Für Mehring wird es im Keller düster – Salmrohrs 1:0-Coup

Von Florian Schlecht

„Das war ein Schlag auf die Fresse.“ Deutliche Worte fand Dino Toppmöller nach der 0:1-Heimpleite des SV Mehring gegen den TuS Mechtersheim. Für den Oberligisten wird die Luft im Abstiegskampf immer dünner. Anders sieht die Seelenlage beim FSV Salmrohr aus, der das Spitzenspiel beim SC Hauenstein mit 1:0 gewann. Johannes Kühne traf kurz vor dem Ende zum Siegtreffer.

Mehring unterliegt 0:1 – „Es wird nicht leichter“

„Mir tut die Mannschaft leid, weil sie sich nicht belohnt“, sagt Robert Jung. Foto: Sebastian Schwarz

Es war ein spontaner Gedanke, den Dino Toppmöller prompt in die Tat umsetzte. Der Routinier des SV Mehring wollte sich Luft verschaffen nach der deprimierenden 0:1-Heimpleite gegen den TuS Mechtersheim – und sah sich als Psychologe in der Pflicht. Unmittelbar nach dem Abpfiff versammelte der Angreifer seine Mannschaftskameraden im Regen am Mittelkreis. Minutenlang sprach Toppmöller, fand deutliche Worte, rüttelte wach, baute auf. „Das war ein Schlag in die Fresse“, sprach der 32-Jährige hinterher unverhohlen aus, was er über den Rückschlag in der Fußball-Oberliga dachte. „Wir kommen nur gemeinsam aus dem Tief raus. Schuldzuweisungen gibt es nicht. Aber wir müssen uns mehr zutrauen. Das Selbstvertrauen ist nicht da. Und der Kopf macht bestimmt 80 Prozent der Leistung aus.“

Doch langsam schwimmen Mehring im Abstiegskampf die Felle davon. Besonders nach dem erschreckenden Auftreten im zweiten Durchgang. Auf das aggressivere Vorschieben von Mechtersheim nach dem Seitenwechsel hatte die Heimelf kein probates Gegenmittel. In den Zweikämpfen war sie hoffnungslos unterlegen, im Spiel nach vorne gab es kaum Entlastung und keinerlei Esprit. Als Marvin Sprengling wenige Minuten nach seiner Einwechslung mit einem wuchtigen 17-Meter-Schuss zum 0:1 traf (78.), da hatte sich der Treffer schon angebahnt. „In der zweiten Halbzeit fehlte uns die Ordnung, wir sind zu ängstlich aufgetreten“, mahnte Toppmöller an.

Er haderte auch mit dem ersten Abschnitt, in dem Mehring zwei dicke Möglichkeiten vergab, um die Weichen in die eigene Richtung zu stellen. Dort begannen die Platzherren mit der Vorgabe, auf Fehler des Gegners zu lauern und nach Ballbesitz schnelle Konter vorzutragen. Doch mit der Taktik erspielte sich die Mannschaft die einzigen großen Chancen in einer an Höhepunkten armen Partie. Nach fünf Minuten wurde Andre Weinberg von Toppmöller schön freigespielt. Ganz frei lief der Mittelfeldspieler auf Dennis Neudahm zu, wollte den Ball flach am Torhüter vorbeischieben. Aber der verhinderte die Führung und wehrte zur Ecke ab. Mit dem Pausenpfiff war es dann Toppmöller, der ebenfalls ungestört starten konnte. Der ehemalige Bundesligaprofi schlenzte am gegnerischen Keeper und auch am Tor vorbei. „Eigentlich habe ich alles richtig gemacht. Leider ging der Schuss einen halben Meter vorbei“, schüttelte er verärgert den Kopf. „Da war das Glück nicht auf unserer Seite.“

„Ein 1:0 hätte Sicherheit gegeben. Das wäre für unser Selbstvertrauen wichtig gewesen“, meinte Trainer Robert Jung. Aber warum die Heimelf danach so kolossal einbrach, war ein Rätsel. Mechtersheim konnte mit seinen auffälligen Offensivspielern Eric Kiefer sowie Florian Hornig schalten und walten, wie es wollte. Jung versuchte sich in einer Ursachenanalyse – und fand Erklärungen. „Wir haben einige verletzte Spieler. Andreas Weber hat heute das erste Mal seit zwei Jahren wieder von Anfang an gespielt. Dino Toppmöller hat sich trotz eines fiebrigen Infekts zur Verfügung gestellt. Und unser Gegner hat einige Leute mit Format, die haben im Abspiel keine Fehler gemacht.“

