Portrait: Angelina Kön – Von Hetzerath zur Jugendnationalmannschaft

Von Andreas Gniffke

Das Jahr 2011 hat mit der Fußballweltmeisterschaft der Damen in Deutschland einen ganz besonderen Höhepunkt. Angestrebt ist nicht weniger als die Fortsetzung des Sommermärchens von 2006 und der Titel für die DFB-Damen ist fest eingeplant. Am Fernseher und im Stadion wird auch Angelina Kön mitfiebern. Und ihren Traum weiterträumen, irgendwann auch einmal selbst das weiße Trikot mit dem Bundesadler in einem solchen Turnier tragen zu können. Die Chancen dafür stehen dabei gar nicht einmal so schlecht…

Foto: 5vier.de besuchte Angelina zuhause – dort zeigte sie uns auch ihre Medaillen-Sammlung

Die 13jährige Schülerin hat trotz ihres jungen Alters bereits einiges erreicht. Sie begann beim SV Hetzerath und spielt nun mit einer Gastspielererlaubnis bei den B-Juniorinnen des TuS Issel und ist dort die Jüngste in der Mannschaft. Eine echte Herausforderung, denn Issel spielt immerhin in der höchsten regionalen Spielklasse und Mitspieler wie auch Gegnerinnen sind in der Regel ein bis drei Jahre älter. Das Talent blieb auch von den Spähern des Fußballverbands nicht unentdeckt, bereits seit zwei Jahren spielt Angelina in der U15-Auswahl des Fußballverbands Rheinland. Der Höhepunkt folgte dann im September diesen Jahres, als sie von Bundestrainerin Bettina Wiegmann als einzige Spielerin aus dem Rheinland zum Sichtungslehrgang der U15-Nationalmannschaft nach Hennef eingeladen wurde. 5vier.de hat Angelina Kön zuhause besucht und mit dem großen Talent ein Gespräch über Träume, Ziele und das Alltagsleben einer jungen Spitzensportlerin geführt.

5vier: Du spielst im Verein, in verschiedenen Auswahlmannschaften, in der Fußball-, Basketball- und Handballschulmannschaft. Wie bekommst du das mit Schule, Training und Spielen zeitlich eigentlich alles unter einen Hut?

Angelina Kön: Das ist schon anstrengend. Ich stehe morgens früh auf, gehe in die Schule und bis ich mit dem Zug dann wieder zuhause bin ist es schon zwei Uhr. Dann mache ich zügig die Hausaufgaben und Abends ist dann meistens Training. Wenn ich dann noch Arbeiten schreibe lerne ich vor und nach dem Training und dann gehe ich auch recht früh ins Bett. Bis letztes Jahr habe ich auch noch jeden Tag entweder bei den Jungen oder Mädchen trainiert, das war dann aber zu viel für mich und meinen Körper, deshalb haben wir das jetzt auf dreimal die Woche reduziert.

5vier: Bleibt da noch Zeit für Freunde?

AK: Seit zwei Jahren geht das unter der Woche eigentlich nicht mehr. Jetzt in den Ferien konnte ich öfter noch was mit Freunden machen, aber sonst ist das schwierig. Abends setze ich mich aber oft noch eine Stunde an den Computer und chatte wenigstens mit meinen Freunden.

5vier: Du spielst ja neben dem Verein auch noch in der Schulauswahl des Max Planck Gymnasiums, wo Wolfgang Hoor dein Trainer ist. Auch dort seid ihr ja seit Jahren sehr erfolgreich.

AK: Wir haben in den letzten zwei Jahren jeweils das Bundesfinale in Berlin erreicht, das war für uns ein Riesenerfolg. Dieses Jahr hatten wir am Ende etwas Pech, sind aber immerhin auf Platz acht gelandet. Im März hatten wir in Kaiserslautern aus 477 Schulen die Landesausscheidung gewonnen. Insgesamt haben dort 477 Schulen teilgenommen und am Ende hat Horst Eckel mir als Spielführerin den Fritz-Walter-Pokal überreicht. Das war schon sehr beeindruckend.

Foto: Was für ein Moment: Angelina Kön und Horst Eckel (Foto: privat)

5vier: Da hast du ja im Finale sogar im Tor gespielt und im Sechsmeterschießen zweimal gehalten.

AK: Ja, aber eigentlich spiele ich natürlich im Feld. Da werde ich als Linksfuss meistens auf der linken Seite eingesetzt, manchmal spiele ich aber auch auf der 6er-Position. Wolfgang Hoor hatte sich daran erinnert, dass ich auch in der Handballmannschaft schon im Tor gespielt habe und so stand ich dann auf einmal zwischen den Pfosten.

5vier: Mit der Verbandsauswahl kommst du ja auch etwas in der Welt herum und bestreitet Freundschaftsspiele und Turniere im In- und Ausland. Entwickeln sich da auch Freundschaften unter den Auswahlspielerinnen, die sich ja nur selten im Jahr sehen?

AK: In diesen Sommerferien war ich mit der U15 in Norwegen. Da hatten wir ein Trainingslager und haben auch zweimal gegen die norwegische Landesauswahl gespielt. Wir haben einmal gewonnen und einmal verloren. Letztes Jahr waren die Norwegerinnen schon bei uns gewesen, da entwickelt sich ein richtiger Austausch. Außerdem habe ich mit Issel die letzten zwei Jahre bei der „Tofeo Mediterraneo“ in Spanien gespielt, dieses Jahr haben wir da mit der U16 sogar gewonnen. Was die Mädels in der Auswahlmannschaft angeht, so kenne ich die mittlerweile alle. Ich spiele mit Issel ja in der Regionalliga und die meisten aus der Rheinlandauswahl sind ja in der Saison meine Gegnerinnen, wenn sie nicht sogar selbst in Issel spielen. Da ist es auch schön, mal mit denen zusammen zu spielen und es haben sich auch schon echte Freundschaften entwickelt.

5vier: Vor ein paar Wochen bist du zum Sichtungslehrgang der Nationalmannschaft eingeladen worden, wo du auch wieder die Jüngste warst. Wie hast du das erlebt?

AK: Das war etwas ganz besonderes. Man hat sich toll um uns gekümmert, jeden Tag lag ein neues Trikot bereit und das Essen war super! Wir haben dreimal am Tag trainiert und sehr viele Tipps bekommen. Einmal kam auch der Psychologe der U21-Nationalmannschaft dazu und hat uns gezeigt, wie wir uns vom Kopf her verbessern können und wie wir damit umgehen sollen, wenn wir später einmal in der Nationalmannschaft spielen. Er hat uns auch einige Übungen gezeigt, das war sehr interessant, da hat auch wirklich jede Spielerin gut zugehört!

5vier: Und welches Feedback hast du bekommen?

AK: Ich gehörte sicher nicht zu den Besten, aber auch nicht zu den Schlechtesten. Am letzten Abend hat die Trainerin mich beiseite geholt und ausführlich mit mir gesprochen. Ich sei natürlich noch sehr jung und der Lehrgang sei erst einmal nur zum Reinschnuppern gewesen. Aber es war schön dabei gewesen zu sein und es war hoffentlich nicht das letzte Mal. Immerhin habe ich von Frau Wiegmann Hausaufgaben bekommen und muss nun alle Trainingseinheiten aufzeichnen. Man hat mich also weiter im Auge.

5vier: Gibt es denn schon irgendwelche Pläne, wie es mit der Karriere weitergehen könnte? Als potentielle Nationalspielerin wirst du nicht ewig in Issel spielen können…

AK: In Issel macht es mir zur Zeit riesigen Spaß und ich konzentriere mich ganz auf den Verein. Unser Trainer Günther Karthäuser fördert mich sehr gut und es gibt eigentlich keinen Grund für mich, jetzt wegzugehen. Ich hab mir zwar auch schon einmal Gedanken gemacht nach Duisburg zu wechseln und dort dann in einer Gastfamilie zu leben. Entsprechende Anfragen gab es schon, da darf man aber nur auf die Sportschule, wenn man im Nationalkader ist. Ansonsten gäbe es noch die Möglichkeit in eine Sportschule mit Internat zu gehen, das gibt es aber nur in Potsdam und Frankfurt. Das ist mir im Moment noch zu weit, dann könnte ich nur in den Ferien nach Hause kommen und das ist alles noch etwas zu früh für mich. Saarbrücken hatte sich auch schon gemeldet, aber wir wollen uns mit einer Entscheidung noch Zeit lassen.

Foto: In voller Aktion – hier beim Fritz-Walter-Cup (Foto: Wolfgang Hoor)

5vier: Dieses Jahr wurden die U20-Mädels Weltmeister im eigenen Land, nächstes Jahr ist die Damen-WM in Deutschland. Wirst du da auch irgendwie beteiligt sein?

AK: Für die U20-WM hatte mich die ehemalige Bundestrainerin Tina Theune von der FIFA aus zum Ballzauber-Lehrgang eingeladen, da sollte für die Eröffnungsfeier eine Fußballchoreographie einstudiert werden. Das hat aber zeitlich sehr schlecht gepasst und zeitgleich war das Auswahltrainingslager in Norwegen. Da musste ich mich entscheiden und bin dann doch lieber nach Norwegen gefahren. ich denke das hat mir letztendlich auch mehr gebracht. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, mir einige Spiele anzuschauen, ich bin schon ein großer Fan unserer Damen-Nationalmannschaft.

Es wird sich zeigen, wohin der Weg von Angelina Kön noch führt. Eine Sportkarriere ist zwar bis zu einem gewissen Punkt plan- und beeinflussbar, aber der lange Weg ist mit einer Vielzahl von Unwägbarkeiten gepflastert. Immerhin hat auch ein gewisser Justin Bieber Angelinas Fußballzimmer mit Postern und Bildern in ein echtes Teenagerzimmer verwandelt.

5vier.de wird den Weg von Angelina Kön weiter aufmerksam verfolgen und drückt die Daumen!

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln