Nachblende: Die zwei Gesichter der Eintracht in Koblenz

Trier zeigt beim Pokalfight im Stadion Oberwerth erst nach 60 Minuten Qualität

Von Jan Kowalski

Vor zwei Wochen standen die Spieler der Eintracht aus Trier noch völlig enttäuscht auf dem Rasen im Stadion Oberwerth in Koblenz. Gerade hatte man das Ligaspiel in der Regionalliga Südwest gegen den Rivalen vom Deutschen Eck mit 0:1 verloren und somit alle realistischen Aufstiegshoffnungen für diese Saison begraben. Als Chance blieb der Eintracht nur noch der Rheinlandpokalwettbewerb. Dort gelang gestern nach einem wirklich Pokalkampf die Revanche für die Pleite in der Liga und der Einzug ins Halbfinale gegen die TuS.

Harter Pokalkampf am Mittwochabend

Harter Pokalkampf am Mittwochabend zwischen Koblenz und Trier

Ein „Alles oder Nichts“- Spiel

Einmal tief durchatmen. Das Rheinlandpokalspiel zwischen TuS Koblenz und Eintracht Trier hat den beiden Mannschaften und denn knapp 2000 Zuschauern im Stadion Oberwerth am gestrigen Abend alles abverlangt. Eintracht-Trainer Kiefer hatte bereits kurz nach dem Schlusspfiff gesagt: „Wir haben heute glücklich gewonnen, aber das interessiert jetzt nicht besonders.“  Wieder einmal offenbarte die Mannschaft aus dem Moselstadion verschiedene Halbzeiten und Gesichter. Seit dem letzten Spiel in Koblenz hatte die Mannschaft unter dem neuen Trainer Kiefer zunächst eine gute Leistung gegen Kellerkind Worms gezeigt, danach aber in den Spielen gegen Hoffenheim und Baunatal  über weite Strecken enttäuscht. Auch in den ersten 60 Minuten des Pokalviertelfinales trieben die Moselstädter  ihre mitgereisten Anhänger  nicht gerade zu Jubelstürmen an. Die Mannschaft zeigte insbesondere in der ersten Hälfte eine unterdurchschnittliche Leistung und vieles erinnerte an den Auftritt vor zwei Wochen an selber Stelle. Verdientermaßen lag die Mannschaft zur Halbzeit hinten und konnte kurz nach dem Wiederanpfiff froh sein, nicht noch das 2:0 zu kassieren. Übungsleiter Kiefer hatte in der Halbzeitpause an seine Spieler appelliert: „Ich bin nicht laut geworden, sondern habe die Mannschaft einfach sachlich gefragt, ob das ihr Ernst ist.“ Die im Vorfeld der Partie öfter angesprochende Abschlussschwäche der Eintracht in der Rückrunde machte der Mannschaft auch dieses Mal zu schaffen.

Doch die Trierer fingen sich ab der 60. Minute und zeigten ihr zweites Gesicht. Gegen stark ersatzgeschwächte Koblenzer entwickelte sich im zweite Teil der 120 Minuten eine offene Partie mit Vorteilen für die Blau-Schwarz-Weißen von der Porta Nigra. Sinnbildlich für diese Entwicklung im Spiel der Eintracht stand Steven Kröner. Der Mittelfeldakteur hatte bis zu seinem Tor in der 71. Minute auf dem Platz eine sehr bescheidene Leistung gezeigt. Dann aber legte er den ganzen Frust in diesen einen Schuss, der zum Befreiungsschlag für die Eintracht werden sollte. Nach dem Ausgleich, der bis dahin nicht wirklich zu erwarten war, spielten die Trierer auch wieder flüssigeren Fussball und kamen zu zahlreichen Gelegenheiten. Das Selbstbewusstsein auf Seiten der Gäste schien zurückgegekehrt. In der Verlängerung taumelte Koblenz wie ein angeschlagener Boxer, doch der finale K.O.-Schlag gelang dem SVE noch nicht.  Am Ende zeigten die Akteure der Eintracht beim Elfmeterschießen keine Nerven und versenkten alle fünf Bälle im Tor. Anders als die Gegner aus Koblenz, die an Andreas Lengsfeld im Tor der Eintracht scheiterten. Der Torwart, der sein erstes Spiel in der Rückrunde bestreiten durfte, avancierte somit zu einem der Helden des Abends. Der Wechsel im Kasten der Eintracht machte sich bezahlt und Lengsfeld nutze seine Chance, um sich auszuzeichnen. Ob der Schlussmann auch in den folgenden Spielen zwischen den Pfosten stehen wird, bleibt abzuwarten.

