Music Monday – Zwischen Technik-Orkan und Zuckerschock

Ein weiteres Metalcore-Fest von Svpport in Wittlich!

Schon Anfang März waren wir für den Music Monday zu Gast in Wittlich, wo die jungen Veranstalter svpport mit einem Herz für Metalcore und Hardcore in den letzten Monaten aus dem Nichts so einiges auf die Beine gestellt haben (siehe auch: Music Monday – Der knallharte Kampf gegen den Live-Schwund). Seitdem donnert es in schöner Regelmäßigkeit aus dem Haus der Jugend mit Double Bass-Teppichen und heftigen Break-Downs. Am vergangenen Wochenende gab es wieder ein fettes Band-Paket: „She Sells Sea Shells“, „Fortune Drives To Vegas“, „I Am Noah“ und „I Scream For Ice Cream“. Wir haben uns mal wieder in den Moshpit gewagt…

Trier / Wittlich. Schon aus der Ferne wirkt der Altbau des Haus der Jugend in Wittlich an diesem Abend wie ein düsteres Monument aus längst vergangener Zeit inmitten einer modernen Kleinstadt. Umso näher man kommt, desto lauter wird das donnernde Grollen…

I Scream For Ice Cream

Trotz Opening-Slot schon verdammt souverän: She Sells Sea Shells (Foto: Dustin Mertes)

„She Sells Sea Shells“ haben gerade die Bühne betreten und schichten bereits mit den ersten Klängen die Magengruben der Anwesenden mit heftigen Breakdown-Schüben um. Die Gruppe, die sich aus Mitgliedern aus Trier, Bad Kreuznach, Idar-Oberstein und Saarbrücken zusammensetzt, experimentiert zwar immer wieder mit kleinen Elektro-Elementen, ballert aber dann recht schnell mit altbekannten Mitteln los. Extrem positiv fällt die überaus tighte Zusammenarbeit zwischen Gitarre, Bass und Drums auf. Umso beeindruckender, dass der Mann am Schlagzeug heute nur den eigentlichen Drummer der Band vertritt. Nichtsdestotrotz macht der Ersatzmann Patrick, der eigentlich bei der Hermeskeiler Metalcore-Institution „From What We Believe“ (https://www.facebook.com/fromwhatwebelieve/) trommelt, seine Sache außerordentlich gut. Die Double-Bass sitzt auf den Punkt, was bei den vertrackten Rhythmen von „She Sells Sea Shells“ alles andere als selbstverständlich ist. Sänger Alexander Lips führt mit souveränen Screams durchs Programm und weist bereits eine vorbildlich Bühnen-Präsenz vor, einzig die Gesangs-Passagen wackeln hier und da ein bisschen, was aber auch am zunächst nicht ganz optimalen Sound liegen kann.

(Foto: Dustin Mertes)

Derartige Probleme versuchen die Jungs von „Fortune Drives to Vegas“ von vornerein zu umgehen und lassen sich jede Menge Zeit beim Soundcheck. Der Sound mit dem die Jungs aus Alf bei Bullay an der Mosel dann mit leichter Verspätung auf die Bretter treten, wirkt dann aber auch auf Anhieb perfekt ausgesteuert. Die Band steht diesem professionellen Eindruck in nichts nach: wie auf Knopfdruck werden aus vermeintlich schüchternen Musikern hyperaktive Performer, die jeden Zentimeter der doch recht kompakten Bühne nutzen, um sich zur energetisch aufgeladenen Musik zu bewegen. Die progressive Schlagseite hinter den knackigen Metalcore-Songs macht die chaotische Choreographie nicht unbedingt einfacher. Was Thomas und insbesondere Leon hier an der Gitarren-Front leisten ist stellenweise nicht von dieser Welt und zu jedem Zeitpunkt perfekt auf den Punkt. Zudem fällt auf wie perfekt die Jungs die abwechselnden Vocals zwisschen Pascal und Über-Gitarrist Leon aufeinander abgestimmt haben. Zwischen abgrundtief bösen Growls, manchmal beinahe verzweifelten Schreien und fast schon introvertierten Passagen passt „Fortune Drives to Vegas“ die benötigten Vocals songdienlich an und kombiniert die ungleichen Stimmen mit extremer Souveränität miteinander um immer wieder Gänsehaut-erzeugende Höhepunkte zu erschaffen. Das gipfelt schießlich in einem Abgang, bei welchem Gitarrist Leon unverstärkt ins Publikum schreit, während alle Instrumente bereits verhallt sind. Ein atmosphärisches Finale für eine beeindruckende und doch mitreißende Technik-Show!

