Reality vs. Aliens – Die Unterhaltungskultur 2011 wird schleimig!

Wer diesen Sommer ins Kino geht, der kann ihnen nicht entkommen: Schleimig und böse haben sie es auf die Erde abgesehen. 5vier Profi-Nerd Lars Eggers wirft einen Blick auf die Alieninvasion in der Unterhaltungskultur 2011.

Wir alle erinnern uns an letztes Jahr, als Action-Kino Gott James Cameron auf die Leinwand zurückkehrte. Er hat die sinkenden Schiffe ruhen lassen (auch wenn ich ja die ganze Zeit auf „Titanic 2 – The Rising“ warte) und wandte sich statt dessen einem Genre zu, das er nur zu gut kennt: Sciene Fiction. Und wenn ein Cameron blaue Katzenaliens gegen Space Marines antreten lässt, dann wackelt die Erde. Diese Erschütterung reichte von Pandora direkt bis in die Büros der Hollywoodproduzenten und brachte dort die Kassen zum Klingeln. Auf einmal war allen klar: Spätestens jetzt ist SciFi kein Außenseitergenre mehr, sondern das absolute Millionengeschäft. Das hatte ja auch schon die Rückkehr eines panthergleichen Captain Kirk und des Kampfstern Galacticas auf die Bildschirme und Kinoleinwände deutlich gezeigt.

Invasion? Aber richtig!

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe Science Fiction. Aber in diesem Sommer trifft der Fallout von Avatar die Kinos in Deutschland (und damit sind nicht die kleinen Stückchen von Space Marines, die von lumineszenten Nashörnern gesprengt wurden gemeint).

Captain Kirk würde nicht genügend wackelige Pappfelsen finden, um in lächerlicher Pose den Aliens auf den Rücken zu springen und Jean-Luc Picard würde wohl schnell mit einer Shakespeare-Zitat-Knappheit zu kämpfen haben, wollten sie sich dem außerweltlichen Kinoprogramm in diesem Jahr entgegenstellen. Ob nun fröhliche „Independence Day“-Aufgüsse, die man mit anderen populären Zutaten, wie Soap Operas („Skyline“), die Militärpolitik der USA („Battle LA“) und Gute Nacht Geschichten über die Scheidung von Mama und Papa (dieser seltsam beunruhigende Kinderfilm…) mischt – Aliens sind immer mit dabei. Klar, der gelegentliche Zauberer oder Pirat findet sich auch – aber selbst der Wilde Westen ist nicht mehr sicher! Bald dürfen wir uns ja an einem James Bond erfreuen, der die üblen Uniridschen aus dem Saloon schmeißt: „Cowboys und Aliens“ dürfte wohl der seltsamste Auswuchs der neu entbrannten Alien-Manie Hollywoods sein.

Gedanken über schlechte Reiseorganisation

Seien wir mal ehrlich… was wollen die ganzen Aliens hier? In „Battle LA“ geht es um Wasser. Liebe Aliens, wie sage ich das freundlich… wenn ihr Wasser sucht, was macht ihr dann in Los Angeles? Was da an die Strände dümpelt sieht doch eher aus, wie die seltsame grünliche Brühe aus meinem Chemiebaukasten, mit dem ich als Achtjähriger das Wohnzimmer meiner Eltern gesprengt habe. Da hättet ihr mal lieber irgendwo in die Alpen fliegen und einen klaren Bergsee ausschlürfen sollen – da gäb es auch keine Probleme mit Aaron Eckhardt und seiner Militär-Trachtengruppe, sondern höchsten mit ein paar BSE-verseuchten Milka-Kühen. Aber ich gebe zu: „Battle Fuschl am See“ wäre ein wirklich idiotischer Filmtitel gewesen.

Vielleicht wollen sie sich auch einfach nur eine Zahnbürste leihen...? Foto: {link url="http://larseggers.daportfolio.com/"}Lars Eggers{/link}

Wie ist es bei den anderen Filmen? In Skyline klauen die Aliens gleich die Menschen selbst. Wieder stellt sich die Frage: Warum? Handelt es sich hier um eine besonders aggressive Marketingkampagne? Leiden die armen Aliens unter Magersucht und versuchen nun dieses Defizit mit der chronisch übergewichtigen amerikanischen Bevölkerung auszugleichen? Nun sagen wir einfach mal, die Erklärung, die der Film in den letzten Minuten offeriert lässt meine Theorien wirklich logisch erscheinen. Und was die Aliens im Wilden Westen wollen, das weiß ich beim besten Willen auch nicht… Pferde stehlen? Ein Autogramm von Daniel Craig? Einen jungen Clint Eastwood entführen und einen Poncho-Killerroboter klonen…? Obwohl, wenn ich recht überlege, das wäre schon ziemlich cool. Nein, wahrscheinlich interessieren sie sich für seltene Wüstenkakteen, oder so – aber seien wir ehrlich: Wen interessiert das überhaupt?