Insgesamt konnte man die Erleichterung bei allen Spieler auf dem Rasen spüren, dass immerhin im Pokal alles nach Plan verläuft. Mittelfeldspieler Christoph Anton war:“ Überglücklich und wirklich erleichtert über die Kampfleistung der Mannschaft“ und Spielmacher Alon Abelski scherzte lächelnd: “ Beim letzten Elfer war ich nicht nervös, das war wie im Training.“ Auch in den Reihen der mitgereisten Eintrachtanhänger war die Freude über den Sieg und die finanziellen Vorteile durch den Erfolg deutlich zu spüren, und so ließ sich die Mannschaft nach dem Elfmeterschießen von ihren Fans auch gebührend feiern. Trainer Kiefer war froh: “ Das die Mannschaft diese Alles oder Nichts-Spiel  für sich entschieden hat.“ So konnte die Mannschaft die Anhänger für die zuletzt sehr wechselhaften Auftritte und die erste Halbzeit entschädigen.

Mannheim vor der Brust, Rheinlandpokal im Blick

Lange können die Verantwortlichen und Spieler von Eintracht Trier den wichtigen Erfolg im Pokal allerdings nicht nachjubeln, denn schon am Samstag wartet die nächste Aufgabe auf das Team von der Mosel. In der Regionalliga geht es an diesem Spieltag zu Waldhof Mannheim und auch dort will die Eintracht etwas mitnehmen. Trainer Kiefer hofft, dass das Team nach dem Sieg gegen Koblenz jetzt mehr an sich glaubt und die einzelnen Spieler wieder Selbstbewusstsein entwickeln, besonders aufgrund der guten letzten 60. Minuten im Stadion Oberwerth. Das Hauptziel der Eintracht in der Saison, nach dem wahrscheinlich verpassten Aufstieg, bleibt allerdings der Gewinn des Rheinlandpokal. Mit dem knappen Sieg gegen den namhaftesten Konkurrenten aus Koblenz bereits im Viertelfinale, erwarten die Eintracht jetzt nur noch unterklassige Gegner. Im Halbfinale trifft die Mannschaft dabei in knapp drei Wochen auf den Rheinlandligisten SG Mülheim-Kärlich. Das andere Halbfinale bestreiten die SG Altenkirchen und die Spfr. Eisbachtal. Alles andere als ein abermaliger Gewinn des Rheinlandpokal durch die Eintracht aus Trier wäre eine große Überraschung, dass weiß auch das gesamte Umfeld des Vereins. Der gestrige Sieg gegen die TuS war ein sehr großer Schritt in Richtung Titelverteidigung. Die damit verbundene Teilnahme am DFB Pokal im nächsten Jahr wäre für den Verein auch in finanzieller Hinsicht eine deutliche Erleichterung.

Eintracht Trier gegen TuS Koblenz - Viertelfinale Rheinlandpokal

In den folgenden Ligaspielen und dem Halbfinale im Pokal sollten die Trierer versuchen öfter an die Spielweise aus der zweiten Hälfte in Koblenz anzuknüpfen. Die vom neuen Trainer bemängelten technischen Fehler müssen weniger werden und es sollte wieder mehr Spielfluss entstehen. Eine indisponierte Leistung wie gegen Koblenz in der ersten Hälfte wird weder gegen die gerade aufstrebenden Mannheimer, noch gegen die verbleibenden Gegner im Rheinlandpokal reichen. Dennoch wird der Pokalabend im Koblenz den Anhängern und Spieler der Eintracht wohl noch lange im Gedächnis bleiben und dass absolut zurecht.

Wer die Ereignisse von gestern nochmals sehen will, hier ist das 5vier-Video zum Pokalspiel in Koblenz:

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