Der Klassenerhalt wird langsam aber zur Herkulesaufgabe. „Die Gegner werden nicht leichter, da warten jetzt einige Kaliber mit Erfahrung“, meint Jung. Auf Punkte ist das Team aber bald angewiesen, mit Mechtersheim ist ein Kontrahent nun enteilt. „Mir tut die Mannschaft leid, weil sie sich für ihren Aufwand nicht belohnen kann.“ Mehring braucht ganz bald ein Erfolgserlebnis. Schon am Mittwoch (20 Uhr) im Nachholspiel bei der SG Betzdorf.

Mehring: Basquit – Diederich, Kohl, Müller, Weber (87. Schwarz) – Kön (62. Bradasch), Meyer – Boussi, Kohlei, Weinberg (68. Kaufmann) – Toppmöller.

Tor: 0:1 Sprengling (78.).

 

FSV Salmrohr: Eine Tortur mit Happy-End

Patrick Klyk freute sich über einen 1:0-Erfolg im Spitzenspiel. Foto: Sebastian Schwarz

Der FSV Salmrohr erlebte bei seiner Reise zum Spitzenspiel beim SC Hauenstein eine Tortur mit Happy-End. „Wir sind erst 40 Minuten vor dem Anpfiff im Stadion angekommen, weil uns niemand Bescheid gesagt hat, dass es im Ort eine Straßensperrung gibt“, erzählte der Sportliche Leiter Friedhelm Rach. So kurvte der Bus lange orientierungslos durch die Stadt, ehe der richtige Weg gefunden wurde. Die Reisegruppe aus Salmrohr stellte dann aber unter Beweis, Ärger schnell verdauen und trotzdem guten Fußball spielen zu können. Mit 1:0 siegte die Mannschaft von Patrick Klyk und schüttelte einen unmittelbaren Verfolger damit zunächst ab. Durch den Erfolg von Tabellenführer Zweibrücken bleibt Salmrohr weiter auf dem zweiten Platz.

Rach sprach von einem „verdienten Sieg“. Auch wenn das Tor des Tages erst in der 85. Minute fiel. Johannes Kühne köpfte eine präzise Flanke von Daniel Petersch gekonnt ein. „Die Spieler sind aggressiv aufgetreten, jeder gibt momentan alles, damit wir gewinnen“, freute sich Rach über die Mentalität in den eigenen Reihen. „Wir haben nur eine einzige Chance im gesamten Spiel zugelassen.“ Die vereitelte Torhüter Sebastian Grub im ersten Durchgang, als er einen Schuss der Hausherren mit dem Fuß abwehrte (29.). Ansonsten war das größte Salmrohrer Manko die Verwertung der eigenen Möglichkeiten. Markus Bauer, der für den verletzten Matondo Makiadi begann, scheiterte am gegnerischen Schlussmann (10.). Abschlüsse von Christian Schroeder (15.) und Robin Mertinitz (45.) strichen knapp am Tor vorbei.

Dazu spielte der FSV über eine Stunde in Überzahl, weil Marc Socher nach einer Notbremse die Rote Karte sah (40.). Als Vorteil stellte sich der Platzverweis aber nicht heraus. „Es war danach schwer, Räume zu finden, weil Hauenstein danach mit zwei Viererketten gespielt hat.“ Dennoch hatte die Geduld ein glückliches Ende. Bei der Busfahrt und im Spitzenspiel. Am Dienstag hofft Salmrohr nun, endlich das Rheinlandpokal-Achtelfinale beim FC Karbach durchführen zu können (19.30 Uhr). „Es sind ja nicht so gute Witterungsverhältnisse vorhergesagt“, bangt Rach. „Wenn es wieder eine Absage gibt, kommen wir mit den Nachholterminen langsam nicht mehr klar.“

Salmrohr: Grub – Petersch, Kühne, Hohns, Fischer – Schulz, Schraps – Mertinitz (90. Meschak), Adrian, Bauer (69. Schottes) – Schroeder (61. Baier).

Tor: 0:1 Kühne (85.).

 

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