„Nicht die Herkunft, sondern das Verhalten entscheidet!“

Das Sicherheitskonzept der Trierer Polizei für Fastnacht

Bundesinnenminister Thomas de Maizière spricht nicht erst seit dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt von einer abstrakten, aber hohen Gefährdungslage in der Bundesrepublik. Daher ist auch an Karneval, wo tausende Menschen friedlich und ausgelassen in den Straßen der Region feiern möchten, erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Die Polizei- und Ordnungsbehörden der Stadt Trier haben nun ihr Sicherheitskonzept für die anstehenden tollen Tage vorgestellt…

Trier. „Trier möchte eine offene Stadt sein, aber man möchte sich natürlich auch sicher fühlen“, fasst Andreas Ludwig, Dezernent für Umwelt, Planung, Bauen, Schulen und Sport das Sicherheitskonzept zusammen. Demzufolge verzichtet man am Weiberdonnerstag und beim traditionellen Rosenmontags-Umzug auf die viel diskutierten Beton-Barrieren an den Zugängen zur Innenstadt. Nichtsdestotrotz wird die seit Berlin erheblich konkreter gewordene Terror-Gefahr bei der Planung natürlich berücksichtigt. Statt Trier mit Beton-Blöcken zu verbarrikadieren, hat man ein großräumiges Einfahrts- und Durchfahrtsverbot für sämtliche Kfz über 3,5 Tonnen zGG festgelegt, welches durch robuste Kontrollstellen kontrolliert und umgesetzt wird. Alle größeren Straßen mit Zugang zur Innenstadt werden durch Polizei-Fahrzeuge versperrt und zusätzlich durch weitere technische Möglichkeiten wie sogenannte Nagelstreifen abgesichert. Der stellvertretende Polizeipräsident Franz-Dieter Ankner begründet diese Entscheidung wie folgt: „Wir wollen Sicherheit gewährleisten, aber die Menschen sollen unbeschwert feiern können.“

Um das umzusetzen, setzt man auf eine deutliche Polizeipräsenz an den möglichen Brennpunkten. Mit bis zu 230 Einsatzkräften wird es im Stadtgebiet zahlreiche Ansprechpartner der örtlichen Behörden geben, die zudem auch vereinzelt in zivil unterwegs sein werden. Ein weiteres wichtiges Standbein des Sicherheitskonzeptes ist die Videoüberwachung, die in der Innenstadt mit zahlreichen installierten Kameras realisiert wird. Zudem werden Beamte mit den sogenannten Body-Cams unterwegs sein, die sich bereits bei mehreren Großveranstaltungen bewiesen haben. Mit einer Speicherfrist von 10 Tagen sollen die Datenschützer beruhigt werden, die zu dem durch entsprechende Beschilderung in der ganzen Stadt auf die Videoüberwachung aufmerksam gemacht werden.

Die nach den Ereignissen der Kölner Silvesternacht 2015/16 vergrößerten Unsicherheit gegenüber Flüchtlingen und Immigranten nimmt Ankner gleich den Wind aus den Segeln und setzt auf Präventivmaßnahmen: „Nicht die Herkunft von Gruppen, sondern das Verhalten entscheidet ob jemand kontrolliert wird.“ Um eventuellen kulturellen Missverständnissen vorzubeugen, werden zudem mehrsprachige Flyer in Erstaufnahmeeinrichtungen und kommunalen Sammelunterkünften verteilt, die das Brauchtum „Fastnacht“ kurz und bündig erklären.

Für Andreas Ludwig ist die Polizei Trier gut vorbereitet, auch wenn er sich bewusst ist, dass anstrengende Tage vor den Beamten liegen. Er vermutet die größte Gefahr für die tollen Tage im nahenden Orkantief, welches den Narren in der Region mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

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