Music Monday – Flogging Molly fordert Waden und Stimmbänder

Mischung aus irischem Folk und Punk-Rock

Zum vierten Mal spielten Flogging Molly in Luxemburg. Weltbekannt, aber nicht mainstream, brachten die irisch-amerikanischen Musiker das Atelier zum Kochen.

Wenn man im breiteren Bekanntenkreis fragt, wer mit zum Konzert von Flogging Molly kommen möchte, hört man leider viel zu oft: „Wen?“ Obwohl sie regelmäßig Europa bereisen, auf Festivals vor tausenden Menschen spielen und schon mehrfach in Luxemburg auftraten, sind sie noch lange nicht im Radio vertreten. Wer sich dann ein bis zwei Lieder anhört, ist in der Regel schnell begeistert.

Die vielzitierte Mischung aus irischem Folk und Punk-Rock weiß Liebhaber verschiedener Musikrichtung zu gefallen. So fand man am Donnerstag, den 7. September, im Publikum Vertreter von groß und klein, jung und alt, gekleidet in schwarz und bunt. Allerdings, das luxemburger Publikum ist nicht unbedingt für seine Begeisterungsfähigkeit bekannt. Das bekam leider die Vorband Val Sinestra zu spüren, die trotz aller Bemühungen und sehr ansprechendem Auftritt kaum Feuer entfachen konnte.

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Das wurde dann zur Chefsache. Schon beim Betreten der Bühne zeigten die Zuhörer ihre Motivation. Flogging Molly brachten mit den ersten drei Liedern, darunter „Drunken Lullabies“, die Menschen zum Singen und Tanzen und zeigten dadurch, mit welchem Anspruch sie das Konzert angehen. Es soll von Anfang bis Ende ein Erlebnis sein, Füller zum Zeitrumkriegen waren nicht dabei.

Sänger Dave King betonte immer wieder, wie gern sie nach Luxemburg kämen. Unwahrscheinlich, dass er das an den anderen Tour-Standorten nicht sagt, allerdings nimmt man ihm es zu hundert Prozent ab. Doch es geht nicht nur um die Fröhlichkeit des Moments. Aufgrund der Wetterlage in der Karibik und den USA gehen die Gedanken auch einmal um die Erdkugel, „Requiem for a dying song“ widmete der rotbärtige Frontsänger den Menschen, die Angst um ihr Hab, Gut und Leben haben mussten und müssen.

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Nicht einwandfrei ist die Akustik des Konzerts, wiederkehrend müssen die Mikros während der Lieder neu justiert werden, was Qualität einbüßen ließ. Außerdem hallten zu Beginn die Boxen, was man eher auf Dorfkonzerten zu hören bekommt. Die wunderbare Bridget Regan, Ehefrau Kings, gibt mit ihrer tin whistle und Geige den Songs den ganz besonderen Spirit, leider kam sie aufgrund der Probleme nicht so zum Zug, wie es sein sollte. Auch das Akkordeon ging hin und wieder etwas unter.

Ausbremsen tat es die begeisterten Zuschauer nicht, auch die Band ließ sich davon nicht runterziehen. Seit fast drei Monaten reisen die Kalifornier schon durch Europa, trotzdem wirkten sie so vital als wäre es ihr erstes Konzert. Es fiel außerdem auf, dass trotz des fesselnden Auftritts des Sängers, er seinen Nebenleuten den Raum und die Aufmerksamkeit gab, die ihnen gebührten – eine Seven-Men-Show.

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Nach Reptiles, einem nachdenklich-gesellschaftskritischen Stück, ging der Punk richtig ab. Wer jetzt noch beide Füße gleichzeitig auf dem Boden halten konnte muss gefrorenes Blut in seinen Adern tragen. Und jeder, der die erfolgreichsten Lieder kennt, grölte die Texte laut mit ins Atelier. Schön sollen sie singen können, schallte es von der Bühne runter.

Die Zugabe war obligatorisch, das Ende fand sich im Klassiker „Always look on the bright side of life“ wieder, was ein passender Abschluss war für eine Band, deren aktuelles Album „Life is good“ heißt. Nach einem Bad in der Menge mit Guinness in der Hand verabschiedete sich Flogging Molly, wohlwissend, dass sie beim fünften Auftritt in Luxemburg wohl mit jedem der anwesenden Zuschauer wieder rechnen dürfen.

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