokers

Titelfoto: Araceli Arroyo ; https://flic.kr/p/JXs5R7 (Creative Commons)

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