Gigantisch guter Gitarren-Künstler: Leon von „Fortune Drives to Vegas“ (Foto: Dustin Mertes)

 

Hat die Menge auf Anhieb im Griff: Sören von „I Am Noah“ (Foto: Dustin Mertes)

Next up: die Trierer Krachmacher „I Am Noah“, die bereits beim letzten Event in Wittlich dabei waren. Und auch diesmal wird wieder deutlich, wie sehr die Jungs das metallene Zepter der Region im Griff haben. Trotz der wirklich gelungenen Auftritte von „She Sells Sea Shells“ und „Fortune Drives To Vegas“ ist schon bei den ersten Klängen von „I Am Noah“ klar, wer hier der Boss ist. Das liegt nicht nur am geradezu perfekten und übertighten Spiel der Jungs, sondern an den überragenden Frontmann-Qualitäten von Sören Frechen. Der growlt zwar nicht zwangsläufig so viel besser als seine Kollegen, aber das Publikum frisst ihm von der ersten Sekunde an aus der Hand. Während die Forderungen der anderen Sänger des Abends, das Publikum solle doch ruhig etwas näher zur Bühne kommen, scheinbar ungehört verhallen, wagt hier niemand der Forderung Widerstand zu leisten. Auf unerklärliche Weise verfügt Sören über diese einschüchternd-sympathische Anführer-Präsenz, die auch die Zuhörer von James Hetfield (Metallica), Bruce Dickinson (Iron Maiden) oder Robb Flynn (Machine Head) vor Ehrfurcht erstarren lässt (ohne das da jetzt gesangliche Parallelen wären). Wie schon Anfang März legen „I Am Noah“ die Messlatte des Abends mit spielerischer Leichtigkeit ein Stück höher. Die Gitarren arbeiten tight, der Bass liefert das tieffrequente Fundament und die Drums treiben den Technik-Orkan unentwegt nach vorne.

Ungewohnter Headliner: „I Scream For Ice Cream“ (Foto: Dustin Mertes)

Dagegen haben es selbst die von Anfang an extrem professionell auftretenden „I Scream For Ice Cream“ aus Mayen schwer, die die kleine Bühne mit zusätzlichen Licht-Effekten nochmal gehörig aufmotzen. Der extrem eingängige Metalcore mit viel Elektro-Einsatz und vor allem ungemein herausstechenden Kopfstimme-Gesangsmomenten vom Clean-Sänger Gabe wirkt im Kontext der deutlich düstereren Vorbands fast wie ein Fremdkörper. Dabei kann man der kunterbunten Popcorn-Show mit Screams, Riffs und eben regelrechten Pop-Momenten technisch in keinster Weise etwas vorwerfen. Diese Kombination aus Shouts und Clean Gesang ist nur so ungewöhnlich, dass wahrscheinlich keine Band angemessen auf den Stil-Schock hätte vorbereiten können. Somit sind „I Scream For Ice Cream“ sicherlich nicht nur die am professionellsten erscheinende Bands des Abends, sondern auch zweifellos die originellste und einzigartigste, denn diesen Stilmix findet man im oft recht gleichförmigen Metalcore-Genre garantiert sonst nirgendwo. Ob man die geballte Ice Cream-Attacke mag, ist wohl Geschmackssache. Der Ansatz ein Genre derart umzukrempeln und damit Erfolg zu haben, zeigt dass die Jungs aus der tiefsten Vulkaneifel auf dem genau richtigen Weg sind!

Somit geht der Abend in Wittlich wieder mit der Gewissheit zu Ende, dass es immer noch eine schier unerschöpfliche Menge talentierter Bands in der Region gibt, die dank Svpport die dringend benötigte Plattform bekommen, um ihre Musik live an den Mann zu bringen. Wir drücken den Jungs aus Wittlich weiterhin alle Daumen und bleiben für euch weiter dran!

Infos zu I Scream For Ice Cream: https://www.facebook.com/isficmusic/

Infos zu I Am Noah: https://www.facebook.com/iamnoahofficial/

Infos zu Fortune Drives To Vegas: https://www.facebook.com/fortunedrivestovegas/

Infos zu She Sells Sea Shells: https://www.facebook.com/shesellsseashellsband/

 

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln