Freizeit: Premiere im ‚Hol-Land‘ – Bastian Sick startet Tournee in Trier

Bastian Sick als Besserwisser zu bezeichnen entbehrt sicherlich nicht jeder Grundlage. Seine Spiegel-Online-Kolumnen zur deutschen Sprache führten mittlerweile zu zahlreichen Büchern und Sick wagt es auch, etwas vermeintlich Trockenes wie Grammatik und Rechtschreibung auf die mehr oder weniger große Bühne zu bringen.

In der Trierer Europahalle startete er nun unter dem Titel ‚Nur aus Jux und Tolleranz‘ seine aktuelle Deutschlandtournee und die Zuschauer verabschiedeten ihn nach zwei Stunden mit langanhaltendem Applaus. Begonnen hatte der Abend mit einem als Nachrichtensendung konzipierten und mäßig lustigem Einspieler, in dem sich Sick auch an eine Parodie der niederländischen Königin wagte. Seit Hape Kerkelings legendärem Auftritt als Beatrix liegt die Messlatte diesbezüglich ziemlich hoch und wirklich gelungen war die Sequenz nicht. Als der Lübecker dann aber die Bühne betrat, tat er das, was er tatsächlich sehr gut kann (im Gegensatz zum Singen…): Er erzählte. Und dieses Talent machte den Abend zu einem durchaus unterhaltsamen – was man sicher nicht über jeden Autor sagen kann, der mit seinen Werken auf Lesereise geht.

Na, auch Lust auf ein Sektchen?

Das Konzept der Bühnenshow ist schnell erzählt. Sick wechselt ab zwischen dem Vortrag, angelehnt an seine Kolumnen, und der als Zwiebelfischchen bekannten Präsentation von Stilblüten, die er mal mehr, mal weniger komisch kommentierte. Letztere sorgten insgesamt für die lautesten Lacher im Saal, was zeigt, dass man sich über die Fehler der anderen immer noch am besten amüsiert. Seine Kolumnen trug Sick, flankiert von einem kleinen Kanin (der doppelte Diminutiv wäre hier zuviel des Guten) und einem merkwürdigen Hello-Wien-Kürbis, meist etwas oberlehrerhaft an einem Schreibtisch vor. Seine Themen reichten dabei von geschlechterneutraler Sprachverwendung in der Schweiz (als Beispiel sei die im Krankenhaus gesuchte Schwester/In genannt) über den Wandel sprachlicher Vorbilder vom Französischen zum Englischen bis zum exzessiven Gebrauch von Verniedlichungsformen (Na, auch Lust auf ein Sektchen?).

Ein eingeschobenes Quiz bezog auch die Zuschauer mit ein. Um die Trierer Jugend muss einem demnach nicht Angst und Bange sein. Aus 32 unterschiedlichen Schreibweisen benannte ein Schüler in Windeseile die korrekte Form von Kongresszentrum. Weniger erfolgreich war das Trierer Publikum bei der Ermittung der richtigen Schreibung von Schmant, nämlich mit t statt d. Allerdings muss man hier zugute halten, dass auch die Molkereiindustrie konsequent die Tatsache ignoriert, dass Schmant auf das tschechische Smetana zurückzuführen ist, ebenso wie der Name des berühmten Komponisten Bedřich Smetana. Auch Sprachpuristen, die Notebooks zu Klapprechnern machen wollen, bekamen ihr Fett weg. Dabei stehen sie in guter Tradition. Bereits im 17. Jahrhundert sorgte Philipp von Zesen dafür, dass ich hier nicht nur eine Rezension, sondern eine Besprechung verfassen kann, oder dass man zum Ausleihen von Büchern zwar durchaus in eine Bibliothek gehen kann, es aber zur Not auch eine Bücherei tut. Weniger erfolgreich war von Zesen allerdings im Fall der Dörrleiche für eine Mumie oder des Meuchelpuffers für die Pistole.

Die Besonderheiten des Trierischen

Als Zugabe kam Bastian Sick nicht umhin, seine Beobachtungen über eine der Besonderheiten des Trierischen zum Besten zu geben. Er kann sich offensichtlich nur schwer mit der Tatsache abfinden, dass der Trierer auf das im Prinzip weitgehend unnötige Verb nehmen verzichtet und es aus sprachpragmatischen Gründen konsequent durch holen ersetzt. Zugegebenermaßen fällt es Auswärtigen oder Zugezogenen oftmals schwer, auf ein lieb gewonnenes Verb so einfach zu verzichten. Doch was soll verkehrt daran sein, dass Junkies Drogen holen und das Fast-Food-Menü zum Mitholen ist? Seine diesbezügliche Sicht der Dinge hat er bereits in einer Kolumne dargelegt, wirklich überzeugen konnte er zumindest die Trierer Zuschauer in der gut gefüllten Europahalle davon allerdings nicht.

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