Der einfache Feind

Einer der Gründe, warum die Außerirdischen immer wieder als Bösewichte herhalten müssen ist ganz einfach: Sie sind Gegner, über die sich keiner aufregt. Das ist eigentlich schon witzig, bedenkt man, dass in dem Film, der das alles ausgelöst hat, die blauen Che-Guevara-Schlümpfe ja die Guten waren. Aber Außerirdische ziehen eben keinen politischen Rattenschwanz hinter sich her, niemand fragt, warum man die ganze Alienrasse als stereotype Zielscheiben darstellt – und man kann mit ihnen so wunderschön Actionszenen um einen einzigen Handlungsstrang häkeln: „Seht, die Aliens mögen Pepsi lieber als Coke! Tötet sie alle!!!“ Genau richtig für einen Sommer-Action-Blockbuster. Man muss ja nicht immer Filme im Kino sehen, die so schwer sind, dass man Angst haben muss, dass der Kinositz unter einem nachgibt. Aber dennoch – wäre etwas mehr Tiefgang nicht vielleicht doch ganz nett…?

Der Weltraum – unsinnige Weiten?

Nennt mich kleinlich, aber ich finde es schade, dass man immer weniger von den Charakteren auf beiden Seiten der intergalaktischen Konflikte mitbekommt. Vielleicht bin ich zu sehr von den Old-School Filmen, wie „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (das Original!) oder auch den alten „Star Trek“ Filmen verwöhnt. Mal ehrlich – wie blöd hätte Willie Kirk ausgesehen, wenn er anstatt dem unsterblichen „KHAAAAAN!“ etwas wie „CHARAKTERLOSES INSEKTENDING MIT TENTALKELN OHNE NAMEN!“ in die Kamera geschrien hätte? Selbst die klassischen Aliens aus der gleichnamigen Reihe hatten ein nachvollziehbares Verhalten, waren sie doch mehr Tier als intelligentes Wesen.

Und wie es sich gehört, schießen wir nur ärmellos und in attraktiver weiblicher Begleitung auf böse Aliens! Foto: {link url="http://larseggers.daportfolio.com/"}Lars Eggers{/link}

Mal Hand aufs Herz – wann hast du das letzte Mal eine Freundschaft zwischen einem Alien und einem Menschen im Kino gesehen? Ja, die Antwort ist Star Trek. Klar, wir dürfen im Juni wieder die jugendlich-unschuldige Kumpelbindung zwischen einem Roboter und Shia LaBeouf mit dem Gefühl, dass das schon ein bisschen seltsam ist, genießen, während andere Roboter eine amerikanische Großstadt zu Straßenschotter verarbeiten, aber unvergessene Sätze, wie „Ich war es und werde es immer sein: Ihr Freund.“ werden da wohl auch nicht anstehen. Sind diese Filme ein Spiegel, wie wir die Welt sehen? Wollen wir gar keine Freundschaften zu denen, die anders sind? Gibt es nur die Guten, die Bösen und nichts dazwischen? Vielleicht.

Ich weiß nur eines: An dem Tag, an dem Aliens ihre Raumschiffe als Terrorakt in amerikanische Hochbauten fliegen lassen, flüchte ich vom Planeten und komme mit einer riesigen Alien-Armada wieder. Und während ich den Stausee bei Möhnesee Ost trockenlege und die gesamte Belegschaft des lokalen C&A entführe, werde ich permanent Edgar Allen Poe zitieren. Ihr wisst schon – des Niveaus wegen.

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Kommentare (2)

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  1. Muppetfan sagt:

    Aber das Alien ist doch Gonzo… 🙂

    Hab heute kichernd vor dem Bildschirm gehockt! Obwohl Battle LA im Kino echt fetzig war – trotz ‚Trachtengruppe‘. Das krieg ich jetzt nicht mehr aus dem Schädel.

  2. AlienLiebahner sagt:

    Um es mit den Worten des unsterblichen Kermit zu sagen:
    APPLAUS APPLAUS APPLAUS!

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